Ich spiele Tennis. Ja, ich weiß, was Sie jetzt sagen werden! Es ist eine elitäre Sportart, aber da, wo ich herkomme, stand das halbe Dorf bei uns auf dem Platz. Und hier in Berlin? Kann es sich kein Normalo mehr leisten. Dabei würde ich so gerne spielen.
Aufnahmegebühren bis zu 400 Euro
Seit meinem 6. Lebensjahr spiele ich Tennis. Ich liebe das Gefühl, auf dem Platz zu stehen, die Beine sind leicht angewinkelt, den Zopf spüre ich auf meinem Rücken. Der Duftmix aus Sand und frischem Gras – natürlich im Sommer – zieht durch die Nase und dann kommt der Ball auf einen zu. Das Adrenalin schießt durch den Körper, ich bin einfach nur glücklich. Doch in Berlin konnte ich das Gefühl in den vergangenen vier Jahren noch nie erleben.
Ich frage mich, welcher Normalo soll sich Tennisspielen heute noch in der Hauptstadt leisten kann? Ich bin nicht reich, ich bin nicht arm. Aber bei den Preisen für die Tennismitgliedschaften, ist Schluss mit lustig.
Da ich kein Azubi oder Student mehr bin, fallen die Ermäßigungen weg. Das heißt, der volle Preis muss gezahlt werden und der hat es in sich. Ich schaue mich auf den Websites mehrerer Clubs in Berlin um, ob im Zentrum oder außerhalb, und staune nicht schlecht. Jeder Verein fordert eine einmalige Aufnahmegebühr, eine jährliche Mitgliedschaftsgebühr und manche sogar eine Bearbeitungsgebühr für meinen Antrag.
Die einmaligen Aufnahmegebühren gehen von 250 Euro bis 400 Euro. Hinzu kommen die Jahresgebühr ab 300 Euro aufwärts sowie bei einem Verein sogar eine Bearbeitungsgebühr von 50 Euro. Noch nicht inkludiert sind die Tennisstunden, die monatlich oder jährlich gezahlt werden müssen, wenn ich mindestens eine Stunde trainieren möchte. Auch hier gehen nochmal mehrere hundert Euro drauf.

Rechne ich alles zusammen, bin ich in meinem ersten Jahr bei mindestens 600 Euro – ohne Training. Sicherlich gibt es auch günstigere Clubs, aber dann muss ich wieder eine halbe Ewigkeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto fahren, um diese zu erreichen. Das kann sich doch langsam alles keiner mehr leisten und oft fehlt einem auch die Zeit für lange Anfahrten.
Berlin hat ein niedrigeres Einkommen als andere Bundesländer
Zum Vereinssport kommen noch andere Ausgaben hinzu. Wohnung, Versicherungen, Sprit fürs Auto, Internet, Handyvertrag, andere Abonnements etc. Laut einer Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln hat Berlin im Ländervergleich die niedrigste Kaufkraft, durch die hohen Preise in der Hauptstadt, kommt das vergleichsweise niedrige Einkommen bei den Kosten kaum hinterher.



