Windeln, Kita, Kinderzimmer, Sportverein – wer in Deutschland ein Kind großzieht, muss tief in die Tasche greifen. Doch wie tief, das hängt gewaltig davon ab, wo man wohnt. Ein aktueller Kostencheck hat 20 deutsche Städte unter die Lupe genommen. Das Ergebnis dürfte vor allem Berliner Eltern überraschen: Die Hauptstadt ist für Familien deutlich günstiger, als viele denken. Ganz anders sieht es in Köln und München aus: Dort wird das Familienleben richtig teuer.
Berliner Eltern zahlen fast nichts für die Kita
Für den Vergleich wurden sieben Ausgabeposten in vier Kategorien untersucht: Kitagebühren und Kinderhaarschnitt, Mehrkosten fürs Kinderzimmer, Freizeitausgaben wie Zoobesuch, Sportverein und eine Kugel Eis sowie die Kosten für die erste Babyausstattung. Alle Posten wurden nach ihrem Einfluss aufs Haushaltsbudget gewichtet – herausgekommen ist ein Ranking, das es in sich hat.

Das hat die Preisvergleichsplattform idealo herausgefunden: Ausgerechnet die oft als teuer verschriene Hauptstadt glänzt bei einem der größten Kostentreiber junger Familien – den Kitagebühren. In Berlin fallen wegen des kostenlosen Kitagutscheins kaum Beiträge an. Außer man muss Zuzahlungen zum Essen leisten oder bevorzugt eine private Einrichtung.
Auch in diesem Punkt liegt Berlin unter dem Durchschnitt
Auch Rostock befreit Eltern komplett. Zum Vergleich: In Dortmund zahlen Familien durchschnittlich 417 Euro pro Monat für die Ganztagesbetreuung, in Mainz sind es 414 Euro. Aufs Jahr gerechnet sind das rund 5000 Euro – und über die gesamte Kita-Zeit kann sich die Belastung auf mehr als 25.000 Euro summieren.

Auch beim Vereinssport schneidet Berlin stark ab. Die Mitgliedschaft im Sportverein kostet in der Hauptstadt nur rund fünf bis sechs Euro pro Monat. Ähnlich günstig ist sie in Magdeburg, Cottbus, Rostock und Erfurt. In Hamburg dagegen müssen Eltern mit mehr als 200 Euro pro Jahr rechnen. Unterm Strich liegt Berlin bei den laufenden Alltagskosten hinter vielen Vergleichsstädten. Wer hätte das gedacht?
Köln und München belasten Familien am stärksten
Ganz anders ist die Lage im Westen und im Süden der Republik. Köln ist laut der Auswertung die teuerste Stadt für Familien im gesamten Vergleich. Treiber sind die hohen laufenden Kosten: rund 344 Euro monatlich für die Kita, dazu etwa 197 Euro Mehrkosten für ein zusätzliches Kinderzimmer. Selbst bei kleinen Alltagsfreuden wird es happig – eine Kugel Eis kostet in Köln durchschnittlich 2,10 Euro.
Wer in München ein Kinderzimmer von rund 15 Quadratmetern dazumieten will, zahlt im Schnitt satte 307 Euro pro Monat – das sind 3684 Euro im Jahr und damit fast dreimal so viel wie im günstigsten Vergleichsort Magdeburg, wo nur rund 111 Euro fällig werden. Dahinter folgen Cottbus mit 120 Euro und Saarbrücken mit etwa 127 Euro.

Am anderen Ende der Skala steht übrigens Kiel als familienfreundlichste Stadt fürs Portemonnaie. Dort sorgen niedrige laufende Ausgaben für Entspannung: durchschnittlich 116 Euro Kitagebühren, rund 161 Euro fürs Kinderzimmer und gerade mal sieben Euro im Monat für den Sportverein.
Babyausstattung frisst bis zu neun Prozent des Jahreseinkommens
Schon vor der Geburt wird es teuer. Kombikinderwagen, Babyschale, Wickelkommode, Buggy, Kinderautositz und Windeln – für die grundlegende Erstausstattung fallen laut idealo im ersten Babyjahr durchschnittlich rund 2276 Euro an. Gemessen am verfügbaren Haushaltseinkommen macht das je nach Bundesland sieben bis neun Prozent des Jahreseinkommens aus. Am geringsten ist die Belastung in Bayern und Baden-Württemberg (rund 7 Prozent), am höchsten in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern (rund 9 Prozent).
Florian Kriegel, Preisexperte bei idealo, ordnet die Ergebnisse so ein: „Die größten Kostentreiber für junge Familien sind oft laufende Ausgaben wie Kitagebühren und Miete. Gerade deshalb können Preisvergleiche bei planbaren Anschaffungen rund ums Kind einen Unterschied machen. Unsere Daten zeigen, dass sich hier durch bewusste Kaufentscheidungen spürbare Einsparungen erzielen lassen.“




