So ist er, der Berliner

Splitt-Krise in Berlin: Warum niemand fegt und die Stadt im Dreck stecken bleibt

Hohe Ansprüche haben die  Berliner, aber wollen  selber nix tun. Oder haben Sie in den letzten Tagen Menschen mit Besen gesehen? Was die Splitt-Krise über uns alle sagt.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Splitt liegt in auf einem Haufen vor dem Brandenburger Tor.
Splitt liegt in auf einem Haufen vor dem Brandenburger Tor.Sebastian Gollnow

Der Splitt muss weg, die BSR bittet um Mithilfe, sonst dauert es bis Ostern. Zeit genug, die Steinchen-Krise auf den Gehwegen einmal von ganz unten zu betrachten.

Warum ist Berlin so dreckig?

Denn die aktuelle Splitt-Schwemme und der Umgang der Berliner mit ihr ist nur die neueste Spielart eines Berlin-Gefühls, das mir so richtig auf die Nerven geht: Es ist eine selbstbewusste Anspruchshaltung gepaart mit Faulheit vor der eigenen Tür die bewirkt, dass die Stadt dreckig ist und es auch bleibt.

Meine These: Es gibt einfach gar nicht mehr viele echte Berliner, denen die Stadt auch am Herzen liegt. Mangelnde Identifikation mit dem Schmelztiegel Berlin ist ein Grund dafür, Pappbecher, Sperrmüll, Taschentücher oder Giftmüll einfach in die Gegend zu legen.

Sich mit der Stadt zu identifizieren, wenn man nur auf der Durchreise ist, fällt umso schwerer, wenn die Erzählung fehlt. Berlin hat den Techno-Bonus der 90er ausgereizt, den Arm-aber-sexy-Habitus überdreht. Manch einer mag gar denken, das ist hier eben so gewollt mit all dem Dreck auf den Straßen.

Berlins Müllhalden - muss das so?
Berlins Müllhalden - muss das so?Henk Hogerzeil/BerlinerKurier

In dieser verwahrlosten Umgebung kann man noch dazu herrlich über die dysfunktionale Verwaltung herziehen und im Notfall zurück nach Hannover, Heidelberg oder Husum ziehen.

#Berlin beliebig statt #Berlin, dit lieb ick. Längst gibt es hier hohe Mieten und teure Restaurants wie überall auf der Welt in Großstädten. Die weggentrifizierten Ur-Berliner fegen im Speckgürtel oder sind schlicht zu fertig, um sich um etwas anderes als das eigene kleine Glück zu kümmern.

Make Berlin sauber again!

Doch wer in einer verlotterten Umgebung lebt, findet sich mit der eigenen Handlungsunfähigkeit ab. Also: gebt uns Besen!

Wir alle sehnen uns nach mehr Gemeinschaftsgefühl, Aufbruchs-Vibe und echten Erlebnissen. Warum startet keiner den großen Stadt-Subbotnik, warum sehe ich keine Transporter aus denen Besen und Schrubber an Passanten verteilt werden?

Für jeden Meter Sauberkeit bekommen Sie dann von einem großen Sponsor Blumen in die Hand gedrückt, die sie an jeder Ecke in den Boden bringen. Auf allen Hundekackehäufchen sprießt es bunt. Jeden Tag ist BSR-Kieztag. Zugezogene und Ur-Berliner heben gemeinsam fleckige Matratzen in bereit stehende Container. Wir verbrüdern uns im Dienste der Sauberkeit. Paris ist als grüne Stadt auferstanden. Warschau punktet als der coole Newcomer aus dem Osten. London setzt auf spektakuläre Architektur und Berlin: krempelt bei Stulle und Weiße als Subbotnik-City, als Stadt der Begegnung und Macher die Ärmel hoch. Gebt uns endlich Besen, dann wird alles gut.

Finden Sie Berlin auch zu dreckig? Haben Sie selber schon einmal sauber gemacht? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com