Der Berliner Wohnungsmarkt ist für viele Parteien zunehmend unter Druck geraten. Steigende Kosten, hohe Zinsen und ein knappes Angebot bringen nicht nur Mieter an ihre Grenzen, sondern setzen auch immer mehr Unternehmen der Branche unter wirtschaftlichen Stress. Das zeigt nun auch dieser Fall deutlich.
Berliner Wohnungsanbieter ist insolvent: Homepoint gerät unter Druck
Der Berliner Wohnungsanbieter homepoint living GmbH ist insolvent. Das Amtsgericht Charlottenburg hat am 2. Juni 2026 die vorläufige Insolvenzverwaltung für das Unternehmen mit Sitz in der Bundesallee in Wilmersdorf angeordnet. Das Verfahren läuft unter dem Aktenzeichen 3615 IN 11968/25.
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Berliner Rechtsanwalt Thorsten Petersen bestellt. Gleichzeitig verhängte das Gericht einen sogenannten Zustimmungsvorbehalt: Das bedeutet, dass das Unternehmen über sein Vermögen nur noch mit Zustimmung des Insolvenzverwalters verfügen darf.

Für die Firma hat das unmittelbare Konsequenzen. Zwangsvollstreckungen wurden vorerst gestoppt, bereits laufende Maßnahmen eingestellt. Banken und andere Gläubiger dürfen nur noch nach den Vorgaben des Insolvenzverwalters handeln. Dieser erhält umfassende Befugnisse, kann Konten kontrollieren, Forderungen einziehen und die wirtschaftliche Lage des Unternehmens genau durchleuchten.
Das Geschäft mit den möblierten Wohnungen
Die homepoint living GmbH war nach ihrem Marktauftritt auf Wohnraum spezialisiert – insbesondere auf Vermietung, Verwaltung und Angebote rund um möbliertes Wohnen. Dazu zählen auch temporäre Wohnkonzepte, etwa für Berufspendler, Studierende oder Fachkräfte, die nur für begrenzte Zeit in Berlin arbeiten. Solche Modelle gelten als Schnittstelle zwischen klassischem Wohnungsmarkt und modernen Serviced-Apartments.
Dass nun auch ein Anbieter in diesem Segment ins Straucheln gerät, kommt nicht überraschend. Die gesamte Immobilienbranche steckt seit Monaten in einer schwierigen Phase: Hohe Zinsen, gestiegene Bau- und Betriebskosten sowie sinkende Investitionen setzen viele Firmen unter Druck. Neben großen Projektentwicklern kämpfen zunehmend auch kleinere Dienstleister und Verwaltungsgesellschaften ums Überleben.

Berlin greift inzwischen gezielt beim Geschäftsmodell rund um möblierte Wohnungen durch: Seit April 2026 brauchen Anbieter in vielen innerstädtischen Milieuschutzgebieten eine Genehmigung, wenn sie Wohnraum befristet oder möbliert vermieten wollen – vor allem gewerbliche und hochpreisige Modelle stehen im Fokus.
Ziel ist es, Wohnungen wieder dem regulären Mietmarkt zuzuführen und Schlupflöcher bei der Mietpreisbremse zu schließen. Für Anbieter wie die homepoint living GmbH, die stark auf genau solche Wohnkonzepte gesetzt haben, dürfte diese Verschärfung den ohnehin angespannten Geschäftsalltag zusätzlich erschwert haben.
Homepoint-Gruppe wächst vom Makler zum Immobilien-Allrounder
Die insolvente Gesellschaft gehört zur homepoint-Gruppe, die ursprünglich 2004 von Robert Besir gegründet wurde. Die Idee damals: ein Unternehmen aufzubauen, das die komplette Wertschöpfungskette im Immobilienbereich abdeckt. Aus dem klassischen Maklergeschäft entwickelte sich im Laufe der Jahre ein breit aufgestellter Anbieter mit eigenen Projekten, Investments und Bauträgeraktivitäten.

Die Gruppe war unter anderem an Wohnprojekten beteiligt, etwa im Bereich studentisches Wohnen in Berlin. Dabei entstanden mehrere Hundert Apartments, um die hohe Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum zu bedienen. Zudem versteht sich das Unternehmen als Full-Service-Anbieter – von Kauf und Verkauf über Projektentwicklung bis zur Verwaltung von Immobilien.
Gericht prüft Zukunft der Firma
Mit der jetzigen Entscheidung beginnt die kritische Phase des Insolvenzverfahrens. Der vorläufige Insolvenzverwalter muss nun prüfen, ob ein Insolvenzgrund vorliegt, wie es um die Vermögenslage der Firma steht und ob eine Sanierung möglich ist. Auch die Frage, ob der Geschäftsbetrieb fortgeführt werden kann, steht im Raum.
Erst danach wird das Amtsgericht entscheiden, ob ein reguläres Insolvenzverfahren eröffnet wird. Bis dahin bleibt die homepoint living GmbH zwar handlungsfähig – allerdings nur eingeschränkt und unter strenger Kontrolle.



