Jetzt lässt es Tobias Künzel (62) richtig krachen. Er ist einer der Hauptacts auf dem Rock-Festival „Klassentreffen der Ostmusik“ auf einem ehemaligen Militärflughafen in Neuruppin. Bei dem Mega-Event wird er allerdings nicht mit den Prinzen auf der Bühne stehen. Denn das Ende einer der erfolgreichsten Popbands Deutschlands ist beschlossene Sache. In Neuruppin wird der Schlussstrich gezogen. Denn dort feiert Künzel das Open-Air-Comeback der DDR-Kultband Amor & die Kids.
Klassentreffen der Ostmusik: Tobias Künzel sorgt für Comeback
Es ist eine Art Woodstock des Ostrocks: das „Klassentreffen der Ostmusik“, das im vergangenen Jahr im Hangar 321 des einstigen Militärflughafens Neuruppin (Brandenburg) seine Premiere erlebte. Neben Silly, Rockhaus, Karussell und Stern-Combo Meißen standen damals nach langer Zeit auch wieder NO55 und Perl („Zeit, die nie vergeht“) auf der Bühne.
Nun findet die Neuauflage des „Klassentreffens der Ostmusik“ am 19. und 20. Juni 2026 statt. Und es tritt wieder eine DDR-Kultband nach ganz langer Zeit auf. Seitdem klar ist, dass die Prinzen nicht mehr weitermachen werden und im kommenden Jahr auf Abschiedstournee gehen, reaktivierte Tobias Künzel mit seinen alten Musiker-Kumpeln aus den 80er-Jahren ihre Band Amor & die Kids.

„Wir entsprechen dem Zeitgeist“, sagt Künzel dem KURIER. „Die Menschen im Osten Deutschlands entwickeln wieder ein Bewusstsein für ihre eigene Vergangenheit, zu der auch ihre Jugend gehört.“ Zu dieser gehörte der Ostrock und damit Bands wie Amor & die Kids. „Darum sind wir wieder da.“
Prinzen adé: Tobias Künzel kommt mit Amor & die Kids
Am 20. Juni werden Amor & die Kids gegen 17 Uhr auf der Bühne 1 am Hangar 321 stehen und ihre Hits „Komm doch mit (Zu ’nem Ritt auf dem Sofa)“, „Blauer Würger“ und „Ich mache sowieso nur, was ich will“ spielen. Einen neuen Song gibt es auch. „Alles schon mal da gewesen“, heißt er.

1985 wurden Amor & die Kids gegründet. Mit „Amor“ würdigten sie nicht den Liebesgott, sondern einen gleichnamigen Wermut, den es in der DDR gab und der auch bei den Musikern die Runde machte. Und die Band wollte mit ihren Songs und Auftritten anders sein als die anderen Gruppen in der DDR.
Mit dem Hit „Komm doch mit (zu ’nem Ritt auf dem Sofa)“ fiel die Band besonders auf. Ein Song mit einfacher, eingängiger Melodie und der mit viel Humor den DDR-Alltag einfängt. Zwischen Leichtigkeit und frechem Text spiegelt er jugendlichen Freiheitsdrang – ohne offen politisch zu sein. Genau diese Mischung macht ihn heute zum Kultsong.
„Bei dem, was wir machten, haben wir nicht viel nachgedacht, bei den Texten direkt auf die 12 hingearbeitet, wir haben uns gegenseitig auf die Schippe genommen, haben sehr viel gelacht. Und darum ging es: um jede Menge Spaß“, sagt Künzel.
Diesen Spaß duldeten auch die DDR-Funktionäre. Zähneknirschend sahen sie über das englische „Kids“ im Bandnamen hinweg. Und auch der Titel „No More Bockwurst“ für das erste Album von Amor & die Kids wurde durchgewunken.
„Klassentreffen der Ostmusik“ mit West-Import
Das „Klassentreffen der Ostmusik“ in Neuruppin ist einer der Höhepunkte des Comebacks von Amor & die Kids. „Auf dem Festival werden wir die einzige Band aus der DDR sein, die noch in Originalbesetzung zu sehen ist“, sagt Künzel.




