Hertha-Kolumne

Hertha BSC vor Schalke-Kracher: Rückrundenstart unter Druck

Hertha-Geschäftsführer Görlich und Trainer Leitl setzen auf Heimsieg – ein richtungsweisendes Duell im Aufstiegsrennen.

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Fabian Reese will mit Hertha BSC zurück in die Bundesliga. Gegen Schalke soll dafür am Sonnabend der Grundstein gelegt werden.
Fabian Reese will mit Hertha BSC zurück in die Bundesliga. Gegen Schalke soll dafür am Sonnabend der Grundstein gelegt werden.Sebastian Räppold/Matthias Koch/imago

Dr. Peter Görlich, Herthas Geschäftsführer, ist ein Mann klarer Worte. Ihm ist bewusst, wie wichtig ein erfolgreicher Rückrundenstart ist. Am Sonnabend kommt Tabellenführer Schalke 04 ins Olympiastadion. Ein richtungsweisendes Duell, das Hertha gewinnen muss. Görlich gibt sich selbstbewusst und verkündet: „Es ist uns relativ egal, wer kommt. Wir wollen eine Heimmannschaft sein und unsere Spiele gewinnen. Wir haben ein Ziel: 15.30 Uhr!“ Für Görlich steht diese fast magische Uhrzeit symbolisch für die beliebteste Anstoßzeit in der Ersten Bundesliga. Auch Cheftrainer Stefan Leitl geht optimistisch in die entscheidende Phase der Liga.

Vielleicht sollte Leitl einmal die Handynummer von Herthas einstigem Erfolgstrainer Jürgen Röber wählen. Der 72-Jährige stand in 206 Spielen der Ersten und Zweiten Liga bei Hertha an der Seitenlinie und ist der „König der Rückrundenstarter“. Röber selbst staunte, als ich ihm die Statistik am Telefon offerierte. In seinen viereinhalb Spielzeiten als Hertha-Coach in der Ersten Liga (im Februar 2002 folgte die Trennung) gewann er vier Auftaktspiele in den Rückrunden, holte in der Saison 1998/99 nach einem 3:0 gegen Dortmund stattliche 33 Punkte (gesamt: 62), was die Champions League bedeutete. Solch eine Bilanz im jeweils ersten Spiel nach der Winterpause können auch lange erfolgreiche Trainer wie Lucien Favre oder Pal Dardai nicht aufweisen. Röber sagt nun: „Hertha hat ein hartes Auftaktprogramm, muss schnell in einen Lauf kommen und so Selbstvertrauen aufbauen.“

Schalke als Härtetest: Hertha braucht den perfekten Start

Das sieht auch Karsten Heine ähnlich. Der 70-jährige ehemalige Hertha-Coach ist noch immer als Cheftrainer beim Oberligisten Eintracht Mahlsdorf am Ball. Er lobt die „sehr gute Arbeit“ von Stefan Leitl und meint: „Hertha muss die ersten Spiele gewinnen und eine Erfolgswelle erwischen, die lange trägt.“

Daumen hoch für die Rückrunde: Stefan Leitl, Cheftrainer von Hertha BSC, will gegen Schalke direkt punkten.
Daumen hoch für die Rückrunde: Stefan Leitl, Cheftrainer von Hertha BSC, will gegen Schalke direkt punkten.Sebastian Räppold/Matthias Koch/imago

Genauso wie Heine hat einst auch Hans Meyer die Hertha und den 1. FC Union trainiert – eine eher seltene Konstellation – und sich die Bezeichnung „Kulttrainer“ verdient. Derzeit läuft im MDR eine sehenswerte 90-minütige Dokumentation unter dem Titel „Mensch Meyer! Hans der Fußball-Philosoph“ (abrufbar in der ARD-Mediathek). Als Meyer, heute 83, im Januar 2004 als Retter für die in akuter Abstiegsgefahr befindliche Hertha geholt wurde, verlor er sein Auftaktspiel in der Rückrunde heftig mit 0:4 bei Werder Bremen, holte danach noch 26 Punkte und hielt die Klasse am vorletzten Spieltag. Meyer drückt allen Vereinen, bei denen er gearbeitet hat, die Daumen, wünscht Hertha und Nürnberg den Aufstieg. Er schwärmt: „Die Zweite Liga zieht Zuschauermassen an und ist total ausgeglichen.“ Mit seinem speziellen Humor meinte er zu mir: „Ich habe die Hoffnung, dass Hertha das Auftaktspiel gegen Schalke gewinnt, auch weil Marcelinho nicht mehr dabei ist.“ Mensch Meyer! Zur Erklärung: Beim 0:4 in Bremen vor 22 Jahren leitete der Brasilianer mit einem schlimmen Fehlpass das 0:1 durch seinen Landsmann Ailton, genannt der „Kugelblitz“, ein und damit die Niederlage. Die fünf Punkte Rückstand von Hertha auf Relegationsplatz 3 sieht Hans Meyer als schwere Hypothek an. „Auch wenn Du gewinnst, müssen die anderen schwächeln, aber möglich ist alles im Fußball!“

Ex-Trainer Röber verrät: So gelingt die Rückrunden-Magie

Auf Meyer folgte 2004 Falko Götz als Cheftrainer von Hertha, kam in Berlin auf 109 Erstligaspiele an der Seitenlinie. Zweimal spielte er Unentschieden am ersten Spieltag der Rückrunde, einmal gab es einen Sieg. Götz (63) ist noch im Scouting bei Bayer Leverkusen tätig. Er glaubt, dass die Philosophie von Trainer Leitl angekommen ist. „Der Saisonstart war mies, aber später haben sie gezeigt, was sie können. Sie haben sehr gute Fußballer, aber das Wichtigste ist, als verschworenes Team aufzutreten.“

Mein Eindruck: Die ehemaligen Trainer würden wohl liebend gern noch einmal für ein, zwei Spiele an der Seitenlinie der Hertha stehen und im Mai einen möglichen Aufstieg feiern. Alte Liebe rostet eben nicht.