Das ist die beeindruckendste Hertha-Geschichte der Woche. Sie zeigt, dass man niemals im Leben aufgeben sollte. Sie handelt von einem ehemaligen Hertha-Profi, der 2010 als Megatalent aus Österreich an die Spree kam, aber nach nur einem halben Jahr hoffnungslos unterging. Seine Spielerkarriere musste er mit nur 29 Jahren beenden, weil sein Körper nicht mehr konnte. Er schulte zum Trainer um. Die Sensation: Seit Mittwoch ist Daniel Beichler (37) Chefcoach des österreichischen Topteams Red Bull Salzburg.
Beichler in Salzburg: „Eine Riesenchance“
„Es ist kein Risiko, es ist eine Chance. Ich glaube, dass wir die Ziele erreichen können. Aber wir sollten nicht über Titel reden, im Fokus sollte das Wie sein. Wie gehen wir tagtäglich ins Training“, sagt Beichler selbstbewusst bei seinem Amtsantritt in Salzburg.
Für den erfolgsverwöhnten Red-Bull-Klub war ein Trainerwechsel unausweichlich geworden. In der Europa League rausgeflogen und in der österreichischen Bundesliga ist Platz 1 in Gefahr. Zum Start der Rückrunde gab es eine 0:2-Heimpleite gegen Austria Wien, danach folgte ein 1:1 beim Grazer AK. Der Punkte-Vorsprung auf Verfolger Linzer ASK war futsch (beide Klubs haben 33 Zähler). Sonntag steigt das Spitzenspiel in Linz.
Klopp hatte beim Trainerwechsel seine Finger im Spiel
Vorgänger Thomas Letsch haben die Klubbosse die Wende nicht mehr zugetraut. Jetzt soll es Beichler richten. Red Bulls Fußball-Oberboss Jürgen Klopp sagt dazu nur: „Solche Dinge passieren nicht nur über Nacht.“ Heißt: Klopp hatte seine Finger im Spiel und Beichler schon lange als Chefcoach im Kopf.

Beichler wurde 2020 Jugendtrainer bei Red Bull und machte Toparbeit mit den Talenten, 2023 wurde er zum Cheftrainer des Red-Bull-Farmteams FC Liefering aus der Zweiten Liga befördert, jetzt dieser Mega-Karriereschritt. Beichler: „Ich kenne 16 Spieler im Team, mit denen habe ich schon in der Jugend zusammengearbeitet. Doch bevorzugt wird deswegen keiner. Es geht um Leistung.“
Beichler machte für Hertha nur ein Spiel
Er kann den jungen Spielern viel aus eigener schlechter Erfahrung mitgeben. Beichler wurde vor 16 Jahren als der Ösi-Deisler beim Grazer AK gefeiert. Herthas Ex-Manager Michael Preetz schnappte nach dem Abstieg 2010 zu und holte den Stürmer für nicht mal 650.000 Euro Ablöse. Doch der Hoffnungsträger war sofort an der Leiste verletzt. Nach nur einem halben Jahr wurde Beichler, ohne einmal für die Profis gespielt zu haben, an den FC St. Gallen in der Schweiz ausgeliehen.

Im Juni 2011 folgte eine Ausleihe zum MSV Duisburg, zwei Monate später zum SV Ried nach Österreich. Dann 2012/13 wieder die Rückkehr zu den Blau-Weißen, da spielte Beichler in der Hinrunde einmal, bevor er im Winter zum SV Sandhausen verliehen wurde. 2013 ging er schließlich zurück zum Grazer AK, sein Vierjahresvertrag wurde vorzeitig aufgelöst.



