Immer wieder laufen sie durch den Kiez, wühlen Grünflächen um und zeigen kaum noch Scheu. Im Kemmannweg in Berlin-Spandau wächst die Angst vor Wildschweinen.
Anwohner fürchten gefährliche Begegnungen
Ein Leser schildert dem KURIER die Situation drastisch. In einer Mail berichtet er von regelmäßigen Begegnungen mit ganzen Rotten. „Dabei handelte es sich um eine Rotte aus etwa 7 Bachen und rund 15 Frischlingen“, schreibt er. Die Tiere bewegten sich „ohne erkennbare Scheu in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern, Gehwegen und Grünflächen“.
Gerade für Kinder, Spaziergänger und Haustiere sei das gefährlich. Besonders dann, wenn Muttertiere mit ihren Frischlingen unterwegs sind. Für viele im Kiez stellt sich längst eine drängende Frage: „Muss erst ein Zwischenfall passieren, bevor wirksame Maßnahmen ergriffen werden?“
Doch die Antwort aus der Senatsverwaltung fällt anders aus. Wie die für die Stadtjagd zuständigen Berliner Forsten dem KURIER mitteilten, sei die Problematik im Bereich Kemmannweg schon länger bekannt. Stadtjäger seien dort „seit Monaten aktiv“. Trotzdem gibt es ein großes Hindernis.
„Allerdings liegt keine Genehmigung des Grundstückseigentümers für eine Bejagung auf dem Grundstück selbst vor“, heißt es aus der Verwaltung. Die Jäger dürfen in der Wohnanlage gar nicht schießen. Stattdessen könne nur die Polizei eingreifen – und auch das nur über das Ordnungsrecht zur Gefahrenabwehr.

Ein weiterer Punkt wiegt schwer. Die Tiere werden offenbar gefüttert. „Hier liegt der Kern des Problems“, so Berliner Forsten. Für die Sicherheit sei deshalb vor allem der Eigentümer der Wohnanlage verantwortlich. Er müsse unter anderem dafür sorgen, dass das Füttern unterbunden wird.
Auch ein erfahrener Berliner Stadtjäger bestätigt das. „Diese Rotte Wildschweine ist uns Stadtjägern bekannt“, erklärt er in einer Stellungnahme. Die Tiere hätten sich bereits im Spätsommer 2025 im Spektefeld gezeigt – und seitdem kaum Scheu entwickelt. Der Grund ist laut Stadtjäger klar: Menschen füttern die Tiere.
Abschuss schwierig: Stadtjäger warnen vor Risiken in Wohnanlagen
„Wildtiere sind herrenlos, niemand ist dafür verantwortlich“, erklärt der Stadtjäger. Grundstückseigentümer müssten selbst verhindern, dass die Tiere in Wohnanlagen gelangen – etwa durch Zäune.
Ein Abschuss ist ohnehin kompliziert. „Eine Schussabgabe innerhalb der Wohnanlage ist schwierig, da alle Risiken für die Anwohner ausgeschlossen werden müssen“, heißt es. Geschosse könnten abprallen oder unkontrolliert weiterfliegen.


