Blickt ohne Groll auf seine Zeit beim VfL Wolfsburg zurück: Hertha-Cheftrainer Bruno Labbadia (54).  Foto: Imago Images

Bruno Labbadia ist ein Trennungsprofi. Als Spieler war Herthas Chefcoach bei acht Bundesligaklubs aktiv, als Trainer sind die Blau-Weißen bereits seine fünfte Station. Erschüttern kann den 54-Jährigen also eigentlich schon lange nichts mehr. Vor dem Wiedersehen mit Wolfsburg (Sonntag, 18 Uhr) gibt sich Labbadia dennoch eher einsilbig.

Dass auch ein alter Hase vor Neuem nicht gefeit ist, erlebte Labbadia bei den Niedersachsen. Nach eineinhalb Jahren beendeten der VfL und er, trotz sportlichen Erfolges und steigender Beliebtheit, die Zusammenarbeit. 

Neuland für Labbadia, der gerne den eingeschlagenen Weg beim Werksklub durch ein längerfristiges Engagement zementiert hätte. Dagegen trat der in den Abgasskandal verwickelte Konzern eher auf die Kostenbremse. Zur Trennung kam es jedoch vielmehr aufgrund der zwischenmenschlichen Differenzen mit VfL-Manager Jörg Schmadtke.

Das im Sommer 2019 Erlebte ist (fast) vergessen. „Das erste Wiedersehen ist schon etwas Besonders“, erklärt Labbadia und sagt auf die Frage nach seinem Verhältnis zu Schmadtke: „Wenn etwas schmerzhaft war, dann war es die Trennung von der Mannschaft, die ich eineinhalb Jahre aufgebaut habe.“ Zusammen mit seinem Team ging er durch dick und dünn, rettete den VfL erst vor der Zweitklassigkeit und führte sie im Folgejahr bis in die Europa League. „Das schweißt zusammen“, erklärt Labbadia.

Den Trennungsschmerz hat er auch wegen der noch reizvolleren Aufgabe bei Hertha BSC überwunden. Begeistert von der Chance einen Traditionsklub mit (neuerdings) viel Geld zu betreuen, rettete er die Blau-Weißen vergangene Saison vor dem Abstieg. Damit aus dem Zwischen-Happy-End auch eine echte Erfolgsgeschichte wird, braucht Labbadia nach dem verkorksten Saisonstart schnellstmöglich Zählbares.

„Wir sind nicht zufrieden“, resümiert Michael Preetz die drei Punkte aus fünf Spielen. Der Manager fordert: „Wir müssen das Spielglück auf unsere Seite zwingen.“ Hoffnung macht Preetz, dass die Herthaner sich bei der 1:2-Pleite bei RB Leipzig deutlich verbessert zeigten: „Es ist ein Prozess erkennbar.“

Darauf baut auch Labbadia. Und womöglich auf Arsenal-Leihgabe Matteo Guendouzi. Frankreichs U21-Kapitän ist nach Covid-19-Erkrankung wieder fit und bereit gegen die Wölfe im Mittelfeld die Fäden zu ziehen. „Er hat eine gewisse Qualität und wird uns helfen“, lobt Labbadia nach der ersten Trainingswoche. 

Gelingt der erste Heimsieg der Saison, feiert Labbadia seinen 100. Sieg als Bundesligatrainer. „Das bedeutet mir nichts“, beteuert er. Gleichwohl weiß Labbadia, dass ein Wiedersehen mit Punkten nicht nur ihm, sondern „dem Team und dem gesamten Verein guttun würden“.