Der Sommer ist da, es ist unfassbar heiß – da möchte manch einer schnell alle Hüllen von sich werfen und sich am Strand rekeln. Vor allem zu DDR-Zeiten war FKK noch ein großes Thema und gehörte im Urlaub zur Kultur. Weg mit Badeanzug und Badehose! Heute ist man da verklemmter. Aber: Waren in der DDR wirklich alle so freizügig, wie es immer behauptet wird? Natürlich nicht. Eine schöne Anekdote dazu haben wir im Stasi-Archiv gefunden: Wir verraten, warum die Stasi sogar Busen in ihren Akten dokumentierte.
Brüste in Kletzin im Fokus der DDR-Stasi
Die Stasi dokumentierte in der DDR auch nackte Brüste? Nicht so, wie Sie jetzt vielleicht denken! Wir haben aber ein herrliches Informationsblatt im Archiv der Stasi-Unterlagen entdeckt, das einen beinahe ungeheuerlichen Vorgang dokumentiert. Tatort: Die Gemeinde Kletzin im Norden des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern. Die Täter: eine Gruppe Studentinnen, die hier im Ernteeinsatz waren. Die Tatzeit: September und Oktober 1965.
Laut den Aufzeichnungen handelte es sich um 15 Studentinnen der Medizinischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin. Vom 16. September bis zum 13. Oktober 1965 befanden sich die jungen Frauen laut Aktenvermerk in Kletzin, waren dort in der LPG „Junge Patrioten“ im Einsatz. Sechs Studentinnen lebten im Verwaltungsgebäude der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft, neun Studentinnen waren im Wohnhaus des Bauern untergebracht.

In den Unterkünften habe es keinen Wasseranschluss gegeben, heißt es weiter. Deshalb seien an die Studentinnen Wasserschüsseln ausgegeben worden – mit denen sollten sie sich Wasser von einer Pumpe holen, die sich auf dem gleichen Grundstück in der Nähe der Kletziner Dorfstraße befand. Doch schnell zeigte sich, dass – zumindest in den Augen von Dorfbewohnern und Staatssicherheit – die Studentinnen den Umgang mit den Wasserschüsseln nicht richtig verstanden hatten.
Studentinnen entblößten ihre Brüste, um sich zu waschen
„Alle dort wohnhaften Studentinnen“ hätten sich „in mehreren Fällen“, vor allem an ihren ersten Tagen in der LPG, „direkt an der Wasserpumpe mit entblößtem Oberkörper gewaschen“, dokumentiert die Stasi in der Unterlage. Später sei das vereinzelt vor Arbeitsbeginn passiert, also meist in der Zeit zwischen 6 Uhr und 6.15 Uhr am frühen Morgen.
Ein unerhörter Vorgang für die Menschen im Dorf. Eine Reihe von Dorfbewohnern habe „diese Vorgänge“ beobachten können – von der Dorfstraße aus, aber auch aus Wohnhäusern in der Nähe.

Die Bewohner des Dorfes hätten darüber ihr Missfallen geäußert – und das dokumentierte die Staatssicherheit ebenso. „Dieses Missfallen wurde noch dadurch verstärkt, dass einige Studentinnen ,leicht bekleidet‘, z. B. in kurzer Sportbekleidung, teilweise auch im Bikini, durch den Ort gingen.“ Die Dorfbewohner hätten geäußert, die Studentinnen würden sich „oben ohne“ durch die Gemeinde bewegen. Jeder in der DDR mochte FKK? Das Beispiel zeigt: Es gab Ausnahmen.
Busen in Kletzin: Am Ende griff die Volkspolizei ein
Sogar das Volkspolizeikreisamt musste eingreifen. Der Chef höchstpersönlich wurde am 29. September 1965 bei den Studentinnen vorstellig. Er habe, so schreibt es die Stasi, mit ihnen eine Aussprache geführt. „Von den Studentinnen wurde dabei zum Ausdruck gebracht, dass sie sich aus Bequemlichkeit direkt an der Wasserpumpe gewaschen und bei der Entblößung des Oberkörpers nichts Anstößiges gefunden hätten, zumal sie glaubten, unbeobachtet zu sein“, heißt es in der Akte.
Sie argumentierten, dass sich auch Dorfbewohner an der Pumpe gewaschen hätten – und an der Freikörperkultur sei schließlich nichts Schlechtes. Es half nichts: Die jungen Frauen mussten sich zügeln. „Nach dieser Aussprache sind derartige Vorkommnisse nicht mehr aufgetreten.“ Die Dorfbewohner von Kletzin waren wieder sicher vor den bösen Berliner Busen – und die Ernte konnte weitergehen.


