Zusammen sind sie 76 Jahre alt, haben insgesamt 344 Erstligaspiele in der Bundesliga auf dem Buckel und 148 Länderspiele für die Slowakei und Tunesien absolviert. Zusammen sind sie stark: Änis Ben-Hatira (37) und Peter Pekarik (39), die beiden Oldies, die die junge U23-Mannschaft von Hertha BSC in der Regionalliga Nordost anführen.

U23 mit Härteprogramm: 5 Spiele in 17 Tagen
Derzeit erlebt das Team von Trainer Rejhan Hasanovic (34) harte Zeiten. Zahlreiche Spiele, die wegen des strengen Winters ausgefallen waren, müssen im Eiltempo nachgeholt werden. So gibt es gerade Englische Wochen. Die U23 absolviert derzeit fünf Duelle binnen 17 Tagen!
Das erinnerte mich stark an die Bundesliga-Saison 2020/21, als sich das Trainerteam unter Pal Dardai und einige Profis erneut mit dem Coronavirus infiziert hatten und die komplette Mannschaft 14 Tage in Quarantäne musste. Die Konkurrenz spielte munter weiter, Hertha aber musste sechs Spiele innerhalb von 18 Tagen überstehen und schaffte am vorletzten Spieltag nach einem Kraftakt den Klassenerhalt unter Dardai und Sportdirektor Arne Friedrich.
Zurück zur U23. Die Mannschaft um ihren Kapitän Änis Ben-Hatira hat zuletzt etwas geschafft, was den Profis in der Rückrunde der Zweiten Liga noch nicht gelang: Während der Englischen Wochen wurden drei Siege in Folge eingefahren. Hasanovic sagt: „Zwischen den vielen Spielen steht viel Regeneration auf dem Plan und es gibt das Abschlusstraining. Unser Kader ist nicht besonders groß, deshalb versuchen wir, mit der aktuellen Gruppe stabil durch diese Phase zu kommen.“
Während in den deutschen Profiligen die ganz jungen Profis für die meisten Schlagzeilen sorgen und deren exorbitanten Marktwerte im Mittelpunkt stehen – Lennart Karl vom FC Bayern (18 Jahre/60 Millionen Euro Marktwert), Said El Mala vom 1. FC Köln (19 Jahre/40 Millionen Euro) oder in Liga zwei Herthas Kennet Eichhorn (16 Jahre/20 Millionen Euro) – beweisen in der Regionalliga die Routiniers ihren großen Wert und sollen an dieser Stelle gewürdigt werden.

U23-Coach Hasanovic lobt Ben-Hatira und Pekarik
U23-Chefcoach Hasanovic lobt zu Recht: „Änis Ben-Hatira und Peter Pekarik, unsere beiden Oldies, sind vorbildliche Führungsspieler. Die jungen Spieler schauen zu ihnen auf. Es ist beeindruckend, auf welchem Niveau Änis und Peka in dem Alter noch unterwegs sind.“ Als Ben-Hatira im Februar 2007 im Trikot des Hamburger SV sein Debüt in der Bundesliga gab, waren einige seiner derzeitigen Mannschaftskameraden noch nicht auf der Welt.
Der in Berlin geborene Deutsch-Tunesier, der 2010/11 zu Hertha kam und später eine turbulente Karriere bei vielen Vereinen erlebte, will sich immer verbessern, immer gewinnen. Stets fiel er als kreativer Kopf auf, gefällt mit Dribblings, Übersicht und Körpertäuschungen. Das ist bis heute so geblieben.
Ben-Hatira: „Ich will Vorbild sein“
Ben-Hatira, einst ein „Käfig-Kicker“ wie die Boatengs, der als junger Spieler vor den älteren Profis nicht kuschte, sagt heute: „Ich will Vorbild sein für die jungen Leute. Dafür muss ich natürlich zuerst Leistung bringen. Unser Trainerteam macht einen richtig guten Job und sorgt immer wieder für überragende Trainingseinheiten. Ich selbst fühle mich total fit. Dass Pekarik im Team ist, tut mir gut. Er ist eine Laufmaschine. Oft machen wir Extraeinheiten. Den jungen Spielern fehlt manchmal die Kaltschnäuzigkeit, aber sie dürfen Fehler machen. Ich helfe ihnen in der Kabine und auf dem Platz. Das klappt gut.“



