Jetset, Millionen, Fernweh

Das war das Leben der Kaufland-Millionäre vor dem Absturz in Namibia

Richard und Silke Lohmiller hatten Jahrzehnte an der Spitze der Schwarz-Gruppe gearbeitet. Im Ruhestand wollten sie endlich die Welt sehen.

Author - Tobias Esters
Teilen
Richard Lohmiller war 40 Jahre lang für Kaufland tätig – zuletzt als Deutschlandchef des Handelskonzerns. (Symbolfoto)
Richard Lohmiller war 40 Jahre lang für Kaufland tätig – zuletzt als Deutschlandchef des Handelskonzerns. (Symbolfoto)Steinsiek.ch/imago

Er war Kaufland-Deutschlandchef, sie baute Bildungsinstitutionen für Dieter Schwarz – und beide hatten sich nach Jahrzehnten harter Arbeit ihren Traum erfüllt: die Welt bereisen. In Namibia endete dieser Traum tragisch.

Vom Büro in die weite Welt

Richard und Silke Lohmiller lebten das Leben, das viele sich wünschen. Jahrzehntelange Karrieren in einem der mächtigsten Handelskonzerne Deutschlands, gesellschaftliches Engagement, eine Familie und am Ende des Berufslebens endlich die Zeit, die Welt zu sehen. Neuseeland, Australien, Amerika: Die Reisen der Lohmillers führten sie in den letzten Jahren rund um den Globus. Ihr letztes Ziel war Namibia.

Wie die Heilbronner Stimme berichtet, war Richard Lohmiller 40 Jahre als Manager bei Kaufland tätig. 1980 trat er ins Unternehmen ein, 1999 wurde er Vorstand und verantwortete Ressorts wie Vertrieb, Immobilien, Beschaffung sowie Fleischwaren und Logistik. Im Oktober 2016 übernahm er als Vorstand die Gesamtverantwortung für die deutsche Landesgesellschaft – er wurde damit Kaufland-Deutschlandchef. 2019 schied er aus dem operativen Geschäft aus, blieb dem Unternehmen aber im Aufsichtsrat verbunden.

Lohmiller war weit mehr als ein Manager. Als Golfer, Skifahrer und ehemaliger Fußballer verschiedener Heilbronner Vereine war er dem Sport immer verbunden. Seit 2018 war er Erster Vorsitzender der Sporthilfe Unterland e.V. Heilbronn-Hohenlohe und hat den Verein maßgeblich weiterentwickelt – unter anderem initiierte er das Perspektivteam Paris 2024, um regionalen Athleten den Weg zu Olympischen Spielen zu erleichtern.

Mit einer Cessna 210 – wie dieser hier – startete die Familie Lohmiller zu ihrem letzten Rundflug über die Dünen von Sossusvlei. (Symbolfoto)
Mit einer Cessna 210 – wie dieser hier – startete die Familie Lohmiller zu ihrem letzten Rundflug über die Dünen von Sossusvlei. (Symbolfoto)Ian L. Sitren/IMAGO

Silke Lohmillers Karriere begann im Tip-Verlag, in dem Kaufland den „Tip der Woche" herausgegeben hat. Kaufland und Lidl gehören beide zur Schwarz-Gruppe – einem der größten Handelskonzerne der Welt. Was folgte, war ein beeindruckender Aufstieg. Nach ihrer Elternzeit baute sie die erste Kita sowie die erste Josef-Schwarz-Schule auf und verantwortete als Geschäftsführerin bei Schwarz Dienstleistung den Bereich Erziehung, Bildung, Soziales.

Silke Lohmiller war über vier Jahrzehnte eine prägende Persönlichkeit der Schwarz-Gruppe.
Silke Lohmiller war über vier Jahrzehnte eine prägende Persönlichkeit der Schwarz-Gruppe.Foto: Dieter Schwarz Stiftung

2015 übernahm Silke Lohmiller laut der Dieter-Schwarz-Stiftung die Geschäftsführung der Stiftung – als Nachfolgerin des plötzlich verstorbenen Klaus Czernuska. Zehn Jahre lang hatte sie die Position inne. In dieser Zeit entstanden unter ihrer Führung die experimenta als größtes deutsches Science Center und die Josef-Schwarz-Schule als eine der größten bilingualen Privatschulen Deutschlands. 2025 ging sie in den Ruhestand. „Ich möchte künftig Dinge tun, die mir Spaß machen, mit Menschen, die ich mag", sagte sie damals bei „Wissensstadt Heilbronn“.

Silke Lohmiller engagierte sich außerdem ehrenamtlich als Zweite Vorsitzende beim Förderverein Freunde der Burgfestspiele Jagsthausen". Der gemeinsame Sohn Henry war laut Heilbronner Stimme in der DLRG-Jugend Bezirk Heilbronn aktiv.

Fünf Minuten vor der Landung – dann riss das Signal ab

Und dann, nach all den Jahren des Arbeitens, der Verantwortung, der Pflichten: der verdiente Ruhestand. Gemeinsam reisen, endlich. Namibia sollte eine dieser Reisen werden. Am Sonntag starteten Richard, Silke und Henry Lohmiller mit einer Cessna 210 zu einem Rundflug über die berühmten Dünen von Sossusvlei. Fünf Minuten vor der geplanten Landung riss das Signal ab. Das Wrack wurde am Montagmorgen entdeckt. Die Maschine hatte gebrannt. Überlebende gab es nicht.