In der DDR gab es nur Trabis? Wer das denkt, der liegt vollkommen falsch. Um die Autobranche des Ostens ranken sich viele Mythen und Legenden. Es gab weit mehr als die „Rennpappe“ – dafür ist eine aktuelle Suchaktion des Dresdner Verkehrsmuseums ein großes Beispiel. Hier wird gerade Geld gesammelt, damit sich das Museum einen echten DDR-Rennwagen leisten kann. Einen DDR-Rennwagen? Sie haben richtig gelesen: Auch das gab es in der DDR! Vom berühmten Melkus RS 1000 wurden damals allerdings nur 101 Exemplare gebaut.
Melkus RS 1000: Die DDR hatte einen eigenen Rennwagen
Die DDR hatte tatsächlich einen eigenen Rennwagen – und der sah für die damalige Zeit beinahe futuristisch aus. Er war flach, hatte markante Flügeltüren und war extrem leicht. Nicht umsonst wurde der Melkus RS 1000 als „Ferrari des Ostens“ bezeichnet. Erfunden wurde er von Rennfahrer Heinz Melkus, der laut Überlieferung in Wien im Jahr 1963 eine Rennveranstaltung besuchte und dort einen Lotus Elan sah.
Er wollte einen solchen Sportwagen in die DDR bringen. „Mein Vater war Rennfahrer und hat sich seine Rennwagen selber gebaut“, sagte sein Sohn Peter Melkus der „Sächsischen Zeitung“. Allerdings seien das nur Formel-Rennwagen gewesen – also Autos, in die jeweils nur eine Person passte und die nur auf Rennstrecken fahren durften. „Sein großer Wunsch war, einmal ein Rennauto zu bauen, das man auch im öffentlichen Straßenverkehr bewegen kann.“

Um dafür die Genehmigung zu bekommen, mussten die politischen Hintergründe stimmen. Deshalb wurde eine Arbeitsgemeinschaft mit Mitarbeitern des Allgemeinen Deutschen Motorsportverbandes (ADMV) und Ingenieuren der Technischen Universität Dresden gegründet. Vertreten waren unter anderem auch Techniker aus dem Automobilwerk Eisenach und Designer der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee. Die Idee: Es sollte ein DDR-Rennwagen entstehen – „zu Ehren des 20. Jahrestages der Gründung der DDR“.
Beim Melkus musste man in der DDR improvisieren
Die ersten Prototypen wurden 1969 entwickelt, 1971 startete die Serienproduktion – allerdings in Handarbeit. Hier zeigte sich auch der Erfindergeist der Menschen in der DDR. Denn wie so oft in der DDR waren Bauteile Mangelware. Es wurden Teile aus dem Automobilwerk Eisenach für die Produktion verwendet, außerdem zusätzliche Teile anderer Werkstätten gekauft.
Der Legende nach kamen sogar Ketten von Badewannenstöpseln zum Einsatz – sie dienten bei einigen Modellen als Halteketten für die Motorhauben. Die Spiegel waren bei den Autos Fahrradlampen, das Lenkrad wurde aus einem Motorboot genommen. Motoren und Getriebe gehörten eigentlich zum Wartburg 353 und wurden für den Melkus speziell angepasst.

Der Melkus RS 1000 – das RS steht übrigens für „Rennsportwagen“ – ist damit auch ein Stück Automobilgeschichte der DDR. Deshalb will nun auch das Verkehrsmuseum in Dresden ein Exemplar erwerben. Es fehlt allerdings das nötige Kleingeld, berichtet die „Sächsische Zeitung“. Denn ein solcher Wagen kostet heute 115.000 Euro.
„Das hat unser Budget zum Ankauf leider nie hergegeben“, sagt Michael Vogt, der Direktor des Museums. Doch durch verschiedene Förderungen sind nun inzwischen mehr als 80.000 Euro zusammengekommen. Den Rest soll nun eine Spendenkampagne bringen: Im Rahmen der Aktion „99 Funken“ der Sparkasse sammelt das Museum Spenden. Werden bis zum 15. Mai 15.000 Euro gesammelt, gibt die Sparkasse weitere 5000 hinzu.

Heute ist die Nachfrage nach dem Melkus gigantisch
Bei der Suche nach einem geeigneten Melkus RS 1000 für die Ausstellung hilft übrigens Sepp Melkus, der Enkel von Rennfahrer Heinz. Es sei nicht so leicht, einen passenden Wagen zu finden, weil nur so wenige Exemplare hergestellt wurden. Die Lösung: Sepp Melkus verkauft jetzt seinen eigenen an das Museum. „Das Fahrzeug stand die vergangenen 30 Jahre in einem privaten Museum in Belgien und ist unverbastelt“, sagt er.


