Schwerer Schlag für den Industriestandort Berlin: Der Automobil-Entwicklungsdienstleister IAV, eine Tochter des VW-Konzerns, plant den Abbau von rund 1400 Stellen in ganz Deutschland. Besonders hart trifft es die Hauptstadt. Der Stammsitz in Charlottenburg mit rund 1250 Beschäftigten soll weitgehend aufgegeben und das Betriebsgelände bis spätestens 2027 verkauft werden.
IAV streicht Jobs: Berliner Stammsitz steht vor dem Aus
Die Mitarbeiter wurden am Morgen über die Pläne informiert – viele bangen nun um ihre berufliche Zukunft. Nach Angaben des Unternehmens soll lediglich ein „kompakter Kern“ an Beschäftigten in Berlin verbleiben. Der Großteil der Belegschaft soll perspektivisch nach Gifhorn in Niedersachsen wechseln. Ob und in welchem Umfang dieses Angebot angenommen wird, ist offen.

IAV begründet den massiven Stellenabbau mit dem Abbau von Überkapazitäten und einer Anpassung an veränderte Marktbedingungen. „Die Maßnahmen sind Teil der Transformation, mit der IAV langfristig Wettbewerbsfähigkeit sichern und hochwertige Engineering-Arbeitsplätze in Deutschland erhalten will“, erklärt das Unternehmen.
Bereits im vergangenen Herbst hatte IAV intern angekündigt, deutschlandweit bis zu 1500 Stellen streichen zu wollen. Damals war auch über die Schließung ganzer Standorte spekuliert worden. Diese Pläne seien später jedoch als „Gerüchte“ bezeichnet worden, heißt es aus Betriebsratskreisen. Im Jahr 2024 hatte das Unternehmen bereits 500 Arbeitsplätze abgebaut.

IG Metall kündigt Widerstand gegen Stellenabbau an
Scharfe Kritik kommt von der IG Metall. Die Nummer eins der Berliner Industriegewerkschaften spricht von verantwortungslosen Plänen und kündigt massiven Widerstand an. Eine Schließung des Berliner Stammsitzes werde man nicht hinnehmen, betont die IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen. Dem IAV‑Management fehle ein tragfähiges Konzept für die Zukunft des Unternehmens.
Statt eine Strategie zur langfristigen Sicherung der Arbeitsplätze vorzulegen, setze die Geschäftsführung die Axt an, so der Vorwurf. „Dies wird auf massiven Widerstand der IG Metall und der Beschäftigten stoßen.“ Erste Proteste in Berlin sind bereits für die kommende Woche angekündigt. Auch andere Standorte sind betroffen: Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Chemnitz, Eddie Kruppa, verwies darauf, dass auch Stollberg in Sachsen in die Abbaupläne einbezogen ist. „Die Kolleginnen und Kollegen werden sich gemeinsam und solidarisch dagegenstellen.“

Die Gewerkschaft fordert vom Unternehmen ein Umdenken und wirft dem Management vor, ohne klare Perspektive Arbeitsplätze zu vernichten. Die Auseinandersetzung dürfte sich in den kommenden Wochen zuspitzen.
Giffey bietet Gespräche an und fordert Verantwortung
Unterstützung kommt aus dem Berliner Senat. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) machte deutlich, dass das Land Berlin um jeden Arbeitsplatz kämpfen will. „Der angekündigte massive Stellenabbau und die drohende Schließung des Berliner IAV‑Stammsitzes sind ein schwerer Schlag“, sagt sie. In mehreren Gesprächen habe sie der Geschäftsführung angeboten, gemeinsam Lösungen für den Erhalt des Standorts zu entwickeln.

Dabei habe auch die landeseigene Wirtschaftsförderung Berlin Partner konkrete Unterstützungsangebote gemacht. „Jetzt ist das Unternehmen gefordert, Verantwortung zu übernehmen und eng mit dem Betriebsrat zusammenzuarbeiten, statt den Standort vorschnell aufzugeben.“
Ob es gelingt, den Kahlschlag in Berlin noch abzuwenden oder zumindest abzumildern, ist offen. Klar ist jedoch: Der geplante Stellenabbau bei IAV sorgt schon jetzt für große Verunsicherung – und für Widerstand auf breiter Front.


