Unzufrieden: Stürmer Krzysztof Piatek (25) hat sich mehr von seinem Wechsel zu Hertha BSC versprochen. Foto: City-Press

Es war ein absoluter Gänsehautmoment. Als Kris Piatek das erste Mal den Rasen des Olympiastadions Ende Januar betrat, ging ein Raunen durch die legendäre Betonschüssel. Spürbar war die Hoffnung aller Herthaner, sich mit dem Polen einen echten Super-Stürmer geangelt zu haben. Einen, der jeden Gegner in der Liga wegballert. Ein Dreivierteljahr später und vor der Partie gegen Wolfsburg (Sonntag, 18 Uhr) lässt sich festhalten: Der „Pistolero“ hat noch akute Ladehemmung.

Was waren die Erwartungen hoch: 24 Millionen Euro. Rekord-Ablöse. Ein Mittelstürmer mit absoluter Tor-Garantie, transferiert vom großen AC Mailand.

Die Vorschusslorbeeren hatten ihren Grund: Piatek ballerte beim FC Genua alles in Grund in Boden, kam in der Hafenstadt in nur sechs Monaten auf die Fabelquote von 19 Toren in 21 Spielen. Wegen seines Pistolen-Jubels wurde ihm in Genua der Spitzname „Pistolero“ verpasst. Beim AC lief es zunächst noch (neun Tore in der Rückrunde), doch als Stürmer-Guru Zlatan Ibrahimovic (39) aus den USA zurückkehrte, verlor er seinen Stammplatz - und Hertha schlug zu.

In jeder Einheit Vollgas

Krzysztof Piatek (25) jubelt am liebsten mit der Pistolen-Geste. Im Hertha-Trikot konnte er sein Markenzeichen bisher kaum zeigen.
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Doch richtig angekommen ist Piatek bisher nicht. Weder unter Ex-Trainer Jürgen Klinsmann noch unter Bruno Labbadia. In 21 Spielen traf er nur fünfmal (2 Elfer). Gefühlt passt außer der Nähe zu Polen für Piatek bisher nichts in Berlin. Wechselgerüchte kamen auf, sein Ex-Trainer will ihn nach Italien zurückholen. 

Das Gute: der 25-Jährige steckt den Kopf nicht in den Sand, gibt im Training in jeder Einheit Vollgas. „Er zeigt, dass er es unbedingt will“, lobt Labbadia Piateks Eifer, der zumindest auf dem Schenckendorffplatz Mentalitäts-Monster Vedad Ibisevic (36) ersetzt hat, der nun auf Schalke die Übungsplätze durchwühlt.

Warum der Pistolero in der Bundesliga noch Ladehemmung hat? „Er ist ein extrem guter Abschlussspieler“, sagt Labbadia und erklärt: „Wir schaffen es noch nicht, ihn in Position zu bringen. Die Mannschaft muss ihn mehr in Szene setzen.“ Der ehemalige Vollblutstürmer weiß, wie es ist, wenn man im Angriff in der Luft hängt.

Noch nicht ins Spiel integriert 

Gleichzeitig legt Herthas Cheftrainer vor dem Wiedersehen mit seinem Ex-Klub den Finger in die Wunde. Labbadia: „Kris muss selbst noch mehr an seinen neuen Laufwegen arbeiten, sodass er besser im Spiel ist.“ Soll heißen: Der Konterspieler, der viel Raum braucht, um sein Tempo auszuspielen und mit Bällen im Strafraum gefüttert werden will, muss sein Spiel umstellen, um an Jhon Cordoba (27) vorbei zu kommen.

Der Kolumbianer, am Deadline Day für 16 Millionen Euro vom FC Köln verpflichtet, passt besser zum Labbadia-Fußball. Cordoba nimmt mehr am Spiel Teil, hält wichtige Bälle in der Spitze und lässt Hertha so ein dominanteres Spiel aufbauen. Entsprechend hatte der bullige Angreifer bisher nullkommanull Anpassungsprobleme, traf in fünf Spielen bereits dreimal.

Für Pistolen-Piatek bleibt da nur die Joker-Rolle. Labbadia wirft die Flinte aber noch lange nicht ins Korn: „Ziel ist es, ihn mit seinen Stärken zu integrieren." Am besten ballert Piatek schon am Sonntag gegen die Wölfe endlich los.