Lost Places

Verbotene Partys im Pankower Luna-Bunker stören Fledermäuse

Im geschützten Fledermausquartier in der Schönholzer Heide finden Partys statt, der Nabu mahnt zur Rücksicht für die überwinternden Tiere.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Immer wieder werden die Türen an den Zugängen zum Luna-Bunker entfernt.
Immer wieder werden die Türen an den Zugängen zum Luna-Bunker entfernt.Nabu Berlin

Der Luna-Bunker in der Schönholzer Heide hat sich bei Fledermäusen als gutes Winterquartier herumgesprochen. Aber auch Partyvolk und Menschen, die gern in Lost Places herumstöbern, kennen den Bunker. Nun bittet der Nabu Berlin darum, bei Erkundungen von Ruinen, Bunkern und anderen verfallenen Gebäuden wie dem Luna-Bunker Rücksicht auf dort überwinternde Tiere wie Schmetterlinge, Fledermäuse und Amphibien zu nehmen. 

Fledermäuse lieben Lost Places

Vor allem Fledermäuse nutzen Bunker und alte Gebäude von November bis März als Winterquartier. Jede Störung kann für die Tiere dramatische Folgen haben: Sie erwachen aus dem Winterschlaf und verlieren lebenswichtige Energie. Das kann für die Fledermäuse den Tod bedeuten.

Erst kürzlich kam es zu Vandalismus im Luna-Bunker, schreibt der Nabu Berlin. Ehrenamtliche hatten den Bunker in der Schönholzer Heide erst Anfang des Jahres mühsam für streng geschützte Wasserfledermäuse und Braune Langohren aufgewertet. 

Dass daraufhin mehr Fledermäuse im Bunker überwintern, werteten die Tierschützer als Erfolg: „Anscheinend spricht sich unter den Fledermäusen langsam herum, dass es in Pankow nun einen weiteren Ort für einen ruhigen Winterschlaf gibt“, erklärte der Vorsitzende des Nabu Berlin, Rainer Altenkamp. Fledermäuse seien Gewohnheitstiere, das Quartier sei gerade erst saniert worden – die Zunahme somit „bemerkenswert“. Dass nun mit illegalen Partys die Winterruhe gestört wird, ist für die Naturschützer ärgerlich. 

Lost Place: Luna-Bunker in Pankow

Der Luna-Bunker in der Schönholzer Heide ist ein beliebter Lost Place und wurde in der Vergangenheit immer wieder für illegale Partys genutzt. Er ist aber auch eines von zwei bekannten Fledermaus-Winterquartieren in Pankow. Auch in einem Parkhaus haben etwa 20 Fledermäuse Unterschlupf gesucht. 

Die Nabu-Aktiven hatten im Februar 2023 im Luna-Bunker Müll beseitigt, Fledermauskästen aufgehängt und die Zugänge gegen Eindringlinge gesichert. Auch ein Zaun wurde vom Bezirksamt aufgestellt, um das wertvolle Winterquartier zu schützen – vergeblich: Die Vandalen überwanden jetzt den Zaun und schraubten die Stahltür ab. 

„In abgeschlossene Bauten einzudringen, ist illegal und häufig auch gefährlich, zum Beispiel, weil Einsturzgefahr besteht oder Besucher mit Schadstoffen in Kontakt kommen können. Wer trotzdem Lost Places besucht, sollte mindestens diese Regeln befolgen“, mahnt der Nabu: Aus Rücksicht auf überwinternde Tiere sind die Gebäude im Winter tabu. Ansonsten gilt: Keine Fenster oder Türen offen stehen lassen, weil dies das Mikroklima im Inneren beeinträchtigt. Außerdem bitte die Lautstärke auf ein Minimum reduzieren, möglichst wenig beleuchten und keinen Müll hinterlassen. 

Die dunkle Vergangenheit des Heide-Bunkers

Der Heide-Bunker, auch Luna-Bunker genannt, liegt an der Hermann-Hesse-Straße zwischen dem Paul-Zobel-Sportplatz und der Schießanlage Schönholz. Zunächst war er als Schutzbunker für die Pankower bei Fliegerangriffen gedacht. Ab 1940 befand sich an dieser Stelle das Zwangsarbeiterlager Schönholz.

Luna-Bunker heißt der Lost Place, weil sich hier in der Schönholzer Heide einst der Vergnügungspark Luna-Park befand. Nach der Schließung des Luna-Parks in Halensee 1936 mieteten die Schausteller ein Areal im Park von Schönholz und eröffneten den Vergnügungspark Traumland. Auch das später von den Nazis errichtete Zwangsarbeiterlager hieß im Volksmund Luna- Lager. 

In schäbigen Holzbaracken um den heute noch erhaltenen oberirdischen Betonbunker mussten ab 1940 Zwangsarbeiter vorwiegend aus Polen, Frankreich, Belgien, Kroatien und Russland unter schwierigsten Verhältnissen leben. Die Menschen wurden zur Arbeit in den Bergmann-Elektrizitätswerken in Wilhelmsruh und in NS-Rüstungsbetrieben in Reinickendorf gezwungen.