Kurioser geht’s kaum: Der Schlangenbader Tunnel in Wilmersdorf führt direkt unter einem riesigen Wohnblock hindurch – mitten unter Wohnungen rollen sonst die Autos. Doch der Tunnel ist seit April 2023 gesperrt und für Autofahrer im Berliner Südwesten längst zum Dauerärger geworden. Jetzt zeigt eine aktuelle Antwort des Senats auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Florian Dörstelmann: Ein konkreter Fahrplan für die Wiedereröffnung lässt weiter auf sich warten. Klar ist nur: Es wird noch lange dauern.
Der Schlangenbader Tunnel: Eine unendliche Geschichte
„Was dauert da bloß so lange?“, fragen sich viele Berliner. Ein Hauptproblem sind die laufenden Vorbereitungen für die Sanierung. Die geplanten Neuausschreibungen für Entkernung und Schadstoffsanierung konnten bisher nicht gestartet werden.
Grund ist eine aufwendige Überarbeitung der Vergabestruktur und der Ausschreibungsunterlagen. Die Maßnahmen müssen aufgrund zahlreicher technischer und verkehrlicher Abhängigkeiten deutlich komplexer geplant werden als ursprünglich angenommen.

Immerhin: In den nächsten Wochen sollen die Anpassungen abgeschlossen werden. Doch selbst wenn alles glattläuft, ist mit der Vergabe der Bauaufträge erst Ende 2026 zu rechnen. Erst danach kann der Senat überhaupt belastbare Zeitpläne für die eigentliche Sanierung und eine Wiederinbetriebnahme aufstellen.
Schlangenbader Tunnel: Baustart verzögert sich weiter
Ursprünglich war geplant, die Hauptarbeiten schon deutlich früher zu starten. Doch rechtliche Streitigkeiten rund um die Vergabe haben den Zeitplan nach hinten geschoben. Diese sogenannten Nachprüfungsverfahren gelten als einer der Hauptgründe dafür, dass sich das gesamte Projekt verzögert.
Die Frage, ob der Tunnel wie einst anvisiert 2028 wieder öffnen kann, bleibt deshalb offen. Ein bestätigtes Zieljahr nennt der Senat derzeit nicht mehr. Damit droht die wichtige Verkehrsverbindung noch mehrere Jahre auszufallen.

Auch finanziell bleibt das Projekt ein Unsicherheitsfaktor. Aktuell geht der Senat weiterhin von Gesamtkosten in Höhe von rund 42,6 Millionen Euro aus, inklusive Fördermitteln von gut 9 Millionen Euro. Allerdings wird bereits mit steigenden Baupreisen gerechnet – teurer könnte es also noch werden.
Mehr Verkehr, mehr Unfälle – Anwohner leiden unter Sperrung
Während sich die Planungen ziehen, bekommen vor allem die Anwohner die Folgen zu spüren. Verkehrszählungen zeigen eine deutlich höhere Belastung der umliegenden Straßen seit der Tunnelsperrung. Autofahrer weichen aus – und drücken sich durch Wohngebiete wie das Rheingauviertel.

Die Zahlen sprechen für sich: Zwischen Januar 2022 und Februar 2025 wurden im Umfeld des Tunnels 40 Verkehrsunfälle registriert. Dennoch sind derzeit keine zusätzlichen Maßnahmen geplant, um die Situation für Anwohner zu entschärfen.
Auch einzelne Bauprojekte wie die Ausfahrtsrampe zur Dillenburger Straße sind noch nicht konkret terminiert. Hier laufen bislang lediglich vorbereitende Untersuchungen. Gleichzeitig muss die Tunnelsanierung eng mit Arbeiten an der darüberliegenden Wohnanlage abgestimmt werden – ein weiterer Faktor, der Zeit kostet.


