Im Welli im Sportforum Hohenschönhausen fliegt am Dienstag kein Puck, obwohl sich die dort versammelte Gesellschaft durchaus bestens mit der Hartgummischeibe auskennt. Dynamo- und Eisbären-Legende Bernd Karrenbauer feiert dort mit Freunden und Weggefährten den 80. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch, Karre!
Bis vor sieben Jahren war der Welli praktisch das zweite Zuhause des Jubilars. Mitten im Krieg kam Bernd in Rom zur Welt. Nicht in der Nähe des Trevi-Brunnens, sondern in einem kleinen mecklenburgischen Dorf zwischen Lübz und Parchim. Den Eishockey-Schläger schwang er zunächst in Rostock. Als auf Befehl der DDR-Sportführung Eishockey diskriminiert wurde und bestenfalls Feierabend-Teams spielen durften, wechselte der Stürmer gemeinsam mit Dietmar Peters (74) und Peter Prusa (80) zum SC Dynamo Berlin.
Karrenbauer übte mit Bremerhaven-Trainer
Bei der Feier im Welli kommt das Gespräch auch hundertprozentig aufs DEL-Hauptrundenfinale am Freitag gegen Bremerhaven (19.30 Uhr, MB-Arena). Beide Teams knackten die 100-Punkte-Marke. Nur mit einem Sieg nach 60 Minuten können die Eisbären den ersten Rang zurückerobern, der bis ins Play-off-Finale das Heimrecht sichert.

Pikant ist dabei, dass Bremerhavens Trainer Thomas Popiesch (58) als Schüler beim damaligen Dynamo-Nachwuchscoach Bernd Karrenbauer übte. Karre selbst brachte es als Dynamo-Spieler zu drei DDR-Meistertiteln und 200 Länderspielen (47 Tore). Nach der Wende erreichte er bei den Eisbären auch als Materialwart Kultstatus.
Tumor: Karre hat drei OPs hinter sich
Die Freude am Job wurde allerdings vor sieben Jahren jäh unterbrochen. Karrenbauer: „Ich fand mich nach fiesen Schmerzen plötzlich unterm Messer wieder. Mir wurde eine Niere entfernt. Genau an dieser Stelle bildete sich ein Tumor. Als ich auch diese OP überstanden hatte, entdeckten die Ärzte im Bauchraum einen zweiten Tumor. Auch die OP ging gut.“

So kann sich Karre auch heute noch über jedes Eisbären-Tor freuen. Wobei am Freitag sicher zwei Herzen in seiner Brust schlagen. Natürlich fiebert er einem EHC-Sieg entgegen, aber wenn sein alter Spieler Thomas Popiesch gewinnt, ist der Schmerz nur halb so groß wie bei anderen Niederlagen.



