Viele Berliner in Tempelhof haben lange darauf gewartet, dass sich am ehemaligen Karstadt-Gebäude am Tempelhofer Damm wieder etwas bewegt. Nachdem das Warenhaus 2024 nach der Karstadt-Pleite geschlossen hatte, stand der markante Bau mit bewegter Geschichte zunächst leer.
Noch ein neuer Woolworth für Berlin
Inzwischen kehrt Leben zurück in das Kaufhaus. Neben dem bereits eingezogenen Lebensmitteldiscounter Lidl wird auch Woolworth eine große Fläche übernehmen. Am 30. April ist die große Eröffnung geplant.
Wirklich neu ist der Name Woolworth am Tempelhofer Damm nicht. Eine weitere Filiale gibt es bereits wenige hundert Meter entfernt, an der U-Bahn-Station Alt Tempelhof. Dennoch will der US-Händler Woolworth im ersten Stock des revitalisierten Gebäudes „Southlight Tempelhof“, dem ehemaligen Karstadt-Haus, eine seiner größten Filialen in Berlin eröffnen.
Woolworth baut damit seine Präsenz in der Hauptstadt weiter aus. Der Standort in Tempelhof ist dabei einer mit Geschichte.
Jüdischer Kaufmann erschoss sich im Kaufhaus
Das ursprüngliche Kaufhaus dort wurde 1907 vom jüdischen Kaufmann Edmund Elend gegründet. Zunächst an der Berliner Straße (heute Tempelhofer Damm), später zog das Kaufhaus 1913 in einen Neubau an der Ecke Berliner/Friedrich-Wilhelm-Straße um.
Am 13. Januar 1933 beging Edmund Elend Suizid, er erschoss sich im Alter von nur 51 Jahren in den Räumen seines Kaufhauses Tempelhof. 1935 verließ seine Familie Deutschland und wanderte erst nach Palästina, dann in die USA aus.
Nach 1933 wurde das Kaufhaus Tempelhof von den Nationalsozialisten „arisiert“, bereits 1934 befand sich stattdessen die „Sera“ Kleinpreis-Kaufhaus GmbH als Mieter an seiner Stelle auf dem Grundstück.
Kaufhaus Walden wird zu Woolworth
Das Kaufhaus Tempelhof wurde nach Kriegsende ab 1950 bis Anfang 1967 unter dem Namen „Kaufhaus Walden“ bekannt. An der Außenfassade war der Schriftzug C. Walden angebracht. Besitzer war der Kaufmann Carl Walden, der vor dem Krieg ein bekannter Fußballer gewesen war und 1964 starb. 1967 übernahm die Karstadt AG das Kaufhaus Walden.
Als Ende der 1970er-Jahre das Haus abgerissen werden sollte, regte sich Protest. 1980 erweiterte Karstadt das Ensemble, baute neu und schuf dabei eine historisierende Fassade, die an die Tradition des Hauses erinnert.
Bis 2024 stand der Standort mehrfach auf der Kippe. Nach einer Rettung durch die Landesregierung 2020, schloss die Galeria-Karstadt-Filiale am Tempelhofer Damm 191 Ende August 2024 endgültig.
Nun soll es mit günstigen Angeboten des Handelsriesen Woolworth weitergehen.
Mit einer Verkaufsfläche von rund 2610 Quadratmetern zählt die neue Filiale zu den größten Standorten des Unternehmens in Berlin. Insgesamt ist das Unternehmen mittlerweile mit rund 40 Stores in Berlin vertreten. Zuletzt eröffnete Woolworth in einer ehemaligen Galeria-Kaufhof-Filiale im Ring-Center einen Shop.

Woolworth will sich bewusst als günstiger Nahversorger etablieren, der nah an den alltäglichen Wegen der Menschen liegt und ein breites Angebot zu attraktiven Preisen bietet.
„Mit dem neuen Standort am Tempelhofer Damm schaffen wir ein besonders leistungsstarkes Angebot für unsere Kundinnen und Kunden in Berlin. Die Kombination aus zentraler Lage, sehr guter Erreichbarkeit und einem umfassenden Sortiment macht die Filiale zu einem wichtigen Anlaufpunkt im Alltag. Gleichzeitig freuen wir uns, Teil der positiven Entwicklung dieses traditionsreichen Standorts zu sein“, sagt Area Sales Manager Hakan Kaplan.
Erster Discounter vor 100 Jahren
Die Eröffnung in Tempelhof knüpfe zudem an die lange Geschichte des Unternehmens in Deutschland an, führt eine Mitteilung des Unternehmen aus: „Bereits vor rund 100 Jahren eröffnete Woolworth seinen ersten Store hier in Berlin. Am 26. August 1927 wurde in Berlin in der Müllerstraße ein Woolworth‑Warenhaus eröffnet, das ‚nach dem amerikanischen Prinzip „Nichts über 50 Pfennig“ eingerichtet‘ war. Diese Filiale war die erste Berliner Niederlassung der damals neuen deutschen Tochtergesellschaft der F.W. Woolworth Company. Mit dem neuen Standort führt das Unternehmen diese Tradition fort und setzt zugleich moderne Impulse für die Zukunft des stationären Einzelhandels.“
Es bleibt abzuwarten, ob der Standort am Tempelhofer Damm mit der Kette Attraktivität gewinnt.


