Freuen Sie sich über den Schnee? Ich liebe ihn! In den vergangenen Tagen erstrahlte Berlin wieder in einer herrlichen, weißen Pracht: Das zarte Pulver bedeckt Wege, Wiesen, Hügel und Bäume, lässt uns für einen Moment wieder zu Kindern werden und staunen. Die zarten Flöckchen, das märchenhafte Glitzern, das strahlende Weiß: Es ist so romantisch! Aber: Wissen Sie, wofür ich den Schnee auch sehr liebe? Dass er uns für einen Moment vergessen lässt, was für Dreckschweine manche sind.
Ich gehe momentan jeden Morgen auf Wanderschaft durch meinen Kiez und die umliegenden Gegenden, erkunde die winterlichen Landschaften von Karlshorst, Schöneweide, Rummelsburg, Friedrichsfelde. Erst gestern lief ich eine Tour, die ich schon vor drei Tagen bezwungen hatte.
Überall in Berlin liegt Müll – doch der Schnee kann ihn verstecken
An einer Straßenecke an der Treskowallee wunderte ich mich: Lag hier nicht vor Tagen noch Müll? Ich erinnerte mich an Essens-Verpackungen, Hundekot-Beutel, sogar eine abgerissene Kühlschranktür. Ich hatte mich darüber geärgert, mich gefragt, welcher Idiot wohl all das dorthin gekippt hat.

Doch nun war es plötzlich verschwunden. Wunderschön, nicht? Nur leider gibt es einen Haken: Nicht der Verursacher hat es verschwinden lassen, sondern der Schnee. Die dicke, weiße Schicht verdeckte all das Übel. Kein Dreck mehr, kein Abfall. Nichts, was einen ahnen lassen könnte, wie schändlich manche mit unserer Stadt umgehen. Sie kippen ihren Müll ins Straßenland, sind sich zu fein, den eigenen Sperrmüll zur BSR zu bringen, schmeißen Tüten mit den Hinterlassenschaften ihrer Hunde achtlos in die Ecke.
Sie benehmen sich, als gäbe es kein Morgen.
Auch an anderen Ecken meiner Morgen-Runden stoße ich immer wieder auf solche Dinge. Dass mal irgendwo ein Stück Abfall liegt, das ist ja schon lange nichts Besonderes mehr. Zweifel an der Menschheit kommen mir aber immer dann, wenn es genau solche Ansammlungen sind, über die ich förmlich stolpere.
Eine Toilettenschüssel, ein zerlegter Schrank – doch zum Glück gibt es den Winter
In einem Waldstück sah ich neulich eine alte Toilettenschüssel, nicht weit entfernt etwas, das mich an einen kleinen Kühlschrank erinnerte – und ringsherum Bretter, die so aussahen, als hätte jemand einen Schrank zerlegt, ihn aber nicht zum Sperrmüll bringen wollen.




