Hertha-Kolumne

Zwei Hertha‑Talente im Visier – was plant Gladbach?

Borussia Mönchengladbach soll an Hertha-Talenten Gechter und Ernst interessiert sein. Wie ernst sind die Gerüchte – und was steckt dahinter?

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Verteidiger Linus Gechter und Torhüter Tjark Ernst wollen mit Hertha BSC in die Bundesliga. Allerdings soll auch Borussia Mönchengladbach am blau-weißen Duo interessiert sein.
Verteidiger Linus Gechter und Torhüter Tjark Ernst wollen mit Hertha BSC in die Bundesliga. Allerdings soll auch Borussia Mönchengladbach am blau-weißen Duo interessiert sein.Noah Wedel/Imago

Diese Schlagzeilen klangen im ersten Moment bedrohlich: „Doppel-Angriff auf Hertha“ oder „Gladbach plant Doppelschlag in Berlin“. Angeblich sei die Borussia an Linus Gechter und Tjark Ernst interessiert. Diese Meldungen vom aufgeregten Spielermarkt sollte man registrieren, sie sind aber nicht allzu ernst zu nehmen. Wer die lange Transferhistorie zwischen Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC kennt, muss sich dennoch vielleicht fragen, ob Borussia schon wieder in Westend wildern will. Und ob Hertha – übertrieben gesagt – als eine Art „Supermarkt“ betrachtet wird, in dem man Talente einkaufen kann, von denen das Gros viele Jahre in der Hertha-Akademie ausgebildet wurde.

Gladbachs Blick nach Berlin – Gerüchte um zwei Hertha-Talente

Anlass zur Sorge besteht aber derzeit nicht. Abwehrspieler Gechter (21) und Torhüter Ernst (22), in der Hinrunde der beste Keeper der Zweiten Liga, besitzen in Berlin Verträge bis Juni 2027 und wollen mit Hertha unbedingt in die Erste Liga aufsteigen. Das ist die Realität. Dass immer wieder wilde Gerüchte auftauchen, ist normal auf dem umkämpften Transfermarkt.

Die Hertha-Talente Lukas Ullrich und Luca Netz (r.) wechselten in der Vergangenheit bereits zu Borussia Mönchengladbach.
Die Hertha-Talente Lukas Ullrich und Luca Netz (r.) wechselten in der Vergangenheit bereits zu Borussia Mönchengladbach.Norbert Jansen/fohlenfoto/Imago

Ein kurzer Blick zurück zeigt aber die Affinität der Borussia zu Herthas Talenten. 2015 lotste man den späteren zwölfmaligen Nationalspieler Nico Schulz, der einst im Alter von zwölf Jahren zur Hertha ging, für vier Millionen Euro Ablöse in den Borussia-Park. 2021/22 folgte Luca Netz für zwei Millionen Euro Ablöse. Der Verteidiger überzeugte zuvor im Hertha-Nachwuchs und rückte oft wegen starker Leistungen schnell eine Altersklasse höher. 2023/24 war es Lukas Ullrich, der dem Ruf der Gladbacher folgte. Als Junge begann er beim Weißenseer FC und durchlief ab 2015 sämtliche Nachwuchsteams bei der Hertha. Andere Transfers wie der des bulligen Stürmers Nando Rafael (82 Bundesligaspiele für Hertha / 18 Tore), der 2006 nach Mönchengladbach wechselte, passen natürlich nicht in die Kategorie „Abwerbung von Talenten“, waren stattdessen Normalität.

Transfermarkt in Bewegung – wie ernst ist das Interesse an Gechter und Ernst?

Dass Hertha einige Profis besitzt, die Begehrlichkeiten wecken, ist normal und spricht für die Berliner. Der Klub befindet sich aber in einer äußerst komplizierten Situation. Es ist ein Spagat, den die Verantwortlichen wagen müssen. Die Fragen lauten: Sollte man das Risiko eingehen und sich im Januar trotz Sparzwang personell verstärken, um den Aufstieg wahrscheinlicher zu machen? Müssen nicht auch intensiv Transfers für die Saison 2026/27 vorbereitet werden, um sich bei einem Aufstieg auf die großen Herausforderungen einzustellen?

Sebastian Deisler wechselte einst von Gladbach zu Hertha BSC und spielte drei Jahre in Berlin, bevor der Mittelfeldmann zum FC Bayern wechselte.
Sebastian Deisler wechselte einst von Gladbach zu Hertha BSC und spielte drei Jahre in Berlin, bevor der Mittelfeldmann zum FC Bayern wechselte.Camera 4

Der neue Geschäftsführer Dr. Peter Görlich sagte im Oktober, man müsse im Januar beginnen, den Sommer vorzubereiten. Sollte der Aufstieg Wirklichkeit werden, muss im August ein Team bereitstehen, das die Erste Liga nicht nur als Intermezzo erleben darf. Derzeit steht die Mannschaft von Cheftrainer Stefan Leitl auf Platz sechs und hat fünf Punkte Rückstand auf Relegationsrang drei und sechs Zähler auf Platz zwei. Die Vorentscheidung wird in den ersten sechs Duellen fallen, in denen Hertha auf fünf Mannschaften trifft, die derzeit in der Tabelle vor ihr liegen. In der Hinrunde gab es gegen diese Konkurrenten nur einen Sieg in Hannover, ein Remis und drei Niederlagen. Ein Fehlstart wie zu Saisonbeginn wäre das Aus aller Träume. Noch ist vieles möglich – in der Liga und im DFB-Pokal. Doch die Priorität sollte auf der Meisterschaft liegen. Wenn aber im dritten Anlauf erneut der Aufstieg verpasst wird, droht ein sehr heftiger Aderlass.

Hertha bleibt gelassen – Verträge bis 2027 und klare Aufstiegsziele

Noch einmal zurück zur Borussia aus Mönchengladbach. Ältere Hertha-Fans werden sich erinnern: Zweimal hatten auch die Berliner viel Glück mit Transfers ehemaliger Borussen. 1972/73 kam Libero „Luggi“ Müller, zweimal Meister mit Mönchengladbach, für 60.000 D-Mark Ablöse nach Berlin und entpuppte sich als Anführer und Volltreffer. Und 1999 lotste Manager Dieter Hoeneß sensationell das „Jahrhundert-Talent“ Sebastian Deisler (so sein damaliger Trainer Friedel Rausch) für 4,5 Millionen DM vom Bökelberg zur Hertha. Immerhin drei Spielzeiten zeigte er sein großes Können im blau-weißen Trikot.