Horror beim Einkauf

Rewe-Geiselnahme in Berlin: Was über den 29-jährigen Täter bekannt ist

Berliner Polizei beendet Geiselnahme mit Taser-Einsatz. Das wissen die Ermittler bisher über den Kidnapper!

Author - Stefan Doerr
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Der Geiselnehmer wurde bei dem Einsatz verletzt.
Der Geiselnehmer wurde bei dem Einsatz verletzt.Carsten Koall/dpa

Es war ein Nervenkrieg, der eine ganze Nacht dauerte und erst am Morgen ein Ende fand. Fast zwölf Stunden hielt ein Mann eine Supermarkt-Mitarbeiterin in einem Rewe-Markt in Berlin-Marienfelde als Geisel fest. Um 9.20 Uhr schlugen Spezialkräfte am Samstag schließlich zu. Mit einem Taser überwältigten sie den Geiselnehmer und befreiten die Frau. Was ist über den 29-jährigen Täter bisher bekannt?

Rewe-Geisel erlebte 12 Stunden langes Martyrium

„Der Täter ist überwältigt und die Geisel befreit“, sagte Polizeisprecher Florian Nath nach dem Zugriff am Samstag. Zuvor hatten Einsatzkräfte stundenlang versucht, den Mann durch Gespräche zur Aufgabe zu bewegen. Ohne Erfolg.

Für die Geisel dürften die Stunden zur Tortur geworden sein. „Die Frau ist wahrscheinlich durch ein Martyrium gegangen“, sagte Nath. Rettungskräfte brachten die Mitarbeiterin nach ihrer Befreiung in ein Krankenhaus. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft blieb sie nahezu unverletzt. Der Geiselnehmer hatte ihre Hände mit zwei schwarzen Kabelbindern gefesselt.

Die Rewe-Mitarbeiterin wurde nach stundenlangen Qualen befreit.
Die Rewe-Mitarbeiterin wurde nach stundenlangen Qualen befreit.Axel Billig/Pressefoto Wagner

Mitarbeiter bemerkte „großes, funkelndes Messer“

Begonnen hatte das Drama am Freitag kurz nach 22 Uhr. Der Rewe-Markt an der Hildburghauser Straße stand kurz vor Ladenschluss. Ein 22-jähriger Mitarbeiter wollte die letzten Kunden hinausbegleiten, als sich die Situation plötzlich zuspitzte. Der Kidnapper habe zunächst an der Kasse gestanden, als er plötzlich ein Messer zog.

„Das Messer war schon sehr groß“, berichtete der junge Mann später Journalisten. Viel habe er nicht erkennen können. „Ich habe nicht viel gesehen, es ist alles sehr schnell passiert. Man konnte auch nicht viel erkennen.“ Das „funkelnde Messer“ sei ihm jedoch sofort aufgefallen. Gemeinsam mit einer Kollegin lief der Minijobber aus dem Markt und alarmierte die Polizei.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich beim Geiselnehmer um einen 29-jährigen deutschen Staatsangehörigen. Laut Medienberichten ist er polizeibekannt. Eine zunächst verbreitete Information, wonach der Mann die türkische Staatsangehörigkeit besitzen soll, wurde am Sonntag korrigiert.

Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass Täter und Geisel sich vor der Tat nicht kannten. Das Opfer geriet offenbar zufällig ins Visier des Mannes. Ein konkretes Motiv ist bislang nicht erkennbar.

Am Samstagmorgen erfolgte der Zugriff durch Spezialkräfte.
Am Samstagmorgen erfolgte der Zugriff durch Spezialkräfte.Axel Billig / Pressefoto Wagner

Genau das macht den Fall so rätselhaft. Zwar stellte der Geiselnehmer während des nächtlichen Einsatzes verschiedene Forderungen. Doch diese wirkten nach Einschätzung der Polizei weder strukturiert noch durchdacht. „Das waren Impulsforderungen, die sich im schwer nachvollziehbaren Bereich abgespielt haben“, sagte Polizeisprecher Nath. Sie hätten keinen „akribischen Tatplan widergespiegelt“.

Polizei stoppt Kidnapper mit Elektroschocker

Mit jeder weiteren Stunde wuchs offenbar die Sorge der Einsatzleitung, die Lage könne unkontrollierbar werden. Der Supermarkt wurde weiträumig abgesperrt. SEK-Beamte, Feuerwehr, Rettungsdienste und zahlreiche Streifenwagen sicherten den Bereich. Zeitweise verschafften sich die Einsatzkräfte mit einer Leiter einen Blick ins Gebäude.

Am Samstagmorgen fiel dann die Entscheidung zum Zugriff. Schusswaffen kamen nicht zum Einsatz. Stattdessen nutzten die Spezialkräfte einen Taser, der Menschen durch elektrische Impulse kurzfristig bewegungsunfähig macht.

Auch der mutmaßliche Täter wurde anschließend in ein Krankenhaus gebracht. Nach Polizeiangaben erlitt er bei dem Einsatz leichte Verletzungen. Später kam er in Polizeigewahrsam.

Am Sonntag wurde ein Haftbefehl gegen ihn erlassen, wegen erpresserischen Menschenraubs in Tateinheit mit versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung. Was den 29-Jährigen zu seiner Tat getrieben hat, ist weiterhin offen.

Bei Rewe sitzt der Schock tief. Das Unternehmen erklärte, man sei „von den Ereignissen bestürzt“. Das Mitgefühl gelte den betroffenen Mitarbeitern und Kunden. Weitere Angaben zur betroffenen Mitarbeiterin machte der Konzern nicht. „Aus Rücksicht auf die betroffenen Personen können wir derzeit keine weiteren Angaben machen.“