Eine aktuelle IW-Umfrage zeigt: Jedes dritte Unternehmen in Deutschland plant 2026 Stellen abzubauen. Kündigungen sind ein harter Einschnitt ins Leben jedes Arbeitnehmers und treffen laut Kündigungsatlas 2026 der Allright Group besonders oft verheiratete Männer.
Männer vorn – und oft verheiratet
Das Ergebnis der Untersuchung: Männer machen 57,4 Prozent der Gekündigten aus, während Frauen auf 42,6 Prozent kommen. Auffällig ist aber nicht nur der geschlechtliche Unterschied, sondern auch der Familienstand: Fast jede zweite betroffene Person ist verheiratet. Insgesamt stellen Verheiratete mit 46,7 Prozent die größte Gruppe, vor Ledigen mit 43,1 Prozent. Besonders häufig betroffen sind verheiratete Männer.

Gerade für verheiratete Arbeitnehmer kann eine Kündigung besonders belastend sein, weil familiäre Verpflichtungen eine große Rolle spielen. Die Auswertung zeigt deshalb, wie wichtig es ist, im Kündigungsfall die eigenen Rechte zu kennen.
Rabia Zayani, Arbeitsrechtsexpertin bei Allright, stellt klar: „Eine Kündigung sollte nie ungeprüft hingenommen werden. Gerade bei betriebsbedingten Kündigungen müssen Arbeitgeber soziale Kriterien wie Alter, Betriebszugehörigkeit und Unterhaltspflichten berücksichtigen.“ Geschehe das nicht, können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gute Chancen haben, sich erfolgreich gegen die Kündigung zu wehren oder eine Abfindung zu verhandeln.
Deutliche Lücke beim Gehalt
Auch beim Geld zeigt sich ein klares Bild. Männer verdienen zum Zeitpunkt der Kündigung im Schnitt deutlich mehr als Frauen. Männer: 4442,80 Euro brutto, Frauen: 3226,87 Euro brutto. Das ist ein Unterschied von rund 1216 Euro im Monat, womit die Lohnlücke bei etwa 27,4 Prozent liegt.

Zayani erklärt: „Wenn Frauen bereits im laufenden Arbeitsverhältnis weniger verdienen, wirkt sich das im Kündigungsfall oft doppelt aus.“ Ein geringeres Gehalt könne nicht nur die finanzielle Belastung nach dem Jobverlust erhöhen, sondern wirke sich auch auf die Höhe des Arbeitslosengeldes oder möglicher Abfindungen aus.
Kündigungstage und -fristen
Ein überraschender Trend: Die meisten Kündigungen werden mit 19,6 Prozent freitags ausgesprochen. Am seltensten trifft es den Montag. Auch innerhalb des Monats gibt es ein klares Muster: 53,9 Prozent der Kündigungen erfolgen zum Monatsende. Der Grund sind meist vertragliche Fristen.
Wer gekündigt wird, sollte schnell handeln, denn für eine Kündigungsschutzklage gelten nur drei Wochen Frist. Zayani warnt: „Wer eine Kündigung erhält, sollte die Drei-Wochen-Frist für eine Kündigungsschutzklage unbedingt im Blick behalten. Wenn diese Frist versäumt wird, gilt die Kündigung in der Regel als wirksam, selbst dann, wenn sie eigentlich angreifbar gewesen wäre.“

Tipp: Deshalb regelmäßig den Briefkasten kontrollieren und bei längerer Abwesenheit eine vertrauenswürdige Person beauftragen, den Posteingang zu prüfen. So lässt sich das Überschreiten einer Frist verhindern.
Auswertung nicht eindeutig
Warum verheiratete Männer besonders häufig gekündigt werden, beantwortet die Auswertung nicht eindeutig. Die Gründe lassen sich daher nur vermuten. Denkbar ist etwa, dass Männer im Schnitt höhere Gehälter haben und Unternehmen bei ihnen ein größeres Einsparpotenzial sehen.
Hinzu kommt, dass verheiratete Männer häufiger in Vollzeit arbeiten, oft länger im Unternehmen sind und sich in gut bezahlten Positionen befinden, also genau in den Gruppen, die bei Umstrukturierungen stärker in den Fokus geraten. Auch Faktoren wie familiäre Verpflichtungen, die zu mehr Fehlzeiten führen können, oder bestimmte Branchen- und Rollenverteilungen könnten eine Rolle spielen.
Letztlich bilden die Zahlen aber vor allem strukturelle Muster des Arbeitsmarkts ab und erheben keinen Anspruch auf Repräsentativität.


