Prozess in Moabit

Schüsse vor einem Supermarkt in Mariendorf: 22 Projektile aus drei Knarren

Wildwest auf einem Supermarkt-Parkplatz. Ein Mann wird niedergeschossen. Waren Geldeintreiber hinter ihm her?

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Vor dieser Aldi-Filiale in Mariendorf kam es am Abend des 22. Oktober zu einer Schießerei.
Vor dieser Aldi-Filiale in Mariendorf kam es am Abend des 22. Oktober zu einer Schießerei.Axel Billig/Pressefoto Wagner

Zwei Männern wird nun der Prozess gemacht: Berkay K. (21) und Ahmed S. (24). Es geht um versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung, Verstoß gegen das Waffengesetz.

Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Schießereien: Kaum ein Tag vergeht, an dem in Berlin nicht scharf geschossen wird. Allein 2025 registrierte die Polizei 1119 Delikte mit einer Schusswaffe. 515-mal wurde tatsächlich geschossen.

Es ging um Schulden in Höhe von 250.000 Euro

Wie am 22. Oktober in Alt-Mariendorf. K. und S. sollen laut Anklage an einer Strafaktion beteiligt gewesen sein. Es sei um vermeintliche Schulden eines türkischen Geschäftsmannes in Höhe von 250.000 Euro gegangen sein. Zwei Männern wird nun der Prozess gemacht:

Weil er untergetaucht war, sei seinem Schwiegersohn angekündigt worden: „Wenn ihr uns den Typ nicht gebt, dann müsst ihr mit Krieg rechnen, also mit Toten.“ Ein Treffen auf einem Aldi-Parkplatz sei verabredet worden.

Der Schwiegersohn kam mit seinem Vater P. (45) und einem weiteren Bekannten zum Treffpunkt. Sie hatten den Aufenthaltsort des Untergetauchten nicht verraten. K., S. und ein weiterer Mittäter hätten beschlossen, „Zahlungsdruck auf den Schuldner auszuüben“, heißt es in der Anklage.

Vor der Filiale von Aldi kam es zu einem Großeinsatz der Polizei.
Vor der Filiale von Aldi kam es zu einem Großeinsatz der Polizei.Axel Billig/Pressefoto Wagner

Aus einem Fahrzeug sollen sie geballert haben. Senior P. wurde von drei Kugeln getroffen, zwei davon in den Oberkörper. Seine Begleiter konnten sich in Deckung bringen. Die Pistolen-Männer flohen, als P. am Boden lag. Die Anklage: „In der Annahme, er sei tödlich getroffen.“ Der Verletzte konnte aber durch eine Not-OP gerettet werden.

Angeklagte schweigen vor Gericht

Wegen der hohen Anzahl an Schießereien seit Herbst 2025 wurde die spezielle Ermittlungsgruppe „Ferrum“ eingerichtet. Diese arbeitet intensiv an der Auswertung von Spuren, um die Hintermänner zu identifizieren.

Auf dem Aldi-Parkplatz wurden 22 Projektile aus drei Waffen gefunden. Zehn Tage später klickten für S. die Handschellen, B. wurde einen Monat später gefasst. Vor Gericht haben sie zunächst geschwiegen. Fortsetzung: 6. Mai. 

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