Die Male, die ich eine Tedi-Filiale betreten habe, kann ich zwar an einer Hand abzählen – doch jetzt steht für mich fest: Hier werde ich nie wieder einen Fuß reinsetzen. Denn der Discounter wirbt mit unglaublich widerlichen Sprüchen für Kinderspielzeug.
„Reinstecken und Beglücken“: So wirbt Tedi für Kinderspielzeug
Kein Scherz: Man hat sich im Marketing-Team von Tedi im April für eine sexualisierte Kampagne entschieden, die leider nicht vor den Kinderprodukten Halt gemacht hat. Mir persönlich wird bei diesem Zusammenhang schlecht. So geht es auch vielen anderen Eltern in den sozialen Medien. Es ist ein regelrechter Shitstorm.

Via Instagram hat Influencerin Carina Wohlleben ursprünglich auf die problematische Werbeaktion von Tedi aufmerksam gemacht. Zu sehen sind hier unter anderem Plakate mit Geschenktüten und -boxen für Ostern – die man ja wohl hauptsächlich Kindern schenkt. Betitelt wird die Werbung verstörenderweise mit „Reinstecken und Beglücken“, eindeutig eine Sex-Anspielung.

„Damit rappelt’s in der Kiste“, steht auf einem weiteren Plakat – und kleiner darunter: „Frühlingsgefühle bei Tedi“. Hier muss ich direkt an die legendäre Amorelie-Werbung für Dildos, Vibratoren und Co. denken, die mit dem Song „Es rappelt im Karton“ unterlegt wurde. Das Tedi-Marketing-Team hingegen hat an Kinder gedacht. Mit dem Plakat wird nämlich für ein Schaukelpferd und eine Hot-Wheels-Bahn geworben.

„Kaum Frühling, schon sind alle ganz wuschelig“: So wirbt Tedi für ein Hasen-Kuscheltier. Und es geht noch weiter: „Endlich wieder draußen rummachen“, heißt es auf einem Plakat, das in einer Tedi-Filiale hängt. Davor gibt es im Angebot Badelatschen für Kinder.
Das sagt Tedi zur Kritik: „Humor ist subjektiv“
Als Mutter eines Kleinkindes kann ich über diese Kampagne bloß den Kopf schütteln. Wie kann man nur? Hier wird eindeutig die Sexualisierung von Minderjährigen verharmlost. Um Aufmerksamkeit zu generieren. Das ist meiner Meinung nach unterste Schublade und einfach nur ekelhaft.
Tedi hat sich in einem Kommentar unter einem eigenen Instagram-Beitrag bereits zu der Aufregung geäußert, ist sich jedoch keiner Schuld bewusst und entschuldigt sich auch nicht.

„Die aktuelle Kampagne von Tedi setzt auf humorvolle Wortspiele und aufmerksamkeitsstarke Botschaften, um die Vielfalt unseres Sortiments hervorzuheben. Wir wollen dabei den Alltag mit einem Augenzwinkern betrachten“, schreibt Tedi hier. „Humor ist subjektiv, das wissen wir. Und manchmal landet er anders, als gemeint.“
Weiter heißt es in dem Statement: „Die Plakate sollen schmunzeln lassen und kundennah sein.“ Außerdem verweist Tedi darauf, schon viele positive Rückmeldungen von Kunden zu dieser Kampagne erhalten zu haben.
Aufmerksamkeit vor Kinderschutz
„Dass diese Doppeldeutigkeiten von Einzelnen gleichzeitig auch als unangemessen empfunden wurden, haben wir in keiner Weise beabsichtigt und wir nehmen diese Rückmeldung ernst“, erklärt Tedi abschließend.
Diese Stellungnahme zeigt mir nicht, dass dem Discounter die Sexualisierung von Kindern leidtut. Sie zeigt mir, dass es eine bewusste Entscheidung war. Dass mehrere Mitarbeiter bei Tedi damit einverstanden sind: Diese Werbekampagne wurde entwickelt, abgenommen, verbreitet – und wird jetzt auch noch verteidigt. Die gewollte Aufmerksamkeit hat Tedi bekommen. Aber um welchen Preis?



