Stellen Sie sich einen Skorpion vor, so groß wie ein Baseballschläger. Er klettert über moosbedeckte Felsen, schlängelt sich an baumartigen Gewächsen vorbei und gleitet dann in einen Bach. Genau so beschreibt ein Forscherteam den größten Skorpion, der jemals bekannt war.
415 Millionen Jahre alt und einen Meter lang
Das Tier mit dem Namen Praearcturus gigas lebte vor rund 415 Millionen Jahren im heutigen Großbritannien und war etwa einen Meter lang. Das schätzen die Wissenschaftler in einer Studie, die am 2. Juni im Fachjournal „Palaeontology" erschienen ist. Das berichtet der US-Sender CNN.
Für ihre Erkenntnis nahmen sich die Experten Fossilien noch einmal vor, die seit mehr als 100 Jahren im Natural History Museum in London lagern. Erstmals beschrieben wurde das Tier schon in den 1870er-Jahren. Damals hielt man es für ein Krebstier, ähnlich wie einen Hummer. Erst in den 1980er-Jahren kam die Forschung darauf, dass es sich um einen Skorpion handeln könnte.

Allein die Scheren des Riesen waren rund 16 Zentimeter lang, etwa so lang wie ein Geldschein. Wie gewaltig der Urzeit-Skorpion insgesamt war, zeigt der Vergleich mit dem größten heute lebenden Vertreter: Der Riesen-Waldskorpion misst von Kopf bis Schwanz meist nur 10 bis 13 Zentimeter.
Beine, Scheren und Kopf des Urzeit-Tieres waren mit groben Beulen übersät, ein typisches Skorpion-Merkmal. Augen sind in den Fossilien zwar nicht erhalten, doch die Forscher gehen davon aus, dass das Tier wie heutige Skorpione welche an der Vorderseite des Kopfes hatte.
Zu groß für die Jagd an Land
Das Monster lebte im frühen Devon, einer Zeit, in der das Leben auf der Erde noch fast vollständig im Wasser stattfand. „Das ist viel älter, als wir Riesen-Gliederfüßer erwarten würden", sagt Studienautor Richard Howard, Kurator für fossile Gliederfüßer am Natural History Museum.
Wovon sich so ein Koloss ernährte, ist offen. An Land gab es nur winzige Beute wie Milben. „Sicher kann etwas von der Größe eines Hundes nicht herumlaufen und all diese winzigen Dinge fressen", so Howard. Das Team vermutet deshalb, dass der Skorpion auch im Wasser jagte und sich von urtümlichen Panzerfischen ernährte.
Berliner Forscher zweifelt
Doch nicht alle sind überzeugt, dass es wirklich ein Skorpion war. Jason Dunlop, wissenschaftlicher Leiter der Spinnentier-Sammlung am Museum für Naturkunde in Berlin, äußert gegenüber CNN Zweifel. Zwei typische Skorpion-Merkmale fehlen nämlich: der Giftstachel am Schwanzende und kammartige Sinnesorgane an der Unterseite.
Howard kontert gelassen: Sein Team habe eben nur Bruchstücke. „Wenn man ein Dinosaurier-Skelett ohne Kopf entdeckt, geht man nicht davon aus, dass es keinen Kopf hatte", sagt er.


