Ex-Bundesliga-Profi Ciro Immobile (l.) traf für Italien beim 3:0-Sieg im EM Eröffnungsspiel gegen die Türkei zum 2:0.  dpa

Nun rollt der Ball endlich bei der längsten EM der Geschichte, die zu ihrem Beginn eigentlich schon 334 Tage hätte zu Ende sein sollen. Das interessiert Italien derzeit aber gar nicht, die Fans auf dem Stiefel sind sofort im Jubel-Modus. Mit einem 3:0 (0:0) gegen die Türkei feiern die Azzurri einen perfekten Start, ein für sie grandioses Spiel und vor allem einen hochverdienten Sieg.

Bis die ersten Knaller, Kombinationen und technischen Kniffe allerdings zu sehen sind, stehen andere Stars im Mittelpunkt: der niederländische DJ Martin Garrix mit den U2-Legenden Bono sowie The Edge und ihrem EM-Song „We are the people“; vor allem aber Andrea Bocelli. Dass der italienische Star-Tenor Puccinis Turandot-Klassik-Hit „Nessun dorma“ („Keiner schlafe“) zum Besten gibt, ist kurioserweise so etwas wie Programm für die ersten Phasen des Eröffnungsspiels vor allem von türkischer Seite. Weil sie massiv bremsen, dauert es, bis die Partie bei anfangs 29 Grad Celsius auf Betriebstemperatur kommt.

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Ciro Immobile und Italien heißer Turnierfavorit

Dann aber gehen die Azzurri steil. Schon beim Singen ihrer Nationalhymne, dem „Brüder Italiens“, haben sie alles gegeben, brüllen sich die Seele aus dem Leib. Derart aufgeziegelt, legen sie gegen die Türken los, um deren Mega-Abwehr (nur drei Gegentore in der Quali) durch Stürmerstar Ciro Immobile und seine Nebenleute zu knacken. Was ihnen anfangs schwerfällt, am Ende aber überragend gelingt und sie umgehend zu einem ganz heißen Turnierfavoriten macht.

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Vor der Pause jedenfalls klappt noch längst nicht alles, weil die Männer vom Bosporus mit Mann und Maus verteidigen und sich selbst Stürmer-Kapitän Burak Yilmaz mehr am eigenen Strafraum aufhält als am gegnerischen. Trotz 14 (zu null) Torschüssen schon zur Halbzeit muss Ugurcan Cakir lediglich beim Kopfball von Verteidiger-Kante Giorgio Chiellini durch die Luft fliegen (22.), und bei einem vermeintlichen Handspiel von Mehmet Zeki Celik winkt Schiri Danny Makkelie nach einem Signal des Video-Assistenten ab (45.).

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Hakan Calhanoglu geht mit der Türkei  unter 

Dann kommt den Azzurri mit Merih Demiral ein Türke zu Hilfe, der auch noch bei ihnen spielt, bei Juventus Turin. Bei der Hammer-Eingabe von Domenico Berardi wird der 23-Jährige am Oberkörper nahezu abgeschossen, drin ist die Kugel. Dieses 1:0 (53.) fällt zwar glücklich, ist aber total verdient. Es ist das Signal für die Azzurri, noch einen Zahn zuzulegen, noch flexibler anzugreifen und noch verwirrender zu kombinieren. Das gelingt umso besser, weil die Türken im Mittelfeld keinerlei Zugriff bekommen und selbst Ex-Bundesliga-Star Hakan Calhanoglu (Ex-HSV, Ex-Leverkusen) mit untergeht.

Am wenigsten bekommen die Türken den Kleinsten der Italiener in den Griff: Lorenzo Insigne. Der 1,63-m-Wirbelwind aus Neapel macht die verrücktesten Sachen, wuselt durch die türkische Abwehr, als bestehe die lediglich aus Pappkameraden. Und nachdem Immobile mit dem 2:0 (66.) bereits den Sack zubindet, hat Insigne seinen magischen Moment. Mit dem 3:0 (79.) krönt er seine klasse Vorstellung und lässt die Tifosi vom Titel träumen.

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