Konten geplündert

Postzusteller soll dreist Briefe mit PINs abgefangen haben

Ein 27-Jähriger aus Spandau steht unter Verdacht, mehr als 102.000 Euro von Bankkonten ahnungsloser Berliner abgezockt zu haben.

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Dem Angeklagten Mahmud H. (27) wird vorgeworfen, als Postzusteller in 77 Fällen Postsendungen mit Bankkarten und PIN-Mitteilungen geklaut zu haben. Dann soll er Bargeld abgehoben und Waren bezahlt haben.
Dem Angeklagten Mahmud H. (27) wird vorgeworfen, als Postzusteller in 77 Fällen Postsendungen mit Bankkarten und PIN-Mitteilungen geklaut zu haben. Dann soll er Bargeld abgehoben und Waren bezahlt haben.Olaf Wagner

Wo bleibt bloß meine EC-Karte? Wo bleibt der Brief mit der PIN? Dutzende Berliner warteten vergebens darauf. Dann der Schock: Das Konto wurde geplündert.

Fing Postzusteller Briefe und Kreditkarten ab?

Ein Postzusteller soll dafür verantwortlich sein. Nun geht es vor dem Amtsgericht Tiergarten um die Frage: Fing Mahmud H. (27) in seinem Zustellbereich in Spandau immer wieder Briefe mit neuen EC- und Kreditkarten ab? Fischte er ein paar Tage später auch die Mitteilung zur PIN aus der Post? Räumte er dreist fremde Konten leer?

Gesamtschaden soll bei mehr als 100.000 Euro liegen

Er soll insgesamt 102.684 Euro abgezockt haben. Bei einer Serie, die am 17. Juli 2024 begann und vor genau zwei Monaten endete. Hatte der Post-Dieb Karte und PIN beisammen, ging im wahrsten Sinne des Wortes die Post ab: Bei 77 Abhebungen wurden 24 ahnungslose Bankkunden geprellt. In einem Fall räumte der Täter über mehrere Tage hinweg insgesamt 16.000 Euro ab.

Am 10. März folgte die Festnahme von H., der seit 2021 bei der Deutschen Post als Briefzusteller tätig war. Polizisten standen mit einem Beschluss vor der Tür des Deutsch-Irakers: Durchsuchung. Ein Beamter (30) erinnerte sich nun als Zeuge: „Herr H. wirkte erstaunt.“ Und habe nur gesagt: „Das kann doch nicht sein!“

Beamte finden Briefe in einer Schublade

Die Ermittler hatten Videoaufnahmen von Geldabhebungen mit den geklauten Karten ausgewertet. Eine Person, die immer wieder im Sportanzug Summen um die 1.000 Euro abhob. Manche Bilder lassen nur die Statur erkennen. Der Zeuge: „Insgesamt aber deutliche Ähnlichkeiten.“

Im Wohnzimmer fanden wir in einer Schublade Briefsendungen, die nicht ihm gehörten.

Ein Beamter

Der Verdacht erhärtete sich. Der Beamte: „Im Wohnzimmer fanden wir in einer Schublade Briefsendungen, die nicht ihm gehörten.“ Es habe sich um vier Kreditkarten gehandelt, dazu zwei Briefe mit PIN. „Die Briefe waren geöffnet worden“, so der Ermittler. Auch ein schwarzer Trainingsanzug sei mitgenommen worden. Für Mahmud H. klickten die Handschellen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Angeklagter geht mit Bankkarten shoppen

Keine Aussage des Angeklagten vor der Richterin. Der Verteidiger fragte nach weiteren Indizien. Der Beamte: „Die Postleitzahlbereiche, für die er zuständig war, stimmten mit denen der Geschädigten überein.“ Der Anwalt: „Wie viele solcher Fälle gibt es jährlich in Berlin?“ Der Beamte vom entsprechenden Fachkommissariat: „Das geht locker in den Tausenderbereich.“

Laut Anklage soll Mahmud H. mit geklauten Bankkarten auch shoppen gegangen sein – mal in ein feines Kaufhaus, mal in einen Elektronikmarkt, mal zur Tankstelle. Juristisch ein gewerbsmäßiger Computerbetrug. Zudem wird ihm Diebstahl und Verletzung des Postgeheimnisses zur Last gelegt. Nächster Prozesstag: 20. Mai.

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