Ich sehe es seit Wochen jeden Tag: Wer am Bahnhof Friedrichstraße aussteigt und die Rolltreppen nehmen will, die Gleis 11/12 (S1, S2, S25, S26 Richtung Norden/Süden) und Gleis 5/6 (Stadtbahn-Linien S3, S5, S7, S75) miteinander verbinden, den erwartet ein Glücksspiel. Funktionieren sie heute oder nicht? Oft lautet die Antwort: Nein! Mal steht die linke still, mal die rechte.
Ein schwankendes Gefühl
Es folgt ein Kraftakt: Eine ausgeschaltete Rolltreppe hochzulaufen, gleicht einem Work-out, das die Beine schön brennen lässt. Muss man eine stillstehende Rolltreppe herunterstiefeln, übermannt einen ein seltsam schwankendes Gefühl – dafür gibt es sogar einen Namen, das „Broken-Escalator-Phänomen“.
Aber wieso fallen die Rolltreppen am Bahnhof Friedrichstraße aktuell täglich aus, nur um dann Stunden später wieder zu laufen? Ich habe mal für den KURIER bei der Deutschen Bahn nachgefragt.
Der Streu-Splitt ist schuld
Die Deutsche Bahn kann meine Erfahrungen nicht bestätigen: „Die Fahrtreppen an der Berliner Friedrichstraße sind nicht überdurchschnittlich häufig defekt.“
Aber die DB lenkt ein: Der Bahnhof Friedrichstraße sei einer der größten und wichtigsten Umsteigebahnhöfe Deutschlands. „Infolgedessen gehören die Fahrtreppen in den Verbindungen zwischen Gleis 11/12 und Gleis 5/6 zu den am höchsten frequentierten Fahrtreppen.“ Heißt übersetzt: Hier ist einfach viel los.
„Ein häufiger Ausfallgrund sind Kleinteile in der Mechanik“, erklärt uns die Bahnsprecherin. „Da bei entsprechender Witterung/Glättegefahr viel Rollsplitt auf öffentlichen Wegen im Einsatz ist, kommt es im Winter öfter zu derartigen Ausfällen als in der warmen Jahreszeit.“

Berliner ziehen zu oft am Nothalt-Schalter
Was viele nicht wissen: „Allerdings ist die Hauptursache, warum Fahrtreppen temporär nicht in Betrieb sind, dass (häufig unbegründet) Nothalt-Schalter betätigt werden“, verrät die Bahnsprecherin dem KURIER. Dies gilt für alle Berliner Bahnhöfe.
Das Problem: „Nach einem solchen, händisch ausgelösten Halt, starten unsere Fahrtreppen wieder selbstständig.“ Allerdings muss die Treppe für diesen automatischen Vorgang frei von Personen sein. „Da die Fahrtreppen an der Friedrichstraße sehr stark frequentiert sind, dauert es dort oft länger, bis die Startautomatik durchgeführt werden kann.“
Rolltreppen in Berlin werden gerne mal zerlegt
„Ein weiterer Grund für defekte Fahrtreppen (allgemein) ist der an Zerstörungskraft und Häufigkeit zunehmende Vandalismus, welcher zunehmend zu Ausfallzeiten von mehreren Wochen und immensen Kosten führt“, berichtet die Sprecherin weiter.

Hierbei spiele aber auch die subjektive Wahrnehmung eine Rolle. Die DB betont: „Mehr als ein Viertel aller von der DB InfraGO AG betriebenen Fahrtreppen befinden sich in den Bundesländern Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.“
„Bei einer größeren Anzahl an Anlagen sind unweigerlich auch mehr Anlagen von Ausfällen betroffen. Da aber nur die Anzahl und nicht der Anteil der nicht funktionstüchtigen Anlagen wahrgenommen werden, ergibt sich für viele dieses Bild“, meint die Sprecherin.

So oft werden Berliner Rolltreppen gewartet
„Fahrtreppen sind, sowohl aufgrund ihrer technischen Komplexität als auch hohen Frequentierung, wartungsintensiv“, erklärt die Bahnsprecherin. „Deshalb findet viermal jährlich eine Regelwartung statt, bei Problemanlagen achtmal.“
Die Deutsche Bahn weiß: „Jede Fahrtreppe, die nicht funktioniert, ist ein Ärgernis für unsere Reisenden.“ Deshalb würden sie möglichst dafür sorgen, Ausfälle zu reduzieren und Reparaturen möglichst rasch vorzunehmen.




