Es gibt Süßigkeiten aus der DDR, die haben auch nach Jahrzehnten nichts von ihrem Charme verloren. Noch heute liegen sie in den Regalen und haben viele Fans. Neben der Schlager-Süßtafel und der Schokolade der Marke Bambina gehören ohne Zweifel auch die Bonbons Pfeffi und Zitro dazu. Die kleinen Stangen mit den winzigen Bonbons, die an den West-Klassiker „PEZ“ erinnern – es gibt sie noch heute in vielen Geschäften. Aber: Wussten Sie schon, dass die winzigen Bonbons eigentlich eine Erfindung der DDR-Regierung waren?
Dieser Drops aus der DDR ist noch nicht gelutscht
Eines ist klar: Dieser Drops ist auch Jahrzehnte nach der Wende noch lange nicht gelutscht – und gehört noch immer zu den Kult-Produkten aus der DDR! Denn auch heute noch stehen die Bonbons der Sorten Pfeffi und Zitro in vielen Bonbon-Regalen.
Sie haben die Wende überdauert, haben auch heute noch viele Fans, die sich das Erbe der DDR zu gern auf der Zunge zergehen lassen. Allerdings gehören die Bonbons zu den Produkten, von denen viele gar nicht wissen, woher sie eigentlich kommen – und warum sie das Licht der Welt erblickten.
Tatsächlich ist das Entstehen der Pfeffi-Bonbons einer politischen Entscheidung zu verdanken: Der Ministerrat der DDR beschloss im Jahr 1953 Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensstandards der Bevölkerung. Der Grund: Die Unzufriedenheit über die Versorgungsprobleme in der DDR war gewachsen.
Nun sollte eine „Konsumwende“ alles richten. Ziel war es, „in der nächsten Zeit eine ernsthafte Verbesserung der wirtschaftlichen Lage und der politischen Verhältnisse in der Deutschen Demokratischen Republik zu erreichen und auf dieser Grundlage die Lebenshaltung der Arbeiterklasse und aller Werktätigen bedeutend zu heben“.

Zu den Beschlüssen zählte auch die Entwicklung eines „genussvollen Massenbedarfsartikels“. Beauftragt wurde damit die VEB Fahlberg-List in Markkleeberg – ein Chemiebetrieb, der als erster Produzent des Süßstoffs Saccharin in die Geschichte einging.
Hier wurden aber auch andere Dinge hergestellt, die man so gar nicht mit Bonbons in Verbindung bringen möchte. Beispielsweise Lackfarben oder chemische Präparate mit Arsen, die unter anderem bei der Bekämpfung von Kartoffelkäfer-Plagen eingesetzt wurden. Die Produktion solcher Mittel wurde im Jahr 1953 allerdings eingestellt.
Pfeffi kam nach einem Jahr Entwicklung auf den Markt
Und dann kam Pfeffi: Nach einem Jahr Entwicklungszeit brachte der VEB Fahlberg-List das Bonbon auf den Markt. Es sollte als Gegenstück zum Bonbon Vivil aus der BRD dienen. Eine Stange Pfeffi enthielt damals zwölf Bonbons und war im Laden für zehn Pfennig zu haben.
Andere Sorten kosteten weniger: Zitronenbonbons wurden etwa für acht Pfennig verkauft, Himbeerbonbons für neun. Mehr als 1000 Tonnen Pfeffi wurden jedes Jahr produziert und verließen die Fabrikhallen in Markkleeberg.

Die Produktion wuchs in den darauffolgenden Jahren auf mehr als 1600 Tonnen an, weil der damalige Betriebsleiter Roboter einsetzen ließ. Und damit knackt Pfeffi im Jahr 1989 sogar einen Weltrekord: Die hergestellten Pfefferminzbonbons sind so schwer wie mehr als 2500 Trabis. Doch nach dem Hype wurde es plötzlich still um die Pfeffis: Wie viele Produkte aus dem Osten gerieten auch die Bonbons über die Wende in den Hintergrund.
Der Grund: Als die Mauer gefallen war, wollten viele eher die neuen, bunten Süßwaren aus dem Westen probieren – und wandten sich von ihren lieb gewonnenen Süßigkeiten ab. Doch dabei sollte es zum Glück nicht bleiben.
Jahre nach der Wende kamen die Bonbons zurück
Im Jahr 2000 – nach acht Jahren Pause – kehrten die Bonbons endlich in die Regale zurück. Betriebsleiter Wilfried Opitz suchte tapfer nach einem neuen Hersteller. „Ich konnte mich nicht damit abfinden, dass es Pfeffi nicht mehr geben sollte“, sagte er in einem Interview. Gemeinsam mit dem Süßwarenunternehmen Pit legte er die Bonbons neu auf. Schon 2000 liefen wieder 25 Tonnen Bonbons vom Band.
Inzwischen sind zahlreiche neue Sorten dazugekommen, neue Verpackungen und Designs wurden entwickelt. Pfeffi gibt’s jetzt nicht mehr nur mit Pfefferminz- und Zitronengeschmack, sondern beispielsweise auch in den Varianten scharfe Kräuter, Schokominze, Orange-Ingwer oder Multifrucht.


