Es ist Herrentag – und das bedeutet: Überall im Land wird ordentlich gepichelt! Auch wenn das Wetter einen Ausflug mit dem Bollerwagen vielerorts eher nicht zulässt, wird sicherlich die eine oder andere Flasche Bier geleert. Der Gerstensaft stand schon zu DDR-Zeiten hoch im Kurs. Wussten Sie, dass die DDR dem Westen in Sachen Bier sogar ein ganzes Stück voraus war. Denn das erste alkoholfreie Bier in Deutschland hieß AUBI – und es wurde tatsächlich im Osten erfunden!
AUBI: DDR erfahr das erste deutsche alkoholfreie Bier
Heute gehört alkoholfreies Bier zum Alltag, ist in vielen Supermärkten, Getränkemärkten und auch in Restaurants und Kneipen zu haben. Doch das war nicht immer so! In tiefster DDR-Zeit gab es das nicht. Bis 1972 war ein alkoholfreies Biergetränk nur in der Schweiz bekannt.
Doch in dem Jahr wurde es auch in der DDR erfunden und vorgestellt. Der Hintergrund war ein ernster: Überliefert ist, dass in den Jahren zuvor der Alkoholkonsum in der DDR drastisch anstieg. Deshalb gab es eine Null-Promille-Grenze für Autofahrer.
Also ließ sich die VEB Engelhardt-Brauerei in Berlin, gefördert von der DDR-Regierung, etwas einfallen. Der Braumeister der Brauerei hieß damals Ulrich Wappler und entwickelte das erste alkoholfreie Bier der DDR. Die Idee: Bei der Herstellung des Biers bremste man die Gärung aus, indem man es kühlte. Das fertige Bier hatte dann nicht mehr als 0,5 Volumenprozent Alkohol. Die waren aber laut Braumeister Wappler auch nötig. „Das Angären macht den Geschmack“, sagte er der SUPERillu.

Das Bier bekam passenderweise den Namen AUBI – denn es handelte sich um das erste Autofahrer-Bier! Auch Autofahrer konnten es trinken, ohne sich gleich in Gefahr zu bringen. Und nicht nur sie hatten etwas vom ersten alkoholfreien Bier der DDR. Es wurde nämlich auch an Arbeiter in Betrieben verteilt, in denen unter großer Hitze gearbeitet wurde. So ging es unter anderem an Glasbläser.
Laut Wappler bestanden die darauf, Bier trinken zu dürfen, weil das mehr Speichel bildet. Das alkoholfreie Bier wurde blind verkostet und für gut befunden. „Als sie erfuhren, dass es alkoholfrei ist, schlug die Stimmung um“, sagte Wappler. „Die wollten, dass es flimmert“,

Auch der Braumeister erinnert sich daran, wie wichtig das Bier damals war. Es sei zu viel getrunken worden in der DDR, erzählte er im Interview. Von 1960 bis 1981 sei der Bierkonsum um fast 52 Prozent angestiegen. Und der Alkohol habe Schaden angerichtet. Da kam das alkoholfreie Bier genau richtig. AUBI durfte nur als Flaschenware gehandelt werden und war für 0,75 Mark in Flaschen zu 0,5 l erhältlich.
Der Geschmack überzeugte aber nicht alle. Was auch daran lag, dass das Bier noch nicht fertig war, als es erstmals abgefüllt wurde. Der Braumeister verriet dem MDR einst den Spruch, den er damals öfter zu hören bekam: „Mit ,Au‘ fängt es an und mit ,Iiih‘ hört es auf.“
DDR verdiente mit AUBI auch reichlich Devisen
Heute sind solche Biere Standard, stehen in jedem Getränkemarkt. Damals war es anders: In Deutschland war die Entwicklung Pionierarbeit. Die BRD brachte erst Jahre später, im Jahr 1979, ein entsprechendes Bier auf den Markt. Und: Der DDR brachte AUBI auch ordentlich Kohle. Denn wie so oft bei guten Produkten aus dem eigenen Land wurde es vor allem genutzt, um damit Westgeld zu verdienen, indem man es exportierte. Unter den Namen Foxy light und Berolina ging das alkoholarme Bier auch in die USA und nach England.
1990 verschwand AUBI vom Markt. Heute ist das Bier wieder eine eingetragene Marke einer Privatbrauerei in Thüringen.


