Lange Zwangspause

SVT Görlitz außer Betrieb: Motorschaden stoppt legendären DDR-Zug

Die Betreiber haben nun die Ursache des Defekts offengelegt und verraten, wann der legendäre VT 18.16 wieder Fahrgäste an Bord begrüßen könnte.

Author - Sebastian Krause
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Wegen eines Schadens am Motor muss der DDR-Schnellzug SVT Görlitz eine Zwangspause einlegen.
Wegen eines Schadens am Motor muss der DDR-Schnellzug SVT Görlitz eine Zwangspause einlegen.IMAGO/Harry Haertel

Nach der umjubelten Rückkehr auf die Schiene muss der historische Schnelltriebzug SVT Görlitz vorerst erneut eine Pause einlegen. Nur wenige Wochen nach den ersten Fahrten mit Passagieren steht der aufwendig restaurierte DDR-Prestigezug in seiner Halle in Radebeul.

Motorschaden bremst den SVT Görlitz aus

Mitte Juni hatte der SVT Görlitz nach jahrelanger Restaurierung seine ersten Fahrten absolviert und zahlreiche Eisenbahnfreunde entlang der Strecke begeistert. Doch aktuell verhindert ein Motorschaden weitere Einsätze.

Ermüdungsbruch im Motor der SVT Görlitz

Die SVT Görlitz gGmbH erklärte dazu auf Facebook: „Durch einen vermutlichen Haarriss in einer Vorkammer vom Motor des VTb kam es zu einem Ermüdungsbruch.“

In der Folge seien während des Betriebs Schäden an Kolben, Laufbuchse und Zylinderkopf entstanden. „Die vergangenen Wochen waren von Demontagearbeiten und Schadensbegutachtung geprägt“, hieß es weiter. Inzwischen sei der vollständige Schaden bekannt, „und die schrittweise Montage der Motorenkomponenten kann wieder erfolgen“.

Ursache des Defekts bleibt vorerst ungeklärt

Wie der Haarriss entstand, ist bislang offen. Nach Angaben der Betreiber war ein solcher Schaden bei der Aufarbeitung des Motors nicht erkennbar. „Bei der Montage im Rahmen der Aufarbeitung des Motors konnte derartiges nicht festgestellt werden“, heißt es im Social-Media-Beitrag der Gesellschaft.

Der SVT Görlitz hat bereits einige erfolgreiche Testfahrten absolviert.
Der SVT Görlitz hat bereits einige erfolgreiche Testfahrten absolviert.Imago/Sylvio Dittrich

Mario Lieb, ehrenamtlicher Geschäftsführer der SVT Görlitz gGmbH, ordnete den Fall gelassen ein: „Der Vindobona ist eben doch eine alte Dame.“ Die Reparaturarbeiten seien inzwischen deutlich vorangeschritten. Nach Abschluss der Arbeiten sollen weitere Werkstatt- und Testfahrten folgen. Anschließend will die Gesellschaft das Sonderfahrtenprogramm wieder aufnehmen.

Sonderfahrt nach Cottbus ist verschoben

Von dem Motorschaden ist bereits das Veranstaltungsprogramm betroffen. Eine geplante Sonderfahrt zu einem Konzert der Band „Keimzeit“ nach Cottbus musste verschoben werden. Die Betreiber nutzen die Zwangspause nach eigenen Angaben jedoch auch für turnusmäßige Untersuchungen am Fahrzeug.

Der Vindobona ist eben doch eine alte Dame.

Mario Lieb, Geschäftsführer der SVT Görlitz gGmbH

Der VT 18.16 wurde 1963 im damaligen Waggonbau Görlitz entwickelt und galt als Flaggschiff der Deutschen Reichsbahn im internationalen Fernverkehr. Insgesamt entstanden acht Züge dieser Baureihe. Eingesetzt wurden sie unter klangvollen Namen wie „Vindobona“ und „Karlex“ auf Verbindungen nach Prag, Wien, Berlin sowie weiteren internationalen Zielen. Der Triebzug war für Geschwindigkeiten von bis zu 160 Kilometern pro Stunde ausgelegt und verfügte sogar über ein Mitropa-Speiseabteil.

Von dem historischen Zug existieren nur drei Exemplare

Von den ursprünglich acht Einheiten existieren heute nur noch drei Exemplare. Der nun wieder betriebsfähige Zug wurde seit 2018 in einem aufwendigen Projekt restauriert. Die Arbeiten fanden überwiegend im sachsen-anhaltischen Halberstadt statt. Neben zahlreichen Ehrenamtlichen waren verschiedene Fachfirmen beteiligt. Auch bei der aktuellen Motorinstandsetzung unterstützen erneut mehrere Unternehmen die Arbeiten.

Am 14. Juni erreichte der Vindobona nach jahrelanger Sanierung sein neues Domizil in Radebeul. Die Überführung aus Halberstadt wurde von zahlreichen Eisenbahnfreunden verfolgt. Das Projekt gilt als eines der ambitioniertesten Restaurierungsvorhaben im deutschen Eisenbahnerhalt der vergangenen Jahre. Künftig soll der Zug wieder regelmäßig zu Sonderfahrten aufbrechen.

Nächster Vindobona wartet bereits in Chemnitz

Während die Reparatur des betriebsfähigen VT 18.16 läuft, gibt es bereits Pläne für ein weiteres Fahrzeug der Baureihe. Seit zwei Jahren steht ein weiterer SVT Görlitz in Chemnitz-Kappel. Er gehört dem Solaris-Unternehmensverbund. Anders als der Radebeuler Vindobona soll dieser Zug jedoch nicht mehr auf die Schiene zurückkehren. Stattdessen ist vorgesehen, ihn zu einem Veranstaltungsort mit Gastronomie umzubauen.

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