Wer in den vergangenen Monaten ein Restaurant, einen Arzt oder eine Adresse bei Google gesucht hat, dürfte sich schon einmal dieselbe Frage gestellt haben: Warum funktioniert Google Maps plötzlich nicht mehr so wie früher?
Jahrelang reichte ein Klick auf die kleine Karte in den Suchergebnissen. Sofort öffnete sich Google Maps, man konnte hineinzoomen, die Umgebung erkunden oder direkt die Route starten. Heute sehen viele Nutzer stattdessen nur noch eine statische Kartenvorschau. Die Karte ist oft nicht mehr interaktiv, der direkte Weg zu Google Maps fehlt. Was wie ein technischer Fehler aussieht, ist in Wahrheit politisch gewollt.
Die EU will mehr Wettbewerb schaffen
Der Grund heißt Digital Markets Act, kurz DMA. Mit dem EU-Gesetz sollen die großen Technologiekonzerne daran gehindert werden, ihre eigenen Dienste in Suchmaschinen bevorzugt zu behandeln.
Deshalb musste Google zahlreiche Änderungen an seinen Suchergebnissen vornehmen. Unter anderem wurde die enge Verknüpfung zwischen Google-Suche und Google Maps eingeschränkt. Die anklickbare Karte verschwand vielerorts, ebenso der frühere Maps-Reiter in der Google-Suche.

Die Idee dahinter ist nachvollziehbar. Wer nach einem Restaurant sucht, soll nicht automatisch bei Google Maps landen, sondern auch Angebote anderer Anbieter sehen. Die EU möchte mehr Wettbewerb schaffen und die Macht von Konzernen wie Google begrenzen. Das klingt auf dem Papier vernünftig. Leider werden Restaurantbesuche, Arzttermine und Verabredungen nicht auf Papier organisiert, sondern auf Smartphones.
Google Maps wird für Nutzer umständlicher
Der eigentliche Sinn moderner Technik besteht darin, Wege zu verkürzen. Genau das war lange die Stärke von Google Maps: Wer nach einer Adresse suchte, bekam sofort die wichtigsten Informationen geliefert und konnte mit einem einzigen Klick weitermachen. Heute müssen viele Nutzer zusätzliche Schritte gehen. Maps wird separat geöffnet, die Adresse oft erneut gesucht und die Navigation erst danach gestartet.
Natürlich dauert das nur wenige Sekunden. Doch genau diese Sekunden entscheiden darüber, ob eine Anwendung bequem oder lästig ist. Moderne Technik wurde schließlich erfunden, damit wir weniger klicken müssen – nicht mehr. Sonst könnten wir auch wieder Straßenatlas, ADAC-Routenplaner und handschriftliche Wegbeschreibungen ausdrucken.

Viele Menschen haben deshalb das Gefühl, dass Google Maps schlechter geworden ist. Nicht weil die Technik fehlt, sondern weil sie bewusst ausgebremst wurde. Die gewünschte Funktion existiert weiterhin – sie wird den Nutzern in Europa lediglich nicht mehr so direkt angeboten wie früher.
Millionen Nutzer wollen keine Umwege
Besonders bemerkenswert ist dabei, dass die allermeisten Menschen gar nicht nach Alternativen suchen. Wer ein Café finden, ein Hotel ansteuern oder schnell die Route zum nächsten Termin planen möchte, interessiert sich meist nicht für die große Frage des Wettbewerbsrechts. Diese Menschen wollen einfach nur möglichst schnell ans Ziel kommen.

Genau deshalb sorgt die Änderung für so viel Frust. Die Suchergebnisse wirken weniger intuitiv, viele Nutzer halten das Verhalten zunächst sogar für einen Fehler ihres Smartphones oder Browsers. Wenn Technik komplizierter wird, obwohl sie längst einfacher sein könnte, sorgt das zwangsläufig für Ärger.
Die Bürokratie gewinnt, der Komfort verliert
Natürlich braucht es Regeln für mächtige Digitalkonzerne. Niemand möchte, dass einzelne Unternehmen den gesamten Markt kontrollieren. Doch Regulierung sollte am Ende vor allem den Verbrauchern helfen. Im Fall von Google Maps fällt es schwer zu erkennen, wo genau dieser Vorteil für die Nutzer liegen soll.
Tatsächlich erleben viele Menschen das Gegenteil. Eine Funktion, die jahrelang reibungslos funktioniert hat, wurde eingeschränkt. Die Suche nach Orten, Restaurants oder Geschäften ist dadurch nicht komfortabler geworden, sondern umständlicher. Es ist ein klassisches Beispiel dafür, wie etwas von der EU schlichtweg kaputtreguliert worden ist.


