Auch wenn ADHS derzeit als (Selbst-)Diagnose unter Erwachsenen beliebt ist – meist entwickelt sich die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung früher und zeigt sich schon im Kindesalter. Was sollten Eltern tun, wenn sie glauben, dass ihr Kind betroffen ist? Wie können sie unterstützen, was müssen sie wissen? Psychologen geben konkrete Handlungstipps für überforderte Eltern, deren Kind eine ADHS-Diagnose bekommen hat.
Frühe Diagnostik und klare Kommunikation ist bei Kindern mit ADHS wichtig
„Es ist sinnvoll, einen Verdacht durch eine Diagnose abzuklären, um Gewissheit zu haben. Ein ungewisser Zustand hilft weder den Eltern noch den betroffenen Kindern“, sagt die Psychologin Dr. Josepha Katzmann im Podcast der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung (DPtV).
Die Verhaltenstherapeutin für Kinder und Jugendliche empfiehlt, die ADHS-Diagnose altersgerecht zu erklären, damit das Kind versteht, dass es keine Schuld trifft: „Das Kind muss wissen, dass es für seine ADHS-Symptome nichts kann und keine Schuld hat. Es hat Besonderheiten, die manches schwieriger machen, aber auch Stärken mit sich bringen.“
Vielen Kindern hilft es, wenn sie professionelle Unterstützung bekommen, etwa durch spezifische Psycho- und Ergotherapien. Aber auch zu Hause kann man einiges tun.

So bewältigen Sie den Alltag mit einem Kind mit ADHS
Struktur
Eltern sollten klare Strukturen schaffen und Anforderungen an ihr Kind mit ADHS eindeutig formulieren, rät Katzmann: „Struktur hilft nicht nur den Kindern, sondern auch den Eltern, die dadurch wissen, was sie zu tun haben. Das reduziert Hilflosigkeit und Konflikte.“
Positive Verstärkung
„Loben Sie Ihr Kind für gutes Verhalten und kleine Erfolge. Das stärkt das Selbstbewusstsein und motiviert“, erklärt die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Mila Ould Yahoui in einem Webinar der Zeitschrift „Psychologie Heute“.
Freizeit gestalten
„Ein analoger Lebensstil mit wenig Bildschirmzeit, viel Sport, Bewegung, sozialer Interaktion, Natur und ausgewogener Ernährung ist vorteilhaft für alle Kinder und Jugendlichen“, rät Professor Dr. Sarah Hohmann im selben Webinar. Sie ist Leiterin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Auf guten Schlaf achten
„Entwickeln Sie eine Schlafhygiene und feste Rituale, damit das Kind zur Ruhe kommen kann“, empfiehlt Ould Yahoui. Kinder mit AHDS sollten vor dem Einschlafen lieber lesen, als etwas anzuschauen oder Videospiele zu spielen.
So entwickelt sich ADHS bei Jugendlichen und Erwachsenen
Bei Jugendlichen wird die Einbeziehung der Eltern dann weniger wichtig, stattdessen steht die Aufklärung über ADHS im Vordergrund. „Jugendliche sind oft dankbar dafür, dass ihre Schwierigkeiten erklärbarer werden und für sie selber auch verstehbarer“, sagt Josepha Katzmann. In der Therapie werden mit den Jugendlichen Strategien entwickelt, wie sie ihren Alltag mit ADHS besser bewältigen können. Es gehe dann eher darum, sie im Umgang mit den Schwierigkeiten zu stärken, als „die Schwierigkeiten an sich wegzumachen“.




