Michel Platini tut oft ahnungslos, wenn es um dubiose Zahlungen geht. Foto: imago images/PanoramiC

Rom, Baku, Kopenhagen, St. Petersburg, London, Bukarest, Amsterdam. Das sind die Spielorte der ersten drei EM-Tage. Es ist das erste paneuropäische Turnier. Der Mann, der 2012 die Idee dazu hatte, darf nicht mal durch den Kontinent reisen und ins Stadion. Schlimmer noch: Dem ehemaligen Uefa-Präsidenten Michel Platini (65) drohen sogar fünf Jahre Knast.

Auf dem Rasen war der Franzose in den 80er-Jahren ein Genie. Als Funktionär hat er sich selbst im Korruptionssumpf ausgedribbelt. Er muss sich fühlen wie Napoleon, der auf die Insel Elba verbannt wurde. Er wollte zum 60-jährigen Jubiläum der Europameisterschaft ein Turnier für alle Länder des Kontinents. Netter politischer Gedanke, doch an Klimaschutz hatte er vor neun Jahren noch nicht gedacht. Auch die Corona-Krise war da eher ein Gedanke von Apokalyptikern.

In Feierlaune präsentierte Platini, der 2007 Uefa-Boss wurde, im Juli 2012 auf einer Pressekonferenz in Kiew seine Idee von EM-Stadien in ganz Europa. „Wie wäre es, wenn wir die EM 2020 nicht in einem Land oder in zwei Ländern veranstalten – sondern in ganz Europa?“, überraschte er die Journalisten. Der Plan wurde Wirklichkeit und Platini wähnte sich schon als größter Uefa-Präsident aller Zeiten.

Doch es lief alles ganz anders. Rund zwei Millionen Schweizer Franken soll er irgendwie vom damaligen Fifa-Chef Sepp Blatter erhalten haben. Der Korruptionsskandal um den Weltverband spülte auch Platini weg. 2015 wurden ihm erst für acht, dann für sechs und endgültig für vier Jahre alle Aktivitäten im Fußball untersagt.

Der Geldsumpf-Skandal verfolgt ihn bis heute. Erst im März wurde er von der Schweizer Staatsanwaltschaft sechs Stunden lang vernommen. Im schlimmsten Falle drohen ihm fünf Jahre Haft – in der Schweiz, dem Sitz von Uefa und Fifa. Die Ironie: Das Alpenland gehört nicht mal zu den EM-Ausrichtern.