In der DDR war die Contratherm-Limonade ein Geheimtipp für Hitzearbeiter – ein Getränk für die Auserwählten. Heute, mehr als drei Jahrzehnte nach der Wende, lassen Erinnerungen an die bunte Erfrischung die Neugier aufleben. Wer durfte die besondere Limonade damals genießen?
In der DDR wusste man, wie Erfrischung im Sommer geht – zahlreiche Limonaden und Cola-Produkte gab es auch vor der Wende auf dem Markt. Manche, darunter die Vita-Cola und die Club-Cola, gibt es noch heute, andere kehren zurück: Die Grapefruit-Limonade Karena und die Inter-Cola erleben gerade ihr Comeback. Doch es gibt auch eine DDR-Limo, die nur wenige kennen, weil nicht jeder sie zu DDR-Zeiten kaufen durfte. Die Rede ist von „Contratherm“. Wir verraten das Geheimnis der Limo, die zu Honeckers Zeiten bestimmten Leuten vorbehalten war.
Erinnern Sie sich an Contratherm-Limonade?
Wissen Sie noch, was „Contratherm“ war? Nein? Dann gehören Sie zu den Menschen, die das Erfrischungsgetränk in der DDR-Zeit vermutlich nicht kaufen durften – und das sagt viel über Sie aus. Es verrät, was Sie beruflich gemacht haben – besser gesagt: Was Sie NICHT beruflich gemacht haben. Denn Contratherm war eine DDR-Limonade, die nur Menschen in bestimmten Berufen erwerben durften. Weil sie speziell für Arbeiter entwickelt wurden, die bei großer Hitze tätig waren.
Noch heute schlummert eine Flasche mit 0,33 Litern Contratherm-Limonade im Depot des DDR Museum Berlin – die Flasche selbst geformt wie viele andere Limo-Pullen, die in den Regalen der Läden in der DDR standen. Der Inhalt leuchtet pink, das Etikett strahlt in bunten Farben. Nur wenige kamen in den Genuss, die bunte Flüssigkeit zu probieren, denn es handelt sich um ein „Getränk für Hitzearbeiter“.
Das meint Berufe, in denen nicht nur schwer gearbeitet werden muss, sondern oft auch bei großen Temperaturen. In der Küche, der Bäckerei, in Schmieden, Stahlwerken oder in der Wäscherei: Die Contratherm-Limonade sollte den schwitzenden Arbeitern und Arbeiterinnen helfen, durch den Tag zu kommen.

Denn beim verstärkten Schwitzen werden mit dem großen Flüssigkeitsverlust auch wichtige Mineralien ausgespült. Die Limonade namens „Contratherm“ sollte dem entgegenwirken. Enthalten waren verschiedene Mineralien und Vitamine – das Getränk war also nichts anderes als eine isotonische Limo, wie sie auch heute in vielen Supermärkten angeboten wird.
Contratherm wurde auch in Berlin hergestellt
Hergestellt wurde das Getränk im VEB Getränkekombinat Berlin PB Spreequell in Berlin, einem Unternehmen, zu dem auch das Berliner Bürgerbräu, das Berliner Kindl, die Schultheiß-Brauerei und die Bärenquell-Brauerei gehörten. Limos liefen bei Spreequell vom Band.
Während die Club-Cola, die ebenfalls von hier kam, aber in den Läden stand, war „Contratherm“ nicht frei verkäuflich. Die Limo-Flaschen wurden direkt in die Betriebe gebracht, in denen sie gebraucht wurden – deshalb waren die Etiketten der Flaschen auch mit dem Zusatz „unverkäuflich“ gekennzeichnet.


