Gesundheit

Alarmstufe Rot: Berliner Praxen und Kliniken stehen vor dem Aus

GKV-Sparpaket unter Beschuss: Berlins Kliniken, Praxen und Psychotherapeuten warnen vor Schließungen, Personalabbau und längeren Wartezeiten.

Author - Sebastian Krause
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In Berlin geht die Sorge um, dass Krankenhäuser wegen des Sparpakets des Bundes schließen könnten.
In Berlin geht die Sorge um, dass Krankenhäuser wegen des Sparpakets des Bundes schließen könnten.Jia Jinming/imago

Berlins Krankenhäuser, Arztpraxen und Psychotherapiepraxen stehen nach Einschätzung führender Gesundheitsorganisationen vor massiven Einschnitten. Die Berliner Krankenhausgesellschaft, die Kassenärztliche Vereinigung Berlin, die Ärztekammer Berlin und die Psychotherapeutenkammer Berlin gehen jetzt gemeinsam auf die Barrikaden und kritisieren das geplante GKV-Sparpaket des Bundes scharf.

Berliner Kliniken fehlen eine halbe Milliarde Euro

Nach ihrer Einschätzung drohen der Hauptstadt gravierende Folgen für die medizinische Versorgung. Bis Ende 2027 drohe den Berliner Kliniken ein Gesamtdefizit von fast einer halben Milliarde Euro – und in den Jahren danach soll der Betrag sogar noch weiter steigen. Das erklärte Brit Ismer, Vorstandsvorsitzende der Berliner Krankenhausgesellschaft.

Fast jede zweite Praxis in Berlin denkt an Schließung

Um diese Verluste auszugleichen, müssten rechnerisch bis 2030 rund 50 Prozent der Vollzeitpflegekräfte abgebaut werden. Ismer warnte zudem vor Insolvenzen und davor, dass Versorgungsaufträge zurückgegeben werden könnten.

Auch in den Berliner Praxen ist die Lage offenbar dramatisch: Fast jede zweite Praxis in Berlin denkt über eine vorzeitige Schließung nach, wie eine aktuelle Umfrage der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin zeigt. Deren Vorstandsvorsitzender Dr. Burkhard Ruppert sprach von drohenden längeren Wartezeiten und Leistungskürzungen. Ohne verbindliche Patientensteuerung laufe die Reform ins Leere.

Fast jede zweite Praxis in Berlin denkt über eine vorzeitige Schließung nach, wie eine aktuelle Umfrage der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin zeigt. Arbeitnehmer sollten den Arbeitgeber schnellstmöglich über die voraussichtliche Dauer einer Krankschreibung informieren.
Fast jede zweite Praxis in Berlin denkt über eine vorzeitige Schließung nach, wie eine aktuelle Umfrage der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin zeigt. Arbeitnehmer sollten den Arbeitgeber schnellstmöglich über die voraussichtliche Dauer einer Krankschreibung informieren.Florian Schuh/dpa-tmn

Psychische Erkrankungen nehmen seit Jahren zu

Auch aus dem Bereich der Psychotherapie kommt scharfe Kritik. Psychotherapeutenkammer-Präsidentin Eva Schweitzer-Köhn warnte vor einer versteckten Kostenverlagerung. Ambulante Psychotherapie mache zwar nur 0,7 Prozent der GKV-Gesamtausgaben aus, werde aber trotzdem gekürzt – obwohl psychische Erkrankungen jedes Jahr 27 Prozent der Erwachsenen in Deutschland beträfen.

Unbehandelte Erkrankungen würden nach ihrer Einschätzung Krankenhäuser füllen und die Krankengeldausgaben weiter in die Höhe treiben. Bundesweit hätten diese 2025 mit 21,6 Milliarden Euro einen Höchststand erreicht. Auch Ärztekammer-Präsident Peter Bobbert fand deutliche Worte und nannte das Gesetz „fahrlässig ambitionslos“. Es verwalte den Mangel, statt Zukunft zu gestalten – dabei verliere der ärztliche Beruf weiter an Attraktivität, obwohl der Nachwuchsbedarf enorm sei.

Pauschale Kürzungen werden abgelehnt

Grundsätzlich sprechen sich alle vier Organisationen zwar für eine Konsolidierung der GKV-Finanzen aus. Pauschale Kürzungen lehnen sie jedoch ab und fordern stattdessen gezielte Strukturreformen.

Die Psychotherapeutenkammer verlangt konkret die gesetzliche Verankerung einer extrabudgetären Vergütung, den Erhalt von Zuschlägen für Kurzzeittherapie sowie eine gesicherte Weiterbildungsfinanzierung, um einem drohenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com