„Uns Uwe“ Seeler erzielte mehr als 400 Tore für den HSV. Er war Liebling aller Fans und sie trugen ihn auf Schultern.
„Uns Uwe“ Seeler erzielte mehr als 400 Tore für den HSV. Er war Liebling aller Fans und sie trugen ihn auf Schultern. dpa

Die hektische Uhr des Profifußballs steht für einen Moment still. Deutschland trauert um das Idol Uwe Seeler, der Donnerstag mit 85 Jahren friedlich einschlief. HSV-Ikone, WM-Held von 1966 und 1970, Ehrenspielführer der Nationalmannschaft, das alles war Seeler. Er war aber vor allen Dingen „Uns Uwe“, ein nahbarer Volksheld, der immer auf dem Teppich blieb. Er war nicht nur ein Fußballer, er ist und bleibt eine große Persönlichkeit der deutschen Geschichte.

Aufgewachsen in Trümmern

Viele jungen Menschen reden heute oft davon, ihren Traum zu leben. Seeler tat es auch und er arbeitete hart dafür. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg trainierte er als Neunjähriger beim Jugendteam des HSV. Die Bombenangriffe auf die Hansestadt konnte er so verdrängen. Sieben Jahre später war er mit 16 Jahren zum ersten Mal für das erste Männer-Team der Hamburger im Einsatz. Mit Sondergenehmigung des DFB durfte er dann dauerhaft dort seine Tore schießen.

1961 wurde er endgültig zur Legende, weil er ein traumhaftes Angebot von Inter Mailand ablehnte. Eine Million DM, damals eine unvorstellbare Summe, sollte er nur als Prämie für seine Unterschrift vom italienischen Klub bekommen. 500 000 Mark Jahresgehalt, was umgerechnet auf heute ein Ronaldo-Salär ist. Was machte Seeler?

Inter Mailand ließ Seeler abblitzen

Nach zwei Tagen lehnte er ab, er blieb seinem HSV treu und alle feierten ihn dafür. Seeler wurden zum Kompass für Treue und Bodenständigkeit. Irgendwann erinnerte er sich mal und sagte: „Beim HSV habe ich nur einen Bruchteil von dem verdient, was ich in Mailand bekommen hätte. Aber wer weiß, ob ich glücklich geworden wäre. Mehr als ein Steak am Tag kann man nicht essen. Und wenn ich Bilanz ziehe, war diese Entscheidung goldrichtig.“

Sein Vater Erwin, der im Hamburger Hafen arbeitete, hatte ihm die Tugenden   beigebracht: Anständig, hart arbeiten, Respekt vor allen Menschen. Seeler sagte dann immer: „Warum hätte ich abheben sollen? Nur weil ich ein bisschen besser kicken konnte? So bin ich nicht erzogen worden. Das Schönste ist doch, normal zu sein.“

Seeler und das verdammte Wembley-Tor

Uwe Seeler und Franz Beckenbauer nach dem 2:4-WM-Finale gegen England.
Uwe Seeler und Franz Beckenbauer nach dem 2:4-WM-Finale gegen England. imago images/Simon

Und dafür liebten ihn alle, nicht nur in Hamburg, sondern in ganz Deutschland. „Uns Uwe“ war ein authentisches Markenzeichen für das wieder aufblühende Nachkriegsdeutschland. Nur sechs Monate nach einem Achillessehnenriss im Februar 1965 schoss Seeler Deutschland gegen Schweden (2:1) zur WM nach England. Dort wurde er Vize-Weltmeister. Nach dem 2:4 im Finale gegen den Gastgeber, diesem berühmten und umstrittenen Wembley-Tor war Seeler sehr traurig. Die englischen Nationalspieler trösteten ihn. Auch ein Stück Versöhnungsgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Vier Jahre später gab es bei der WM in Mexiko die Revanche gegen die „Three Lions“. Mit dem Hinterkopf erzielte er seinen legendärsten Treffer. 1972 beendete er seine Karriere.

Unzählige Auszeichnung für das Idol

Gala zur Einweihung der Hall of Fame des deutschen Fußballs im Deutschen Fußballmuseum. Uwe Seeler hält seine Trophäe.
Gala zur Einweihung der Hall of Fame des deutschen Fußballs im Deutschen Fußballmuseum. Uwe Seeler hält seine Trophäe. dpa/Fassbender

Seinem HSV blieb er immer treu, genau wie seiner Frau Ilka, mit der er seit 1959 verheiratet war. Dem Verein blieb er so treu, dass er sogar 1995 das Amt des Präsidenten des kriselnden Rauten-Klubs übernahm. Nach drei Jahren trat er enttäuscht zurück. Nein, die Funktionärswelt war nicht seine Welt, in der er sich wohlfühlte.

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Seeler hat so viele Auszeichnungen bekommen:  Als erster Sportler überhaupt erhielt er das große Bundesverdienstkreuz, er ist Hamburger Ehrenbürger, Ehrenspielführer der Nationalmannschaft, war dreimal Fußballer des Jahres und erster Bundesliga-Torschützenkönig. Vor dem Hamburger Stadion steht sein rechter Fuß, in Bronze gegossen und vier Tonnen schwer. Viel schwerer wiegt jetzt der Verlust eines echten Nationalhelden.