Einfach noch mal im Olympiastadion spielen. Für Jeremy Dudziak (30) waren diese sechs Minuten im Trikot von Hertha BSC beim 2:1-Heimsieg gegen Greuther Fürth so viel wert wie ein überraschendes Geschenk. Es war ein Abschiedsauftritt mit Wehmut, mit Seelenfrieden, aber auch einem großen Fragzeichen: Wie geht es für den Pechvogel, der 17 Monate wegen einer Hüftoperation ausfiel, jetzt weiter?
Dudziak: „Schön, dass ich noch mal spielen konnte“
Erst einmal genoss Dudziak noch mal die Atmosphäre im Olympiastadion. „Es war sehr schön, dass ich noch mal spielen konnte vor den Fans, vor heimischer Kulisse. Meine Mutter und meine Frau waren auch. Es war doch Muttertag“, sagt der Edeltechniker.
„Ich bin mit meiner persönlichen Leistung definitiv zufrieden. Ich bin sehr glücklich darüber, wie die Rückrunde für mich gelaufen ist“, erklärt der Deutsch-Tunesier. Für viele mag die Aussage etwas erstaunlich sein. Denn Dudziak spielte in den vergangenen 16 Spielen nach seinem Comeback nur 323 Minuten, davon nur zweimal in der Startelf.
Wunder-Comeback zum Rückrundenstart
Die Wahrheit dahinter ist aber brutal: Es grenzt an ein Wunder, dass er nach einer komplizierten Hüft-OP im Dezember 2024 überhaupt noch wieder den Weg zurück in den Profifußball gefunden hat. Harte Reha, manchmal Selbstzweifel, aber unbändiger Wille. Seit Oktober trainierte er erst wieder mit dem Profiteam. „Trainer Stefan Leitl hat zu mir gesagt, dass er nicht damit gerechnet hatte, dass ich so fit zurückkomme.“

Beim Rückrundenauftakt wurde Dudziak ins kalte Wasser geschmissen. Beim 0:0 gegen Schalke spielte er ab der 35. Minute, weil sich Maurice Krattenmacher verletzt hatte. Eine Woche später machte er als 22-Minuten-Joker ein Tor beim 2:2 in Karlsruhe. Doch Dudziak blieb nur ein Ergänzungsspieler.
In der vergangenen Woche gab es nun das Gespräch mit den Vereinsbossen, die ihn mitteilten, dass sein Vertrag nicht mehr verlängert wird. Dudziak war darauf schon seelisch vorbereitet: „Besprochen war es vorher nicht. Aber es deutete auf ein Ende bei Hertha hin.“

FC Tokio hat ein Auge auf Dudziak geworfen
Für ihn hat die Vereinssuche begonnen. Im Winter zeigten Fortuna Düsseldorf und Holstein Kiel noch Interesse. Ob es abgeklungen, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Auch der FC Tokio aus Japan hat ein Auge auf ihn geworfen. Ein Abenteuer im fernen Osten? Dudziak lächelt: „Das wird man sehen, was passiert!“


