Die berühmten Kreidefelsen locken auch im Winter Besucher an die Ostsee. Doch ausgerechnet jetzt wird der Spaziergang unterhalb der Steilküste zur lebensgefährlichen Falle. Kälte und Nässe erhöhen das Risiko für Hangrutsche massiv, warnt der Leiter des Nationalparks Jasmund auf Rügen.
An der Steilküste bröckelt es
„Man kann da lang, man darf da lang – aber man sollte da nicht lang“, sagt Nationalparkchef Ingolf Stodian mit Blick auf den Strand unter den Klippen. Besonders in den Wintermonaten komme es durch Kälte und Feuchtigkeit vermehrt zu gefährlichen Hangabrutschen. Rund 200-mal pro Jahr bröckeln Teile der Küste ab, gehäuft im Februar und März.

Keine Spaziergänge unter der Abrisskante
Am Strand unterhalb der Steilhänge entlangzulaufen, sei zwar nach wie vor nicht verboten. Wer unbedingt den Strand betreten wolle, lasse sich erfahrungsgemäß kaum aufhalten, meint Stodian. Man rate aber ausdrücklich davon ab, unterhalb der Abrisskante entlangzugehen, und mache dies auch durch zahlreiche Schilder und Hinweise deutlich.
Auch Till Backhaus (SPD), Agrarminister von Mecklenburg-Vorpommern, warnt eindringlich vor der Gefahr durch abbrechende Küstenteile: „Bleiben Sie auf gekennzeichneten Wegen! Familien mit Kindern sollten besonders wachsam sein.“
Eis im Boden sprengt ganze Felspartien ab
Der Grund für die erhöhte Gefahr liegt im Winterwetter. „Zum einen sind die Kreidefelsen im Winter ohnehin feuchter, weil Bäume und Vegetation zu dieser Jahreszeit weniger Wasser verbrauchen“, erklärt Stodian. Zudem dringt Frost bis zu 30 Zentimeter tief in das Gestein ein.
Wasser kann nicht mehr abfließen, gefriert und sprengt beim Tauwetter ganze Felspartien ab. Die langen Frostperioden der vergangenen Wochen hätten die Felsen zusätzlich zu schweren „Eispanzern“ gemacht, so Stodian weiter.

Touristen bei waghalsigen Selfies in Gefahr
Auch andernorts im Land kommt es immer wieder zu dramatischen Abbrüchen. Bei Ahrenshoop stürzte im Februar 2024 ein alter DDR-Beobachtungsbunker ins Meer. Auf der Insel Poel musste ein Küstenwanderweg gesperrt und teilweise verlegt werden. „Der Weg hat für uns schon Bedeutung“, sagt Bürgermeisterin Gabriele Richter. Er verbinde die Orte Schwarzer Busch und Gollwitz und sei wichtig für Einheimische wie Touristen.
Besonders riskant wird es, wenn Besucher Regeln missachten. Immer wieder habe es tödliche Unfälle gegeben, berichtet Stodian. Manche Touristen wollen Selfies nahe der Abrisskante machen, unterschätzen den Abstand und stürzen ab. Andere verlieren schon beim Klettern an der brüchigen Felswand den Halt. Der höchste Punkt der Klippen ist der 119 Meter hohe Königsstuhl.




