Dem Müll auf der Spur

Was soll das mit den überfüllten Kleiderspendencontainern in Berlin?

Unsere Autorin ärgert sich über die müllartigen Kleiderberge in Berlin – und hat bei einem Betreiber der Spendencontainer nachgehorcht, wie es dazu kommt.

Author - Sharone Treskow
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So sieht ein Altkleider-Container des DRK auf dem Steglitzer Damm aktuell aus.
So sieht ein Altkleider-Container des DRK auf dem Steglitzer Damm aktuell aus.Sharone Treskow / Berliner Kurier

Sind das noch Spenden oder einfach nur Müllberge? Diese Frage stelle ich mir immer wieder, wenn ich in Berlin die überfüllten Kleiderspendencontainer sehe: In vielen Fällen werden hier munter Klamotten einfach auf dem Gehweg rund um die Behälter abgeladen und liegen gefühlt wochenlang herum. Einen besonders schlimmen Fall habe ich am 28. Mai auf dem Steglitzer Damm fotografiert – und damit das Deutsche Rote Kreuz (DRK) konfrontiert, Betreiber des besagten Containers. Die Antworten werden viele überraschen.

Gewusst? So oft werden die Kleiderspendencontainer geleert

Wie kann es sein, dass sich buchstäblich Berge von Kleidung vor den Spendencontainern bilden – werden sie nicht oft genug geleert? Stephan Jung, DRK-Referent für Öffentlichkeitsarbeit, versichert: „Die Kleiderspendencontainer werden bei uns im DRK Berlin Steglitz-Zehlendorf im Wochenrhythmus geleert. Damit haben wir bereits auf die Entwicklung des zunehmenden Altkleider-Spendenaufkommens reagiert.“

Stephan Jung erklärt, dass das DRK die Container schon so oft leert, wie möglich.
Stephan Jung erklärt, dass das DRK die Container schon so oft leert, wie möglich.Deutsches Rotes Kreuz in Steglitz-Zehlendorf

Weiter erklärt Jung: „Gleichzeitig stehen gemeinnützige Sammler aktuell bundesweit vor großen Herausforderungen: Die Mengen an Alttextilien steigen deutlich, während die Wiederverwertungsmöglichkeiten und die Nachfrage nach gebrauchter Kleidung zurückgehen.“

Was viele nicht wissen: „Auch sind Sortierstellen durch den Krieg von Russland gegen die Ukraine und Angriffe der radikal-islamischen Huthi Terrorgruppen auf Handelsrouten aktuell nicht mehr verfügbar.“ Deshalb müsse das DRK seine logistischen Kapazitäten verantwortungsvoll einsetzen.

Shein und Co. – Berlin hat ein Fast-Fashion-Problem

Einmal die Woche werden die DRK-Container also geleert. Wie kann es dann sein, dass sie trotzdem ständig vollgestopft werden? „Hier spielen mehrere Faktoren rein. Zum einen beobachten wir seit Jahren die Auswirkungen der sogenannten Fast-Fashion-Industrie“, so Jung.

„Kleidung hat massiv an Wertigkeit und Wert verloren. Dem versuchen wir bereits mit Angeboten für hochwertige Second-Hand-Kleidung, wie unserem Ladengeschäft, dem DRK-Chancenträger in Berlin Friedenau, entgegenzuwirken.“

Die Berliner kaufen zu viele billige Klamotten und schmeißen dadurch auch zu viel weg.
Die Berliner kaufen zu viele billige Klamotten und schmeißen dadurch auch zu viel weg.Thomas Bartilla/Imago

Doch das ist nicht das einzige Problem in Berlin: „Hinzu kommt, dass die neue Pflicht zur getrennten Sammlung von Alttextilien seit dem 01.01.2025 bei vielen Menschen noch Fragen aufwirft. Das Land Berlin bietet zu wenig Möglichkeiten, um die Getrenntsammlungspflicht zu erfüllen.“ Dadurch würden derzeit häufiger nicht verwertbare oder verschmutzte Textilien in den Sammelcontainern landen.

„Wichtig ist deshalb der Hinweis: Stark beschädigte, verschmutzte oder kontaminierte Kleidung gehört weiterhin in den Restmüll“, appelliert das DRK.

Das machen viele Berliner falsch

Woran sich viele Berliner leider nicht halten: „Bitte stellen Sie keine Kleiderspenden neben überfüllte Container ab. Die Kleidung wird dadurch häufig verschmutzt oder beschädigt und kann dann oftmals nicht mehr weiterverwendet werden“, beteuert Jung.

Das DRK bittet inständig, keine Spenden vor den Containern abzulegen.
Das DRK bittet inständig, keine Spenden vor den Containern abzulegen.Winfried Rothermel/Imago

Das DRK empfiehlt deshalb, die Spenden zu einem späteren Zeitpunkt erneut vorbeizubringen oder alternative Abgabemöglichkeiten zu nutzen. „Gut erhaltene und hochwertige Kleidung kann beispielsweise (möglichst der jeweiligen Saison entsprechend) direkt in unserem Ladengeschäft Chancenträger abgegeben werden, wo sie als Second-Hand-Mode weiterverwendet wird.“

„Kleidung, die insbesondere für Menschen in akuten Notlagen geeignet ist, kann zudem gezielt unserem Angebot der Obdachlosenhilfe, dem Obdachbus, zugutekommen“, so Jung abschließend. „Grundsätzlich gilt: Gespendet werden sollte nur saubere und gut erhaltene Kleidung.“

Wer wirklich schuld ist an den vollen Kleiderspendern

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Wer einen zugemüllten Kleiderspendencontainer sieht, sollte sich nicht über die Betreiber wie das Deutsche Rote Kreuz, Humana oder die Berliner Stadtmission ärgern. Sondern vielmehr über die Berliner, die hier buchstäblich ihren Müll abladen.

Spenden Sie Ihre Alt-Kleidung? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.