Betrugsverdacht

Fahrschulpleite in Berlin: Hunderte fürchten um ihr Geld – Polizei ermittelt

Fahrschüler von Jump und Orange bangen um ihr Geld: Zwei Fahrschulen dicht, Chefs verschwunden. Ermittlungen laufen, Betroffene sind verzweifelt.

Author - Stefan Henseke
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In knalligen Farben, groß mit dem Aufdruck „Jump“ fuhren die Fahrschulwagen bis vor wenigen Tagen durch die Stadt.
In knalligen Farben, groß mit dem Aufdruck „Jump“ fuhren die Fahrschulwagen bis vor wenigen Tagen durch die Stadt.Sabine Brose/Sorge/imago

Es geht für jeden um Hunderte Euro, für manchen um weit mehr als 1000 Euro. Über Nacht hat in Berlin eine bekannte, große Fahrschule mit vielen Kunden  dicht gemacht, die Geschäftsführer scheinen abgetaucht zu sein. Betroffene sind geschockt, haben Angst um ihr Geld.

In der Wiener Straße: Fahrschule Funky macht weiter

Im Internet tauschen sich aufgeschreckte Kunden aus. „Keine Website, Instagram Seite, WhatsApp Nummer, etc. mehr zu finden. Geld hab ich schon vor ein paar Monaten bezahlt, das Gefühl, dass alles zunichte ist, ist natürlich da“, schreibt ein Betroffener auf dem Online-Portal Reddit.

Gleich drei Fahrschulen sollen von einer möglichen Pleite betroffen sein, heißt in den Internetforen. Neben Jump auch Orange und Funky. Nur die Fahrschule Funky reagiert und meldet sich über seinen Instagram-Account zu Wort: „Die Fahrschule Funky steht in keinerlei Verbindung zur Fahrschule Jump oder zur Fahrschule Orange. Ebenso besteht bei uns kein Insolvenzverfahren.“

Als der KURIER am Freitagabend um 17.30 Uhr bei Funky in der Wiener Straße in Berlin-Kreuzberg anruft, ist das Telefon besetzt. Die Kollegin bestätigt, das hier der Geschäftsbetrieb weitergeht. „Unsere Türen sind geöffnet, unsere Fahrlehrer sind vor Ort und der Unterricht findet wie gewohnt statt“, heißt es.

Anders sieht es bei Jump und Orange aus. Der Instagram-Link der Fahrschule Orange führt über Google ins Leere, beim Klick auf die Internetseite www.jumpfahrschule.de öffnet sich nur der Schriftzug „Die Webseite ist nicht erreichbar“.

Fahrschule Jump: Noch am Montag wurden teure Pakete verkauft

Ein Kunde schreibt auf Reddit: „Seit einiger Zeit ist die Fahrschule für mich komplett nicht mehr erreichbar – weder telefonisch noch per E-Mail, und an den bekannten Standorten ist niemand mehr.“ Verzweifelt berichtet er, dass er deshalb auch keine Ausbildungsbescheinigung erhalten würde, um die Fahrschule zu wechseln.

Noch bis zum Montag sollen etwa Fahrschulpakete im Wert von jeweils 1111 Euro verkauft worden sein, berichtet die Berliner Morgenpost. Verlangt wurde Barzahlung. Handgeschriebene Quittungen gab es nur auf Nachfrage.

In Berlin haben Hunderte Fahrschüler Angst um ihr Geld. Duie Geschäftsführer von zwei Unternehmen sind abgetaucht.
In Berlin haben Hunderte Fahrschüler Angst um ihr Geld. Duie Geschäftsführer von zwei Unternehmen sind abgetaucht.Swen Pförtner/dpa

Schon Januar wurden die ersten Jump-Filialen geschlossen, Fahrschüler mussten auf andere Zweigstellen wechseln. Bei der Polizei sind bereits mehrere Strafanzeigen eingegangen. Ermittelt wird wegen des Verdachts auf Leistungsbetrug.

Die Eigentümer scheinen einfach abgetaucht zu sein. „Bisher konnten wir keine offizielle Insolvenzbekanntmachung feststellen“, erklärt Josephine Frindte von der Verbraucherzentrale in der Berliner Morgenpost. Straffälliges Verhalten sei hier nicht auszuschließen. Sie rät Betroffenen, einen Anwalt einzuschalten und Anzeige zu erstatten.

Betroffene Kunden haben wenig Chancen auf Rückerstattung

„Etwaige Ansprüche auf Rückerstattung der getätigten Zahlungen können später bei einem Insolvenzverfahren eingebracht werden“, sagt Frindte. Doch der Betrag sei in der Regel nur gering.

Klar ist, dass die Verantwortlichen über Nacht verschwunden sind. Ein Kunde schreibt auf Reddit, dass seine geplante Sonderfahrt (20. April) noch am Vorabend per SMS bestätigt wurde, „aber plötzlich vor Ort abgesagt wurde. Angeblich wegen eines Arzttermins vom Fahrlehrer.“

Seitdem ist niemand mehr erreichbar. Weder über Telefon noch über WhatsApp, der Instagram-Account sei auf privat gestellt worden. Sein Schaden: 1000 Euro.

Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema? Sind Sie selbst betroffen? Schreiben Sie per Mail anleser-bk@berlinerverlag.com