Die deutsche Justiz arbeitet am Anschlag – und kommt kaum noch hinterher. Der Deutsche Richterbund warnt angesichts neuer Rekordzahlen bei unerledigten Strafverfahren vor einer dramatischen Entwicklung mit fatalen Folgen für unsere Sicherheit.
Bundesweit fehlen 2000 Richter
„Im Jahr 2025 haben wir im dritten Jahr in Folge rund 5,5 Millionen neue Strafverfahren bei den Staatsanwaltschaften gehabt. Erstmals hat die Zahl der offenen Fälle zum Jahresende 2025 die Marke von einer Million überschritten“, sagte der Bundesgeschäftsführer des Richterbunds, Sven Rebehn, der Rheinischen Post.
Zum Vergleich: „Ende 2020 waren es noch rund 700.000 offene Verfahren. Das entspricht einer Steigerung von annähernd 50 Prozent in fünf Jahren“, rechnete Rebehn vor. Jahr für Jahr wachse der Aktenberg weiter an. Ohne zusätzliches Personal sei dieser nicht mehr abzutragen. Bundesweit fehlten nach Angaben des Richterbunds 2000 Staatsanwälte und Strafrichter.

Die Folgen sind brisant. Weil Verfahren zu lange dauern, müssen Beschuldigte aus der Untersuchungshaft entlassen werden. „2025 sind bundesweit 50 dringend Tatverdächtige aus der Untersuchungshaft entlassen worden, weil die Verfahren zu lange gedauert haben. In diesen Fällen geht es in der Regel um den Vorwurf eines Verbrechens, also zum Beispiel um Tötungsdelikte, Vergewaltigungen oder schwere Körperverletzungen“, erläuterte der Richterbund-Geschäftsführer.


