Schwalbe, Star, Sperber, S50 und S51: Bis heute sind die DDR-Mopeds von Simson Kult. Zu DDR-Zeiten wurden sie in Suhl in Thüringen millionenfach produziert. Und Fans lieben das unverwechselbare Zweitaktknattern heiß und innig. Wenn da nur nicht der Streit um unterschiedliche Tempolimits für die Zweiräder wäre! Denn manche der Zweiräder dürfen 60 Stundenkilometer schnell flitzen, andere nur 45 km/h Höchstgeschwindigkeit. Doch wie erkenne ich den Unterschied am Modell überhaupt? Darüber fachsimpelt der gesamte Simson-Kosmos!
Gleiches Tempo für alle Simsons
Wie schnell dürfen Simsons fahren – darüber ist jetzt ein heftiger politischer Streit entbrannt. Die ostdeutschen Länder wollen gleiches Tempo-Recht für alle Simsons! Sie wollen mithilfe der Bundesregierung auf EU-Ebene durchsetzen, dass auch re-importierte Simson-Mopeds aus DDR-Produktion künftig in Deutschland mit Tempo 60 fahren können.
Denn bisher dürfen das wegen einer Sonderklausel im Einigungsvertrag von 1990 nur Simsons, wenn sie vor Ende Februar 1992 auf deutschen Straßen unterwegs waren. Für alle anderen gelten die üblichen 45 km/h Höchstgeschwindigkeit für Mopeds derselben Klasse.

Simson-Re-Importe schwer zu erkennen?
Die Sonderregel gilt also auch nicht für sogenannte Re-Importe, also für Mopeds, die aus dem Ausland, meist aus Osteuropa, nach Deutschland zurückimportiert wurden. Diese Fahrzeuge dürfen nur 45 km/h fahren.
Das sorgt für Frust in der Szene – und für eine kaum zu überblickende Grauzone. Dass es diesen Unterschied überhaupt gibt, ist unter Simson-Fans seit Jahren ein heißes Diskussionsthema, weiß Dirk Steffens von „Simson-Seelig“ in Berlin-Neukölln. Doch sind die re-importierten Simsons überhaupt zu unterscheiden von Zweirädern, die Tempo 60 fahren dürfen?
Im Internet sind Tausende Simson-Besitzer auf der Suche nach den gängigen Merkmalen. „Zu erkennen sind diese Export-Modelle teils daran, dass zum Beispiel Schwalben für den Export nach Ungarn oder in die Tschechoslowakei ohne Hupe und ohne Blinkanlagen gebaut wurden“, erklärt Steffens. Außerdem hätten die Export-Modelle auf dem Typenschild eine spezielle Stanzung. „Auf dem Schild steht CM50, die Stanzung sieht fast so aus, als wäre sie per Hand in das Schild gehauen“, so der Berliner Experte für Simson-Ersatzteile.
Simson-Re-Importe zwar billiger, aber unbeliebt!
Längst wird getrickst, um die 45-km/h-Grenze zu umgehen. Steffens: „Besitzer haben die Schilder zum Beispiel als angeblich ,verloren‘ gemeldet oder ein Typenschild als Rohling nachgekauft.“
Die Gleichstellung aller Simson-Modelle wäre für Besitzer der Kult-Zweiräder aus Suhl in Thüringen eine riesige Erleichterung. „Besitzer legen sich ja extra eine Simson zu, weil sie damit 60 Stundenkilometer fahren dürfen“, so Steffens. „Die re-importierten Modelle sind zwar billiger, doch die möchte kaum jemand haben. Es gibt schlicht keinen Markt für Modelle, die nur 45 km/h fahren dürfen.“



