Alptraum im Meer

Gestrandeter Wal lockt Haie an: Strände müssen gesperrt werden

Während an der Ostsee um das Leben von Wal Timmy gekämpft wird, hat man anderswo ganz andere Probleme mit gestrandeten Walen.

Author - Florian Thalmann
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Der gestrandete Wal Timmy liegt noch immer auf einer Sandbank vor der Insel Poel.
Der gestrandete Wal Timmy liegt noch immer auf einer Sandbank vor der Insel Poel.Philip Dulian/dpa

Ganz Deutschland blickt noch immer an die Ostsee, wo der Wal Timmy auf einer Sandbank liegt und auf Rettung wartet. Voraussichtlich am Dienstag soll hier ein weiterer großer Versuch starten, das Tier zurück ins tiefe Wasser zu bringen. Mit einem Lastkahn und einem Schlepper namens Robin Hood könnte Timmy endlich den Weg zurück in den Ozean finden. Dass gestrandete Wale auch ganz andere Probleme auslösen können, zeigt ein aktueller Fall aus Australien: Hier werden von einem an Land gespülten und verendeten Wal jetzt Haie angelockt!

Mehrere Strände gespert, weil toter Wal Haie anlockt

An der australischen Küste mussten bereits mehrere Strände gesperrt werden, um Badegäste zu schützen. Der Grund: Am Samstag entdeckte man auf Felsen im Meer vor dem Era Beach im Royal National Park in der Nähe von Sydney einen verendeten Pottwal. Das Tier ist acht Meter lang und 25 Tonnen schwer, wurde angespült und liegt seitdem dort in der Nähe des Strandes.

Das Problem: „Es wurden dort Weiße Haie und auch Bullenhaie gesichtet“, sagte Brendon Neilly, ein Experte der für Wildtiere zuständigen Behörde.

Das sei ganz natürlich: Die Haie werden von dem verendeten Wal angelockt – denn in der Nahrungskette seien auch sie dafür zuständig, das tote Tier wieder in den natürlichen Kreislauf zurückzuführen. Für Menschen, die an den Stränden baden wollen, bedeutet das: Bitte nicht! „Ich würde dort nicht schwimmen gehen“, sagte der Wildtierexperte. „Aber es ist ein ziemlich interessanter Vorgang.“

Rund um Australien gibt es im Meer viele Haie. Nahe Sydney mussten jetzt mehrere Strände gesperrt werden, weil die Raubfische von einem toten Wal angelockt werden.
Rund um Australien gibt es im Meer viele Haie. Nahe Sydney mussten jetzt mehrere Strände gesperrt werden, weil die Raubfische von einem toten Wal angelockt werden.Duncan Heuer/Aussie Bubbles/dpa

Die Rettungsorganisation Surf Life Saving gab ebenfalls eine Warnung heraus – und wies darauf hin, dass die Strände wegen „erhöhter Haiaktivität“ gesperrt werden mussten. Auch ohne Walkadaver ist Australien übrigens ein echte Hai-Hotspot: Seit 1791 gab es hier laut Berichten rund 1300 Vorfälle mit den Raubfischen, über 260 der Begegnungen zwischen Mensch und Hai endeten tödlich. Zuletzt starb ein gerade zwölf Jahre alter Junge im Januar im Hafen von Sydney nach einem Hai-Angriff.

Wie geht es Wal Timmy an der Ostsee?

Und wie geht es Timmy, Deutschlands Problem-Wal? An der Ostsee hat man ganz andere Themen als Haiangriffe: Hier wurde der gestrandete Wal am Sonntag laut Berichten in eine gebaggerte Sandrinne manövriert. Frühestens am Dienstag soll ein weiterer Rettungsversuch mit einem Lastkahn beginnen. Wal Timmy soll dann in eine Art Aquarium aus Stahl gelenkt und mithilfe eines Schleppers durch den Nord-Ostsee-Kanal in Richtung Ozean gebracht werden.

Mit der Ankunft des Lastkahns am Einsatzort rechnete die Initiative, die sich um die Rettung des gestrandeten Wals kümmert, Sonntagnacht beziehungsweise Montagfrüh. Größere Umbauarbeiten an dem Lastkahn stehen nach Aussage des beteiligten Tauchunternehmers Fred Babbel nicht mehr an. Das sei zuvor schon in einer Werft passiert. „Die haben dort Tag und Nacht gearbeitet.“

Dem Wal selbst geht es laut Aussage einer Tierärztin den Umständen entsprechend gut. Das nach anfänglichen Schätzungen zwölf Tonnen schwere Tier habe deutlich abgenommen, werde von der Initiative aber weiter als transportfähig eingestuft, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus. „Er wird von heute auf morgen jedenfalls nicht sterben.“

Was halten Sie von dem Trubel um Timmy an der Ostsee? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!