Wochenlang warten, ständig neue Unterlagen nachreichen und am Ende ist trotzdem kein Geld auf dem Konto. Für viele junge Familien in Berlin wird das Elterngeld aktuell zur echten Belastungsprobe. Besonders in Berlin-Mitte spitzt sich die Lage zu. Dort dauert die Bearbeitung eines Elterngeld-Antrags derzeit durchschnittlich rund 15 Wochen.
Einreichen der Geburtsurkunde für das Elterngeld kann auch später erfolgen
Für Eltern kann ausbleibendes Geld schnell existenzbedrohend werden. Besonders hart trifft es Alleinerziehende und Familien, die finanziell ohnehin schon kämpfen. Immerhin soll sich jetzt etwas ändern. Auf KURIER-Nachfrage erklärt eine Sprecherin der Pressestelle des Bezirksamts Mitte, dass ab dem 1. Juni 2026 eine neue Regelung in Kraft tritt.
Die Sprecherin erklärt dazu: „Um hier Abhilfe zu schaffen, akzeptiert das Jugendamt künftig (ab 1.6.) als Grundlage für die Elterngeldbeantragung die Geburtsbescheinigung (Geburtsanzeige) anstelle der Geburtsurkunde, sodass die Wartezeit auf die Geburtsurkunde entfällt.“
Denn genau dort beginnt oft schon das nächste Problem: „Mit Stand Mai 2026 dauert die Erstellung der Geburtsurkunde im Standesamt derzeit ca. 6 Wochen.“ Diese sechs Wochen Wartezeit sollen künftig entfallen. Die Geburtsurkunde muss später nachgereicht werden.
Massive Personalprobleme in der Elterngeldstelle Mitte
Doch die Probleme reichen deutlich tiefer. Aktuell liegen in der Behörde „etwas über 100 Neuanträge“ vor. Gleichzeitig gab es massive Personalprobleme. „Es gab personelle Engpässe aber es konnten alle vakanten Stellen der Elterngeldstelle bis zum 01.07.2026 besetzt werden“, heißt es aus dem Bezirksamt. Ab Juli beginnt die Problematik also von vorn.

Trotzdem wird es wohl dauern, bis Familien die Auswirkungen spüren. „Die Bearbeitung der Anträge erfordert eine hohe fachliche und rechtliche Expertise, weshalb die Einarbeitung entsprechend umfangreich ist“, so das Bezirksamt Mitte.
Hinzu kommt: Nicht jeder Antrag kann schnell bearbeitet werden. Die Sprecherin betont: „Vollständig und korrekt eingereichte Anträge können deutlich schneller bearbeitet werden.“ Gleichzeitig weist das Bezirksamt darauf hin, dass auf dem Familienportal des Bundes wichtige Informationen fehlen würden. Deshalb sollten Eltern unbedingt die Checkliste der Elterngeldstelle Mitte für einen vollständigen Antrag nutzen.
Vorschuss auf das Elterngeld verkürzt die Bearbeitungszeit nicht
Besonders bitter: Zwar seien Vorschüsse grundsätzlich möglich, allerdings nur, wenn der Antrag bereits vollständig geprüft wurde. „Eine Vorschusszahlung würde daher die aktuelle Bearbeitungszeit nicht verkürzen“, so das Bezirksamt Mitte. Auch hier werden die Eltern im Stich gelassen. „Der Elterngeldstelle ist bewusst, dass verspätete Zahlungen für junge Familien und insbesondere für Alleinerziehende zu finanziellen Engpässen und zusätzlichen Belastungen führen.“



