Das kleine Raketenschiff 575 „Hans Beimler“ ist heute ein Publikumsmagnet in Peenemünde – und ein seltenes Stück DDR-Geschichte. Tausende Besucher strömen jedes Jahr an die Ostsee, um das letzte erhaltene Schiff seiner Klasse zu bestaunen.
Einst war die „Hans Beimler“ Teil einer ganzen Serie von fünf schnellen Raketenbooten der Tarantul-Klasse, Projekt 1241, gebaut für die Volksmarine. Ihre Schwesternschiffe existieren nicht mehr. Eines von ihnen, die „Hiddensee“ schaffte es sogar bis in die USA – und endete dort tragisch.
„Hiddensee“ wurde 1984 gebaut
Gebaut wurde die „Hiddensee“ 1984 auf der sowjetischen Petrowski-Werft bei Leningrad, heute St. Petersburg. In Dienst gestellt wurde sie zunächst unter dem Namen „Rudolf Egelhofer“, benannt nach einem Matrosen und späteren Kommandanten der Roten Armee in München.
Als typische sowjetische Raketenkorvette war sie dafür ausgelegt, jeden Angriff auf die DDR-Küste an der Ostsee abzuwehren. An Bord: Seezielflugkörper vom Typ Styx und ein Arsenal an Abwehrwaffen, die das Schiff sichern sollten.

Doch die Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 besiegelte das Ende der kleinen Raketenschiff-Flotte. Fast alle fünf Schiffe wurden außer Dienst gestellt und teils 1994/95 in Wismar verschrottet. Die 572 „Rudolf Egelhofer“ jedoch überlebte, unter neuem Namen.
Als „Hiddensee“ (BN P6166) übernahm die Bundesmarine das Schiff, musterte es aber schon im April 1991 wieder aus. Stattdessen wurde es ans andere Ende der Welt geschickt. Die „Hiddensee“ wurde an die US Navy übergeben, die das Schiff zu Testzwecken nutzen wollte.
In Kiel auf ein Transportschiff verladen, erreichte die „Hiddensee“ im Dezember 1991 Norfolk. Dort übernahmen 20 ehemalige DDR-Seeleute das Kommando, um mehrere Monate lang amerikanische Marinesoldaten auszubilden. Die US Navy testete das Schiff intensiv – 50 Einsätze in der Chesapeake Bay und vor den Virginia Capes.
Doch Budgetkürzungen setzten dem Projekt ein Ende. 1996 wurde die „Hiddensee“ endgültig ausgemustert und landete im Museum. 1997 wurde sie an die Battleship Cove in Fall River (Massachusetts) übergeben, wo etliche Kriegsschiffe für Besucher bereit stehen.

„Hiddensee“ blieb als ein Stück DDR in Amerika
Dort in den USA lag das Raketenschiff 26 Jahre lang. Ein Stück DDR-Militärgeschichte mitten in Amerika, vertäut zwischen dem U-Boot Lionfish und dem Schlachtschiff Massachusetts. Doch der Zustand der „Hiddensee“ verschlechterte sich dramatisch, vor allem der Rumpf zerfiel zusehends. Nach dem Einsturz der Gangway im Dezember 2021 wurde die „Hiddensee“ geschlossen.
Der Anfang des dramatischen Endes des Raketenschiffs. Die Instandhaltung war zu teuer, das Museum das Museum musste handeln. Irgendwann fiel die Entscheidung, die viele als bitter empfinden. Im Oktober 2023 wurde die „Hiddensee“ zum Abwracken verkauft und stillschweigend zur Verschrottung nach Bridgeport (Connecticut) geschleppt. Ein einzigartiges Zeugnis des Kalten Kriegs war damit verschwunden.
Und so bleibt heute nur eine Überlebende unter den DDR-Raketenschiffen: die „Hans Beimler“. Erst Mitte März kehrte sie nach Reparaturarbeiten auf der Peene-Werft wieder nach Peenemünde ins Museum zurück. Als Relikt, als Erinnerung und als stiller Zeuge einer untergegangenen Flotte.


