Die Deutschen verlieren die Geduld mit der Bahn und steigen wieder vermehrt um ins Auto. Eine neue Mobilitätsstudie der HUK-Coburg zeigt: Ausgerechnet die anhaltenden Probleme auf der Schiene treiben viele Menschen zurück zum eigenen Wagen.
35 Prozent der Deutschen meiden die Deutsche Bahn
Die Bahn verliert das Vertrauen der Deutschen und das rasanter als jeder Zug! Das zeigt die neue Mobilitätsstudie der HUK Coburg, die jedes Jahr abfragt, wie sich die Menschen hierzulande fortbewegen wollen.
Mehr als ein Drittel der Befragten macht inzwischen einen großen Bogen um Züge. Der Grund ist bekannt, aber offenbar immer schmerzhafter: ständige Verspätungen, Ausfälle, Pannen. Auf die Frage „Haben sich Planungen für Bahnfahrten bei Ihnen durch die verbreiteten Pünktlichkeitsprobleme verändert“ antworteten 35 Prozent: „Ich versuche Bahnfahrten wenn irgend möglich zu vermeiden.“

Weitere 28 Prozent planen inzwischen großzügige Zeitpuffer ein. Und 26 Prozent verlassen sich bei wichtigen Terminen grundsätzlich nicht mehr auf die Bahn.
Besonders heftig fällt das Urteil der Jüngsten aus. Die 16- bis 24‑Jährigen haben den Glauben an die Zukunftsfähigkeit der Bahn am stärksten verloren. Ein Alarmzeichen für alle, die auf die Verkehrswende setzen.
Auto profitiert vom Frust über die Bahn
Vom Frust über die Bahn profitiert vor allem das Auto. Für 76 Prozent bleibt der eigene Wagen auch in den kommenden fünf Jahren die beste Lösung für den Alltag. Auch hier entdecken gerade jüngere Menschen das Auto wieder für sich. Die Vorliebe der unter 40-Jährigen für den eigenen Pkw ist in den vergangenen vier Jahren deutlich stärker gestiegen als bei älteren Befragten.

Fahrrad ist beliebter als Bus und Bahn
Der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) kann dagegen weniger überzeugen. Nur 16 Prozent sehen in der Bahn ein Verkehrsmittel mit Zukunft. Straßenbahn und S-Bahn kommen auf 13 Prozent, der Bus auf 12 Prozent. Sogar das Fahrrad ist mit 16 Prozent inzwischen beliebter als der ÖPNV.
Und doch: Die Mehrheit wünscht sich einen besseren, funktionierenden Nahverkehr. Rund zwei Drittel befürworten kostenlosen ÖPNV und engere Takte. Doch die harte Realität hinkt den Wunschvorstellungen der großen Mehrheit weit hinterher.
Die Umfrage führte das Institut YouGov im Auftrag der HUK Coburg im Januar und Februar durch. Auswirkungen der jüngsten Benzinpreissteigerungen infolge des Iran-Kriegs sind daher nicht berücksichtigt. Laut HUK sind die Ergebnisse bundesweit und in jedem Bundesland repräsentativ für alle Menschen ab 16 Jahren.


