Hertha BSC

Hertha-Alarm! Drei Jahre, nur 15 Heimsiege, Fanschwund

In dieser Saison kamen 73.593 Zuschauer weniger zu den Heimspielen von Hertha BSC. Das dritte Jahr in der Zweiten Liga enttäuschte zu viele Fans.

Author - Wolfgang Heise
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44.621 Fans kamen zum letzten Heimspiel von Hertha BSC gegen Fürth. Die Ostkurve ist immer gefüllt. Doch Hertha leidet trotzdem an Zuschauerschwund.
44.621 Fans kamen zum letzten Heimspiel von Hertha BSC gegen Fürth. Die Ostkurve ist immer gefüllt. Doch Hertha leidet trotzdem an Zuschauerschwund.IMAGO/Matthias Koch

Hertha BSC muss sich spätestens jetzt etwas einfallen lassen. Der Klub spielt jetzt drei Jahre in der Zweiten Liga. Die blau-weißen Fans hatten in dieser Zeit im Olympiastadion nicht viel zu jubeln. Zu wenig Heimsiege, zu wenig Tore, zu viel Enttäuschung. Zum ersten Mal gibt es einen Zuschauerschwund. Das ist alarmierend.

Besucherschnitt bei Hertha schrumpfte auf unter 50.000

Insgesamt kamen in den 17 Heimspielen in der Saison 2025/26 nur noch 820.955 Menschen. Das macht einen Schnitt von nur noch 48.291 pro Partie. Hertha kann sich damit trösten, dass Platz 2 hinter Schalke, die über eine Million Fans anlocken, im Zuschauer-Ranking erreicht wurde.

Doch Fakt ist: Es sind 73.593 Zuschauer - und damit ein ausverkauftes Stadion - weniger als in der Vorsaison, da kamen noch 874.548 Besucher (Schnitt: 51.444 pro Spiel). In der Saison 2023/24 waren es auch mehr: 834.474 (Schnitt 49.087 pro Spiel). Ein Faktor ist, dass mit dem HSV und dem 1. FC Köln zwei Klubs in dieser Saison nicht mehr im Unterhaus spielen, die für überdurchschnittlich viele Gästefans sorgten.

Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit: Das Team hat die Fans enttäuscht. Das selbsternannte Saisonziel Bundesliga-Aufstieg wurde frühzeitig verfehlt und damit auch eine Euphorie verpasst, die für einen neuen Fan-Boom zum Saisonfinale gesorgt hätte.

Hertha-Trainer Stefan Leitl an der Seitenlinie. Im Hintergrund sind viele leere Sitzplätze im Olympiastadion.
Hertha-Trainer Stefan Leitl an der Seitenlinie. Im Hintergrund sind viele leere Sitzplätze im Olympiastadion.IMAGO/Matthias Koch

Sechs Heimsiege reichen nicht für Euphorie

Stattdessen gibt es das latente Gefühl unter den Anhängern, dass es nicht viel in der Betonschüssel zu jubeln gibt. Diese Saison gab es sechs Heimsiege, vergangene Spielzeit waren es nur vier. Damit wurde die Blau-Weißen in der Heimtabelle der Zweiten Liga Letzter. In der Saison 2023/24 gab es auch nur fünf Dreier zuhause.

15 Heimsiege in 51 Spielen im Olympiastadion in den vergangenen drei Jahren. Nicht mal jedes dritte Spiel konnte gefeiert werden. Das ist einfach zu wenig, um neue Zuschauer anzulocken und die treuen dauerhaft zu halten. Und es reicht noch weniger für einen Bundesliga-Aufstieg.

„Uns hat die Heimstärke gefehlt, das hat den Aufstieg gekostet. Das muss in der nächsten Saison besser werden“, sagt Trainer Stefan Leitl. Hertha hat diese Saison 23 Punkte als Gastgeber geholt. Genauso viel wie Abstiegskandidat Eintracht Braunschweig.

Michael Cuisance jubelt über sein Tor gegen Fürth. Es war der letzte Heimtreffer von Hertha BSC in dieser Saison. Das Problem: Davon gab es nur 16.
Michael Cuisance jubelt über sein Tor gegen Fürth. Es war der letzte Heimtreffer von Hertha BSC in dieser Saison. Das Problem: Davon gab es nur 16.IMAGO/O.Behrendt

Nur 16 Hertha-Tore im Olympiastadion

Die Heimschwäche sollte schon in dieser Saison behoben werden. Mentaler Druck für die Profis? Sie bekamen psychologische Unterstützung. Trotzdem klappte es nicht viel besser. Ein Indiz für Nervenschwäche sind die wenigen Tore. Nur 16-mal konnten Herthas Fans über Treffer jubeln, auswärts waren es bisher 30 Tore. Es fehlt die Würze und dann wird es fade.

Die Ursachenforschung geht im Klub weiter. Jeder Grashalm wird umgedreht, auch der 2024 eingeführte Hybrid-Rasen im Olympiastadion. Auffällig ist es schon, dass das blau-weiße Team auswärts präzisere Pässe spielt. In fremden Stadien ist Naturrasen weiterhin der Standard.

Fanmagnet Schalke ist nächste Saison weg

Der Hertha-Kader steht in diesem Sommer vor dem Umbruch, weil gespart werden muss. Es ist ein gefährlicher Spagat zwischen Finanzzwängen und sportlichem Erfolg. Bleibt der aus, schrumpfen die Zuschauereinnahmen weiter. Und von den Gastteams kommen voraussichtlich auch weniger Fans.

Schalke spielt nächste Saison Bundesliga, vielleicht auch Hannover. Absteigen werden Elversberg, Wolfsburg oder St. Pauli. Große Fananstürme werden nicht am Marathon-Tor von den drei Klubs zu erwarten sein. Hertha muss eigentlich hoffen, dass Energie Cottbus aufsteigt. Ein Ostderby zieht immer.