Neue Zahlen

Lebensmittel-Preise brechen massiv ein: Warum Ihr Einkauf trotzdem nicht billiger wird

Die Erzeugerpreise für Kartoffeln, Milch und weitere Agrarprodukte fallen so stark wie seit elf Jahren nicht mehr. Warum Verbraucher davon kaum profitieren.

Author - Mariella Mandurino
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Die Kosten in den Supermärkten sinken nicht, obwohl es einen historischen Preisabsturz bei den Landwirten gibt.
Die Kosten in den Supermärkten sinken nicht, obwohl es einen historischen Preisabsturz bei den Landwirten gibt.Michael Bihlmayer/Imago

Die Erlöse für Kartoffeln, Milch und viele andere Lebensmittel stürzen so stark ab wie seit mehr als elf Jahren nicht mehr und trotzdem kommt an der Supermarktkasse kommt davon kaum etwas an. Neue Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen einen historischen Preissturz für Deutschlands Bauern. Warum Verbraucher trotzdem kaum etwas davon haben.

Bauern erleben massiven finanziellen Absturz

Die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte lagen im Mai 2026 um fast 13,9 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Im April hatte das Minus noch knapp 12 Prozent betragen. Der Absturz hat sich damit in den vergangenen Monaten noch viel weiter beschleunigt.

Auch Kartoffelbauern leiden unter der aktuellen wirtschaftlichen Lage.
Auch Kartoffelbauern leiden unter der aktuellen wirtschaftlichen Lage.Imago

Besonders hart traf es die Kartoffelbauern. Für Speisekartoffeln erhielten sie im Mai unglaubliche 53,5 Prozent weniger als noch im Jahr zuvor. Auch andere pflanzliche Erzeugnisse wurden deutlich günstiger: Obst verbilligte sich um fast ein Viertel, Tafeläpfel sogar um rund ein Drittel. Getreide kostete fast 10 Prozent weniger als im Vorjahr. Insgesamt sanken die Erlöse pflanzlicher Erzeugnisse um rund 10 Prozent.

Auch bei tierischen Produkten zeigt sich ein deutlicher Rückgang und eine magere Ausbeute für die Bauern. Milch brachte den Erzeugern knapp 25 Prozent weniger ein als im Mai 2025. Schlachtschweine verbilligten sich um 19,5 Prozent, Rinder um fast 7 Prozent. Insgesamt gingen die Preise für Tiere und tierische Erzeugnisse um fast 16 Prozent zurück. Steigende Erzeugerkosten gab es dagegen unter anderem bei Eiern, Tomaten und Gurken.

Wer jetzt auf deutlich günstigere Lebensmittel im Supermarkt hofft, wird kläglich enttäuscht. Denn nur weil die Einnahmen bei den Landwirten sinken, heißt es nicht, dass sie automatisch auch zu niedrigen Preisen in Supermärkten führen. Gründe davor sind vor allem die weiterhin hohen Kosten zwischen Landwirten und Lebensmittelgeschäften.

Warum Verbraucher im Supermarkt nichts davon merken

Denn auch wenn der Bauer deutlich weniger einnimmt, bleiben seine Kosten trotzdem hoch. Es kommen Verarbeitungs-, Verpackungs-, Transports-, Lagerungs- und Handelskosten hinzu. Wie stark sich niedrigere Erzeugererlöse auf den Endpreis auswirken, hängt deshalb vom jeweiligen Produkt und dessen Kostenstruktur ab.

Ein Beispiel: Bei Brot macht der eigentliche Getreideanteil nur einen kleinen Teil des Verkaufspreises aus. Selbst deutlich günstigere Getreidepreise wirken sich deshalb nur begrenzt auf die Zahlen im Supermarkt aus. Bei Milch ist der Einfluss des Rohstoffpreises zwar größer, dennoch spielen auch hier Verarbeitung, Energie- und Transportkosten eine wichtige Rolle.

Verarbeitung, Transportkosten, Energie und Co. spielen eine große Rolle bei den Endpreisen in den Supermärkten.
Verarbeitung, Transportkosten, Energie und Co. spielen eine große Rolle bei den Endpreisen in den Supermärkten.Emmanuele Contini

Für Verbraucher bedeutet das: Obwohl viele landwirtschaftliche Produkte auf Erzeugerebene deutlich billiger geworden sind, bleiben die Kosten an der Ladentheke häufig stabil oder verändern sich nur langsam. Für die Landwirte hingegen bedeuten die aktuellen Zahlen den stärksten Preisrückgang seit mehr als elf Jahren und könnten auch Existenzangst nach sich ziehen.

Warum die Erzeugerpreise so stark fallen, geht aus den Zahlen des Statistischen Bundesamts allerdings nicht hervor. Als mögliche Einflussfaktoren gelten in solchen Fällen häufig ein größeres Angebot bei einzelnen Agrarprodukten, gute Ernten, eine schwächere Nachfrage sowie Entwicklungen auf den internationalen Agrarmärkten. Welche dieser Faktoren den stärksten Einfluss hatte, lässt sich anhand der veröffentlichten Daten jedoch nicht eindeutig feststellen.

Finden Sie, Landwirte sollten mehr von der Regierung unterstützt werden? Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com